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Der Israelit · 1893-08-28 · Heft 69 (28.8.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 69 (28.8.1893)
Date
1893-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1328 steck betrachten, der niemals auszutilgen wäre." Das angezogene Gutachten Vtrchow's, bestätigt in Berlin am 7. Juli d. I., gipfelt in folgenden Sätzen: „Wenn alle Bestimmungen des Rituals vollständig erfüllt worden, was bei der Natur der Handlung sicher zu erwarten ist, so wird der Zweck des Schächtens (unnöthige Quälerei zu vermeiden und durch vollständige Entfernung des Blutes das Fleisch für den menschlichen Gebrauch besser zu machen) in ungleich sichererer Weise erreicht, als durch irgend eine andere Art der Tödtung. Meiner Meinung nach kann daher mit irgend einem Schein von Recht nicht behauptet werden, daß das Schächten im Gegensatz zu anderen Arten des Schlachtens eine Thierquälerei sei." Genf. Ueber die Polinnen an der medizinischen Fakultät dahier berichtet der Genfer Professor der Anatomie, Dr. Loskowski: „Die an der Genfer Universität Medizin ftudirenden Polinnen zeichnen sich durch Fleiß aus. der aber nicht immer einen günstigen Erfolg erzielen läßt, und zwar wegen Mangels einer genügenden Vorbereitung. Der größere Theil der Studentinnen kämpft außerdem mit schwerem Mangel an materiellen Mitteln, was ebenfalls schädlich auf den Verlauf der Studien einwirken muß. Seit 17 Jahren waren an der Genfer medizinischen Fakultät 50 Polinnen und 125 Frauen anderer Nationalität, vorwiegend Jüdinnen aus Rußland, eingeschrieben. Von diesen 50 Polinnen haben aber nur 2 (Frau Krajewska und Frl. Litauer) an der Genfer Universität sich das Doktordiplom erworben, während 2 andere (Frl. Jakubowski und Mlodztejowska) sich nach Paris begaben, um daselbst ihre Studien zu vollenden. Von den 125 Frauen anderer Nationalitäten haben nur 10 den Doktorgrad erworben, und von diesen 10 tst 1 gestorben, 2 hetratheten und gaben die Praxis auf, 3 erfreuen sich eines gewissen Rufes, während 4 blos kärglich vegetiren. Ich glaube nicht, daß ein solcher Prozentsatz für die zukünftigen Kandidatinnen der Medizin ein aufmunternder ist. So und nicht anders gestalten sich aber die Verhältnisse." Rußland. Tiflis, im Kaukasus, 10. August, ijnv “pnV nnvv ip3 ]rv 'v -iDNn 3-ijm a->y *|rv 'v Wir leben jetzt fortwährend in Angst und Schrecken, da wir nicht wissen, was für neue Verordnungen (nn’ü) uns das nächste Morgenblatt oder das nächste Abendblatt bringen wird. So melden die Blätter jetzt, die Regierung wolle nun die Wohlthätigkeitsstiftungen der Juden einer strengen Controls unterziehen, um deren Verwaltung kennen zu lernen. Man fürchtet daher, die Regierung werde nun veranlassen, daß die Erträgnisse dieser Stiftungen nur für bestimmte von ihr selbst vorgeschriebene Zwecke verwendet werden dürfen, wodurch des Studium unserer heiligen Lehre (nimpn vmin) einen großen Abbruch erleiden würde. Viele dieser Stiftungen haben nämlich den Zweck das Studium des Talmuds zu fördern und zu verbreiten und dies nicht nur im Jnlande sondern auch im Auslande, besonders im heiligen Lande (ntmpn y im no’tr.) Da unsere Behörden weder für den Talmud noch für die jüdischen Niederlassungen und Institutionen in Palästina besonders schwärmen, so haben wir nach jener Seite hin jedenfalls eine Menge Verordnungen zu erwarten. — Die Bevölkerung Bakus am Kaspisee, die im vorigen Jahre durch die Cholera fast decimirt wurde, beginnt sich wieder zu erholen und sind fast alle Israeliten, die dieser Geisel wegen von dort geflüchtet, wieder nach dieser Stadt zurückgekehrt. Diese heimkehrenden Flüchtlinge wurden von der Bevölkerung mit Freuden begrüßt, da dieselbe nun hofft, daß sich Handel und Wandel in dieser Stadt, da die Juden nun thä'tg Mitwirken, wieder heben werden. > Dermischtes. «$- Münstereifel, 20. August. Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: In unser von allem Confessionshader bis jetzt verschont gebliebenes Eifelstädtchen suchten heute die Antisemiten^durch eine öffentliche Versammlung auf der „Burg" ihre vergiftende Lehre zu tragen. Die Hauptredner Awaren Agitatoren des Kölner antisemitischen Vereins. Einiges Leben kam erst in die Versammlung, als Oberlehrer Dr. Fischer und Oberpfarrer Franken von hier sich entschieden dagegen verwahrten, daß Unfriede in den Reihen unserer Bürgerschaft gestiftet werde. Beide Redner bestritten die Berechtigung der antisemitischen Hetze vom Standpunkte der christlichen Lehre aus. Die Versammlung hatte ein schweres Unglück zur Folge. Im ärgsten Gedränge und unter der Last von etwa 30 bis 40 Personen stürzte mit fürchterlichem Getöse die von der Burg über den Burggraben zur Straße führende morsche Holzbrücke zusammen, einen Brückenpfeiler mit sich reißend und eine Anzahl Personen unter sich begrabend. Drei Personen sind schwer verletzt, eine Menge anderer hat mehr oder weniger geringe Verletzungen davongetragen, glücklichermeise war schnelle Hülfe zur Hand. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) XX. Im Dorfe schien wieder alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Seitdem die Bauern eingesehen, wohin es führt, wenn sie den Antisemiten folgen, hat sich ihrer eine tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigt. Der letzte antisemitische Putsch hatte

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