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Der Israelit · 1893-08-28 · Heft 69 (28.8.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 69 (28.8.1893)
Date
1893-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1827 mit der Fleischer koscheres Fleisch liefern könne. Der Kantor verließ seine hiesige Stellung, weil ihm das Schächtgeld von den hiesigen Fleischern nicht mehr gezahlt wurde. Es kam ein neuer Kantor her. Müde des ewigen Zankens und Haderns, auch der Neid hat wohl eine große Rolle dabet gespielt, trafen die Parteien ein Abkommen dahin, daß nicht mehr der frühere Schächtpreis, sondern ein viel billigerer bezahlt und daß das Geld nicht mehr direkt an den Kantor, sondern an den Gemeindevorstand entrichtet werde. So ist die Sache vorläufig beigelegt, ob die Parteien dabei gut fahren, ist eine Frage der Zeit. (Nem. Ztg.) Oesterr.-Un gar. Monarchie. Wien, 22. August, nzb d’nt an nprcr ’d Herr Lepold Hollomay ist ein ehrsamer Lithograph und dabei auch Armenrath der Stadt Wien. Nebstbei ist er dann auch, was in unseren Tagen doch nichts so Seltenes ist, ein wüthender Antisemit, der alle Juden dorthin wünscht, wo die Rose von Jericho blüht und wo der Jordan fließt. 1883 erkühnte er sich sogar gelegentlich einer Zeugenaussage, die er vor Gericht abzulegen hatte, zu prophezeien, daß nach zehn Jahren den Juden die Einwanderung nach Wien nicht mehr gestattet sein wird. Nun, dies hat Herr Hollomay zwar nicht erlebt, dafür aber erlebte er jetzt die Schande, daß man ihn beschuldigt, von den von ihm einkassirten Armengeldern 170 fl. unterschlagen zu haben. Wahrscheinlich dachte sich Herr Hollomay, daß nicht nur die Nächstenliebe, sondern auch das Wohlthun bei sich selbst anfängt. Nächster Tage wird nun der Gemeinderath darüber entscheiden, ob Herr Hollomay noch weiter Armenrath bleiben soll oder nicht. Ja, unsere Antisemiten möchten gerne ehrlich bleiben, aber es scheint, daß sie soviele Hindernisse finden, daß sie doch straucheln. Gairing, (Ungarn.) Am 12. d. M. ntcns n*n hielt hier auf Einladung des israelitischen Gemeinde-Vorstandes, Herr Moritz Rosenfeld, der in Berlin seine Ausbildung genießt, eine Gastpredigt. Er wählte sich den Anfang des Wochenabschnittes zum Texte und behandelte in halbstündiger, zündender Rede den Begriff des Segens, und schloß mit einer Ermahnung an die Gemeinde, dem Jugendunterrichte mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, indem er den Midrasch zu upjr -ipn folgendermaßen anführte: „Unsere Weisen erzählen, daß einst alle Völker der Erde zu dem heidnischen Propheten Bileam kamen und ihn um Rath fragten, wie man Israel, dieser großen Nation, welche unter Gottes besonderem Schutze steht, beikommen könne. Da antwortete ihnen Bileam: Gehet hin in ihre Lchrhäuser, sehet nach in ihren Gotteshäusern und Schulen, wenn ihr dort zarte Kinderstimmen höret, zarte Stimmen, die da lernen und sprechen von der Lehre des Ewigen — dann, wisset, werden eure Schwerter nichts nützen, eure Pfeile werden nicht verwunden, und eure Speere nicht treffen, denn das ist es, was ihr Urahn ihnen als Segen ertheilte: npy' *?ip ^>ipn wy ’T D’Tm „Die Stimme ist Jakobs Stimme und die Hände sind Esaws Hände, hv joa □’Tn oni ,wy ’T ohtj l'tt nrD» ’raa »rao 2py wy ’T Wenn Jakobs Stimme, wenn die Stimme der Gotteslehre — vom Alter wie von der Jugend — in den Lehrhäusern gehört wird, wenn die alte Jakobsstimme, die da Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch so viel Schmerz und so viel Weh schon erzählt hat, in inbrünstigem Gebete und in frommer Andacht täglich in den Gotteshäusern erschallt — dann haben Esaws Hände keine Macht. Jene Stimme Jakobs, welche vor Feuer und Schwert nicht znrückschrickt, welche so oft schon mitten im Holzstoße, als die Flammen ringsum züngelten, als das Feuer prasselte, als das Schwert sauste, Gott heiligte und der Welt das ynff die Lehre von der Einige Einzigkeit Gottes verkündete, jene Stimme Jakobs kann Esaw's Hände nicht besiegen. Ist aber diese Stimme verstummt, tönt sie nicht aus den Lehrhäusern, sind die Gotteshäuser ihr verschlossen — dann walten ohne Erbarmen Esaw's Hände und bemächtigen sich der zarten Kinder Israels, welche sich nicht wehren können, da Jakobs Stimme ihnen fremd ist." Ter Eindruck, den diese Rede auf die Gemeinde machte, war umso größer, als Redner hier geboren und ein Enkel des verstorbenen hiesigen Rabbiners poy; "i pxjn ‘ri jrwn ist. Schweiz. Schweiz. Professor Karl Vogt hat aus St. Gingolph, 15. August, folgende Erklärung veröffentlicht: Ick erhalte heute mit der Anfrage, ob ich mit dem Inhalt des Schriftstückes einverstanden sei, ein Gutachten des Herrn Dr. Nehrdorf, königl. preußischen Departements-Thierarztes für die Provinz Ostpreußen, datirt Königsberg, den 6. März 1893, über die Schächtfrage. Ich kann um so eher mit voller Ueberzeugung dem Gutachten des Herrn Dr. Nehrdorf in allen seinen Theilen zustimmen, als ich ebenso wie mein Kollege Professor R. Virchow und andere Physiologen von Ruf dieselben Sätze, wenn auch in anderer Form, ausgestellt und vertheidigt habe. Die jetzige Agitation für Aufstellung eines Schächtverbotcs in der Bundesverfassung halte ich, wie die ganze von Deutschland aus in die Eidgenossenschaft übergeleitete antisemitische Agitation, für ein Verbrechen an der Zivilisation, und wenn die Motion angenommen werden sollte, würde ich diese Annahme als einen Schand-

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