Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1893)
- Date
- 1893-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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schwanden. Der Schluß also war, daß sich die Juden diese Erkrankungen durch Ueberschreitungen der Diät zugezogen hätten. „In Anbetracht dieser Umstände und um für die Zukunft dergleichen Erkrankungen vorzubeugen", weift deshalb das Medizinalamt die Bewohner, aber namentlich die armen Juden aufs genaueste an, wie sie ihre Diät am Sabbat einzurichten haben. Ein förmlicher polizeilicher Speisezettel wird für die Juden entworfen. Sie haben sich insbesonders des Genusses von „unfrischen Fletsch und Fischen" sorgfältig zu enthalten. Ferner heißt es: „Beim Sabbatessen sind Fische und Kugel mäßig und flüssige Speisen nur warm zu genießen. Auch sollen die Juden ihren Durst bei und nach dem Essen nur mit Thee oder abgekochtem Wasser, keinesfalls mit rohem Brunnenwasser löschen. Endlich wird ihnen aufgetragen, „den Schlaf sogleich nach dem Essen zu unterlassen." Und nun sage man noch, daß es die Juden in Rußland schlecht haben. Rußland Den Juden in Rußland soll, wie „Nowje-Wremja" und „Grashdanin" melden, gestattet werden, in den Dörfern und Marktflecken im Ntederlassungsgebiete sich ansiedeln zu dürfen, mit der Beschränkung jedoch, daß diese Ansiedlung nur auf solchem Grund und Boden zuzulassen sei, welcher Gutsbesitzern und anderen Privatpersonen gehöre. In den Dörfern, welche ausschließlich von Bauern bewohnt sind, bleibe das bestehende Niederlassungs- Verbot für die Juden anfrecht. Gleichzeitig habe daZ russische Minister-Comite auf Antrag des Domänen-Ministers beschlossen, den jüdischen Ackerbau-Kolonisten in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw die Beträge, welche sie der Regierung für das ihnen zugewiesene Areal schulden, gänzlich nachzulassen. Diese Maßregel soll damit in Verbindung stehen, daß die Regierung den jüdischen Ackerbau Kolonisten für ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit einen Akt ihrer Zufriedenheit bezeugen wolle. Eine Bestätigung dieser Nachrichten bleibt jedenfalls abzuwarten. Petersburg, 13. August. (Zur Auswanderung der Juden). Wie der „Grashd." gerüchtweise erfährt, organisirt der Generalbevollmächtigte des Baron Hirsch, D. Fainberg, in den südwestlichen Gouvernements Rußland Gruppen jüdischer Auswanderer. Ende September begeben sich die Delegirten verschiedener jüdischer Gemeinschaften nach Argentinien. «&• Vermischtes. 4 Mainz, 23. August. Wir werden ersucht, den Lesern des „Israelit" mitzutheilen, daß die in unserer vorigen Nummer gebrachte Probe aus den Neuheiten des Max Victor in fast gleicher Weise bereits früher bei Herrn I. B. Brandeis in Prag erschienen ist. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von $. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Einer der Antisemiten stand nicht unbeträchtlich in der Schuld des Juden. Benjamin hatte ihm ein Gespann Ochsen geliefert und die letzte Rate dafür war noch zu zahlen. Der Gerichtsvollzieher harte die Ochsen gepfändet und sie sollten nun weggeführt werden. In letzter Stunde entschloß er sich, da seine Freunde und Parteigenossen nicht in der Lage zu sein Vorgaben, ihm das Geld vorzuschießen, zu dem verhaßten Juden zu gehen und um Aufschub zu bitten. Beujamin empfing ihn nicht besonders freundlich und als er mit seinem Anliegen herausrückte, sagte er: „Das ist nicht mehr meine Sache. Mein Anwalt hat die Einziehung meiner Ausstände übernommen und wie der es ordnet, ist's mir recht." „Nun, mich braucht Ihr keinen Metzgergang*) zu schicken; ich weiß wohl, daß der Advokat mir keine Frist geben wird. Wenn Ihr das aber thut, wird er nicht nein sagen." „Ich habe mit diesen Dingen nichts mehr zu thun; ich habe Euch übrigens lange genug geborgt; und der Dank, den ich von Euch dafür erhielt — den kann ich mit der Laterne suchen. „Ei Hab ich Euch die Ochsen nicht theuer genug bezahlt? Habt Ihr nicht, weil ich sie nicht baar bezahlen konnte, gleich die Zinsen draufgeschlagen? Und Ihr wollt noch Dank! Wofür denn! Für den Preis hätte mir jeder andere das Gespanll auch gegeben!" „Warum seid Ihr denn aber zu mir, zu dem Juden gekommen?" „Es thut mir leid genug, daß ich einem Wucherjuden in die Klauen gefallen bin." „Herr!" fuhr Benjamin aus, „wäget Eure Worte; wenn man zu Jemand kommt, um eine Gefälligkeit zu erbetteln, thut man besser, man läßt Grobheiten zu Hause." Der Bauer biß sich auf die Lippen. Er hatte sich unklugerweise von seinem Haß verleiten lassen den Juden zu beleidigen und trotzdem mußte er Frist erlangen. Er sagte deßhalb: „Hört nicht auf das, was ich im Zorne sage; im Zorne sind wir alle keine Engel. Gebt mir Frist bis Weihnachten und ich will Euch dankbar sein." „Ich habe Euch schon einmal gesagt, daß Ihr Euch an meinen Anwalt wenden sollt." *) Ein Weg ohne Aussicht aus Erfolg.