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Der Israelit · 1893-08-24 · Heft 68 (24.8.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 68 (24.8.1893)
Date
1893-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M-,, ii ,!4^i l.^jA'-,uMiJJJ'-'!imül8>):: 1305 „Ist das Euer letztes Wort?" „Mein letztes." „So mag alles zum Teufel gehen r Wenn ihr mir die Ochsen nehmt, womit soll ich dann meine Aecker bestellen, womit mich und die Meinen ernähren? Habt Ihr denn einen Stein an der Stelle, wo andere Menschen das Herz haben, habt Ihr kein Mitleid mit meiner Frau und meinen Kindern?" „Ha, ha, ha, Ihr seid köstlich! Mitleid? Ich soll mit Euch Mitleid haben? Habt Ihr denn Mitleid mit mir? Verfolgt mich Euer Haß nicht auf Weg und Steg? Ist nicht mein Leben, meine Habe stündlich von der Ausgeburt Eures Hasses bedroht? Habt Ihr Mitleid mit mir? Vernichtet Ihrnicht systematisch mein ganzes Geschäft, meine Existenz? Seht dort hinaus! Die Trümmer meiner Thüren und Thore sprechen mehr als ich es sagen kann, was ihr von mir verdient. Seit Ihr so überaus eifrige Judenhasser geworden seid, habt Ihr jede Anwartschaft auf meine Theilnahme verloren, denn aus der geistigen Saat des Hasses, kann nie und nimmer Theilnahme oder Mitleid erblichen." „Ist nicht der Müller noch schlimmer als ich, und doch habt Ihr ihm geholfen." „Muß ich Dir Rechenschaft über mein Thun und Lassen geben? Nein. Trotzdem will ich Dir die Erklärung meines Thuns nicht vorenthalten. Der Vater der Müllerin war mein Freund, und merke Dir, der „Wucherjude" bewahrt die Freundschaft selb st über das Grab hin aus." „Das wäre das erste mal, daß ich so etwas höre. Wenn Ihr denn doch so ein Mustermensch sein wollt, so gebt mir Frist bis Weihnachten. Ich verspreche Euch, daß Ihr bis zu diesem Termin Euer Geld mit Zins und Zinseszins auf Heller und Pfennig erhaltet. Ja ich will Euch schadlos halten und noch ein Malter Weizen als Verzugszinsen zufügen; nur laßt mir die Ochsen." „Euer Angebot zeigt mir, daß Ihr mit Herz und Seele doch Antisemit seid und wenn ich so dumm wäre, auf Euren Vorschlag einzugehen, so würde das am nächsten Tage schon im Reichsherold stehen und die Welt würde lesen, welch ein abscheulicher Wucherer der alte Caro ist. Nein, Wucherzinsen können mich nicht bestimmen Euch Frist zu geben. Verkauft Euren Weizen und bezahlt die Ochsen." „Wenn ich jetzt verkaufen würde, würde ich Geld verlieren; der Weizen geht noch in die Höhe." „So helft Euch wie Ihr könnt — ich kann Euch nicht helfen." Der Bauer knirschte mit den Zähnen und dabei traten ihm die Thränen in die Augen. Schon wandte er sich zum Gehen; an der Thüre drehte er sich noch einmal um und sagte: „Eurethalben will ich zum schlechten Kerl an meinen Freunden werden. Ihr wißt, was man Euch aufgeladen hat; noch ist das Kind verschwunden und jedermann glaubt, daß Ihr wisset wohin es gekommen sei. Gebt Ihr mir Frist, wenn ich das Kind wieder herbeischaffe?" Benjamin sah den Bauer erstaunt an. Wollte dieser ihn hintergehen, oder sprach er die Wahrheit? War das Verschwinden des Kindes nur ein von den Antisemiten in Scene gesetztes Manöver? Welchen Zweck befolgten sie dabet? Jetzt bot sich ihm eine Gelegenheit, hinter die Coulissen der antisemitischen Bühne zu schauen und er wollte diese Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Er sagte deßhalb: „Das Wiederherbeischaffen des verschwundenen Kindes hat kein besonderes Interesse für mich." „Nicht? Und wenn man Euch nun des Mordes beschuldigt und Ihr werdet in Untersuchungshaft geführt?" „Ammenmärchen; ich fürchte mich nicht, denn mein Gewissen ist rein. Doch will ich aus Mitleid für die unglücklichen Eltern Euch Frist geben bis Weihnachten, wenn sie ihr Kind in drei Tagen wieder haben." „Gebt mir das schriftlich!" Jetzt wurde Benjamin böse. „Hab ich schon je meine Zusage gebrochen? Gilt mein Wort Euch so wenig, so geht; wir beide haben nichts mehr mit einander verloren." „Ich könnte Euch und Eurem Worte wohl glaubeu, aber der Gerichtsvollzieher und Advokat verlangen eine schriftliche Erklärung." „Ich werde dieselben benachrichtigen." „So bleibt es bet unserer Abrede?" „Ja." Der Bauer entfernte sich, während Benjamin mit aufgeregten Schritten das Zimmer durchschritt. Welch' bodenlose Gemeinheit, welch' niederträchtigen Streich hatte er soeben entdeckt! War das Verschwindenlassen des Kindes ein schlau angelegtes Manöver der Antisemiten, so hatten sie sich auch vorgesehen, daß man ihnen nichts Strafbares Nachweisen konnte; es blicb ihm also nur übrig, aus dem gefährlichen Kreis, in dem er jetzt wohnte, sich zu entfernen, da die Wetterwolken, die sich über seinem Haupte zusammenzogen, nicht immer, ohne Schaden angerichtet zu haben, sich verziehen mochten. Drei Tage waren vergangen. Benjamin hatte seinen Anwalt benachrichtigt und die Pfändung des

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