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Der Israelit · 1893-08-24 · Heft 68 (24.8.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 68 (24.8.1893)
Date
1893-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1301 Wjmwu^ng-. »j.^v i. ■ j?'^'.J". Göttlichkeit auf. Es wandelt jedes Haus in einen Gottestempel, jeden Tisch in einen Gottesaltar und jedes Stück Brod in ein von Gott gewährtes, und im Dienste Gottes zu genießendes Heiligthum um. Von ihm durchdrungen wird der Jude zum Priester, und wenn eine ganze Welt ihn um das Stück Brod beneidet, das er in seiner priesterlich geweihten Hand erst zu Gott erhebt, bevor er sich den Genuß gestattet; dieser Ausblick zu Gott ersetzt ihm alles, was ihm eine scheelsüchtige Umgebung lieblos versagen möchte. — Er hat es der Wunderwaltung seines Gottes im Tempelheiligthum abgesehen, auch in seinem tayo ttnpD in dem verjüngten Heiligthum seines Hauses darüber zu wachen, daß seinem Brode kein biDB anhastet. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten nus Correspoudenzeu. Deutschland. Ems, 18. August. Auf meiner diesjährigen Ferienretse war es mir möglich, ein langjähriges Vorhaben zur Ausführung zu bringen: einer Lieblingsstätte unser Jugend einen Besuch abzustatten — dem Kinderheim zu Diez. Bet dem Anblicke dieser Stätte, die werkthätige Liebe der Noth bereitet, mußte ich des wundervollen Liedes gedenken, in dem der Dichter den Zauber des Rheines besingt. Auch hier wäre die Warnung angebracht: „Du erholungsbedürftiger Wandersmann geh' nicht nach Diez — besonders, wenn Du Dir ein anderes Ziel gewählt hast." — Auch hier lockt der wunderbare Zauber der Natur, und schwer nur ringt der Reisende sich los. Von der Umgebung des Kinderheims würde der Ausdruck „reizend" nur eine schwache Vorstellung erwecken. Wir empfehlen Lesern und Leserinnen, gleich den vielen Kurgästen, die von Ems herüberkommen, Anstalt und Lage durch Augenschein kennen zu lernen. Was sie da sehen werden, wird sie mit höchster Befriedigung erfüllen. Das Kinderheim selbst ist ein mehrstöckiges schmuckes Gebäude, in rotem Sandstein. Auf einer Anhöhe und in unmittelbarster Nähe des Waldes gelegen, kündet es sich als eine Stätte des Friedens und fröhlichen Gedeihens an. Und verstärkt wird dieser Eindruck durch Besichtigung der Jnnenräume. Ich habe noch kein Internat gesehen, in dem in so zweckmäßiger Weise Einfachheit, Komfort und alle gesundheitlichen und wirthschaftlichen Einrichtungen der Neuzeit vereinigt sind. Die Einrichung erregt die Bewunderung aller Besucher und nicht allein der jüdischen etwa. Am vergangenen Freitag besuchten gelegentlich einer Kreislehrerzusammenkunft der Kretsschulinspektor und sämmtliche anwesende Lehrer die Anstalt. Alle Herren sprachen ihre höchste Anerkennung über das Gesehene aus. Die großen, luftigen Schlafräume, das herrliche Schulzimmer, die Werkstätte, die Ordnung, die Sauberkeit in der Anstalt, die Zufriedenheit und das offenbare Wohlgefühl der Zöglinge müssen erfreuend auf das Herz jedes Schul- und Kinderfreundes wirken. Die Anstalt zählt zur Zeit siebzehn Zöglinge. Zwei werden nach Beschluß des Vorstandes, der am vergangenen Sonntag hier tagte, in Kürze hierzutreten. Die Anstalt hat Raum für die doppelte, ja dreifache Zahl von Zöglingen. Wir sind fest überzeugt, wenn unsere reichen und fühlenden Glaubensgenossen Gelegenheit hätten, die Anstalt in der Fülle ihrer wohlthätigen Wirkungen kennen zu lernen, sie würde bald eine viel größere Zahl von Knaben beherbergen. Es würden ihr Zuwendungen in reichstem Maße werden, damit sie ihrer Aufgabe in immer größerem Umfange gerecht werden kann. Auch so ist die Anstalt ein Lorbeerblatt in dem reichen Kranze jüdischer Wohlthätigkeit. Ihre Leitung liegt jetzt in den Händen des Herrn Kadden, dem von Euskirchen, der Stätte seiner früheren Wirksamkeit her, ein recht vorteilhafter Ruf vorangegangen. Wir theilen hinsichtlich dieses Herrn ganz die Erwartungen, die der Jahresbericht seinem Eintritt entgegengebracht und hoffen, daß es ihm gelingen wird, die Anstalt zu immer größerer Blüthe zu bringen und sie ganz den Intentionen der edlen Stifter gemäß*) auszubauen. Wir wollen diesen Bericht mit dem Wunsche schließen, daß der Anstalt anläßlich der bevorstehenden hohen Festtage recht reiche Gaben zuflteßen mögen, und dann noch mit dem speziellen Anliegen, es möchten die Herren Buchhändler und kindersreundlichen Herren und Damen die Jugendbibliothek der Anstalt freundlich bedenken. Daß die Anstalt das Interesse aller Kreise des Judenthums, ganz besonders auch der strengsrommen verdient, hoffen wir demnächst an der Hand der Geschichte der Anstalt und einzelner ihrer Zöglinge in eingehender und den Lesern sicherlich intereffanter Weise zu beleuchten. M. Berlin, 16. August. Eine Verminderung der Juden im Deutschen Reich ergibt sich aus dem Statistischen Jahrbuch für 1892. Nach demselben trafen auf 10 000 ortsanwesende Personen im Jahre 1890: 6277 Evangelische (gegen 6263 im Jahre 1880), 3576 Katholiken (gegen 3589 im Jahre 1880), 29 sonstige Christen (gegen 17), 115 Juden (gegen 124), 27 anderer Religionen (gegen 6,8). *) $itx ist wohl Herr L. Mainz sen. in Frankfurt a. M. gemeint, der in der That einen großen Theil seiner Zeit und Kraft diesem hochverdienstlichen Werke widmet; mögen dessen löbliche Bemühungen vom schönsten Erfolge begleitet sein! Red. d. JSr.

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