Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1893)
- Date
- 1893-08-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1300 Leben und sein Geschick ein, eine ganze Welt hat sich verschworen ihm das Lebenslicht auszublasen, und sie vermögen nicht einmal die gerade empor strebende Richtung der Flamme zu ändern. Und dieses Wunder hat sich nicht in grauer Vergangenheit, hinter abgeschiedenen Tempelmauern vollzogen, es vollzieht sich heute noch, und wird sich nach den trüben Anzeichen der Zeit noch lange vollziehen. Dieses Wunder kann Keiner leugnen, es liegt offen vor aller Welt dar. Weniger offen liegen die Bedingungen da, an welche dieser besondere Gottesschutz sich knüpft und sie sind es, die das folgende Wunder andeutet, nuon DnVm cr6n tmbgi “idijd Vidq nsdj *b „Es ereignete sich keine Untaugltchkeit an dem Omer, an den beiden Broden für das Schabuothfest und an den Schaubroden." Mit dem Omer hatte es folgende Bewandniß. Im heiligen Lande hat die Gerste bereits im Niffanmonate die Reife erlangt. Sie durfte aber nicht genossen werden, bis der erste Schnitt der Gerste auf dem Altar geopfert war. Dieses war der Omer. Zu diesem Zwecke wurde in der zweiten Peßachnacht die zu dem Omer erforderliche Gerste geschnitten, gemahlen, das Mehl dreizehnfach gesiebt und am Morgen wurde dasselbe als Speiseopfer auf den Altar gebracht. Wäre dasselbe nun z. B. durch Berührung eines Kriechthieres unrein geworden, so wäre kein Ersatz dafür möglich, da dieses Opfer nur am 16. Nissan dargebracht werden durfte und die dazu erforderliche Gerste in der Nacht zuvor geschnitten werden mußte. Es trat deßhalb das Wunder ein, daß niemals eine solche Verunreinigung erfolgte, welche das Opfer untauglich und dadurch ganz unmöglich gemacht hätte. Dasselbe war bei den beiden Broden der Fall, die am Schabuothfeste dargebracht wurden. Dieselben durften nicht am Jom tob gebacken werden und waren daher schon Tags zuvor vorzuberetten. Hätte sich nun durch eine derartige Verunreinigung eine Untauglichkeit ergeben, so hätte, da dieses Opfer nur auf diesen Tag beschränkt ist, dasselbe ausfallen müssen. Um dieses zu verhüten, trat das Wunder ein. Ebenso war es bei den Schau-Broden, die an jedem Sabbat im Hetligthum niedergelegt wurden. Hätte sich eine Verunreinigung betroffen, so hätte das Brod an dem betreffenden Sabbat nicht in das Heiligthum gebracht werden können und wäre somit für das einemal ganz ausgefallen. Damit dieser Fall nicht einträte f griff das Wunder ein, welche sie vor Verunreinigung schützte. Der gemeinsame Gedanke, der diesen drei Opfergattungen zu Grunde liegt, galt der Belebung des Bewußtseins, daß nicht nur unser Leben, sondern auch die Mittel zu seiner Erhaltung, daß unser tägliches Brod und die gesammte Ernährung Gegenstand spezieller göttlicher Fürsorge sind. Das Omer, die Schabuothbrode und die Schaubrode sind die symbolische Darstellung unseres täglichen Brodes, dessen Segen aus dem Hetligthum strömt, in welchem sie vor Gottes Antlitz huldigend niedergelegt wurden. Ließ nun Gottes Allmacht ihr Wunderwalten eintreten. um diesem Symbol des täglichen Brodes seine Reinheit zu sichern, so war damit jedem die Bedeutsamkeit der Lauterkeit nahe gelegt, die dem Stück Brod selbst eigen sein müsse, mit welchem wir unser Dasein fristen. Um dieses Bewußtsein uns bei jedem Stückchen Brod, das wir genießen, in lebendiger Frische zu erhalten, hat der Weiseste der Weisen, hat König Salomo die D'T ^'^-Institution, die Pflicht des Händewaschens vor dem Brodgenuß angeordnet. Die Ausdehnung der ursprünglich nur für Opfer und für durch das Gesetz geheiligte Spenden getroffenen Anordnung des Händewaschens auch auf den gewöhnlichen Brodgenuß erhebt das tägliche Brod zu der Höhe der Heiligthümer. Der Jude, der kein Stück Brod zum Genüsse ergreift, ohne vorher die Hand zu waschen, wiederholt sich durch diese symbolische Handlung Tag für Tag die Mahnung, daß die Hand rein sein müsse, die ein Stück Brod dem Leben abgerungen hat, um es zu genießen. Wie an dem idij/, den on^n »rw und dem D'jsn nnb durfte auch an dem täglichen Brod kein sein. Daß das Brod des Hetligthums von keinem ^dd betroffen wurde, das blieb Gottes Wunderwaltung überlassen. Das Wunder bet allen Hindernissen, bei allen Erschwerungen, die es dem Juden oft fast unmöglich machten, das Stück Brod zu seiner und seiner Familie Erhaltung frei von jedem zu erhalten, das vollbringt der Jude selber. Dieser starke, alle Schwierigkeiten überwindende Vorsatz ist es, der uns für das Wunder würdig macht, daß nichts die Gluth unserer Begeisterung zu verlöschen mag, und daß es keinem Sturm gelingt, uns von der geraden zu Gott emporstrebenden Richtung zu verdrängen. Während sonst der Genuß nicht zur Erhebung, sondern zur Ueberhebung und Ueberschätzung der menschlichen Hand und Kraft führt, wiederholt sich der jüdische Mund vor dem Genüsse gerade des täglichen Brodes die tröstliche Wahrheit, daß er dasselbe nicht menschlicher Intelligenz verdanke, sondern, daß Gott es ist, „der das Brod aus dem Schooße der Erde hervorbringt." — Dieses Bewußtsein würzt das kärglichste Stückchen Brod und prägt dem gewöhnlichen Genuß das Gepräge der