Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1893)
- Date
- 1893-08-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. LeUage ju M 67 -es „Israelit". Leitender Artikel. Aus der antisemitischen Arena. (Nachdruck verboten.) Berlin, im August. Ahlwardt, der in früheren Jahren vor Schulden weder ein noch aus wußte, hat es, Dank der bodenlosen Dummheit seines antisemitischen Anhanges, bereits so weit gebracht, daß er diesen weilen können. Das erwies sich aber als gänzlich unthunlich. Das Auftreten Stöckers gegen ihn, sowie die heftigen Anzapfungen, welche seine ehemaligen Freunde und Spießgesellen von den „Deutschsoztalen Blättern" in Leipzig, von den „Dresdner Nachrichten" und von den „Deutschsozialen Parteinachrichten" des Herrn Ltebermann von Sonnenberg in letzter Zeit gegen ihn gerichtet hatten, ließen es unthunlich erscheinen, daß er noch länger in Swinemünde auf der germanischen Bärenhaut liegen blieb. Er packte daher schleunig seine Koffer, drückte sich den Lorbeerkranz, der Eine Probe auS den diesjährigen Neuheiten in Gratulationskarten von Max Victor in Köln a. Rh. M"yn trnsw J Li /3'asicbtco von' ■ ■ , .--.v? Jcpu^salen), . u nd Dmci c b u M.) Psg& WtK: : m JiF. Sommer vergnüglich im Bade verleben konnte. Da er in Misdroy keine Wohnung erhalten konnte, ließ er sich in Swinemünde nieder, allwo bekanntlich die berühmte Ahlwardt-Tasse als ehrwürdige Reliquie für die Folgegeschlechter aufbewahrt wird. Selbstredend hatten die kühlen Wellen der Ostsee ein hübsches Stück Arbeit zu verrichten, als ihnen die Ausgabe geworden, diesen Mann, der bisher durch den tiefsten Schlamm gewatet war, gründlich rein zu waschen. Jndeß die Ostsee ist ein geräumiges Waschbecken und man darf wohl annehmen, daß sie ihrer ebenso schwierigen als delikaten Aufgabe dennoch gerecht geworden wäre, wenn Held Ahlwardt noch länger in Swinemünde hätte verübrigens einer kleinen Auffrischung äußerst bedürftig war, aufs edle Denkerhaupt und reiste schnurstracks nach Berlin. Hier strandete er am Dienstag Abend in einer antisemitischen Volksversammlung, die im Keller'schen Lokale stattfand. Die Tagesordnung, über die Ahlwardt sich in längerer Rede erging, war absichtlich packend gewählt. Sie lautete: „Deutsches Volk auf zum Kampf!" Nachdem Ahlwardt seinen Zuhörern, die ihn bei seinem Erscheinen jubelnd begrüßten, auseinandergesetzt hatte, weßhalb er sich veranlaßt gesehen habe, seine Badekur zu unterbrechen, ging er alsbald zum Angriff gegen seine Widersacher über. Zunächst nahm er sich die Kon-