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Der Israelit · 1893-08-21 · Heft 67 (21.8.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 67 (21.8.1893)
Date
1893-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1290 ten sie in den Garten und in den Hof und besahen den angerichteten Schaden. Die eingetretene Dunkelheit verbarg manches unter ihrem Schleier, doch sahen Rahel und Benjamin genug, um den Segensspruch zu sprechen, den ihre Religion ihnen zu sprechen gebot, bet der Errettung aus großer Gefahr. Die Nacht verging ohne Störung und am andern Morgen sah es in dem Dorfe nicht anders aus, als gewöhnlich. Vor dem Hause des Bürgermeisters hielt die Kutsche des Arztes schon in aller Frühe und mit ernster Miene wartete das Gesinde auf die Ankunft des Arztes. Noch in der Nacht hatte der Pfarrer dem Gericht über die Vorgänge die Anzeige erstatten lassen und schon streiften Gensdaimen-Patrouillen durch das Dorf. Jetzt kam der Arzt aus dem Krankenzimmer. Er sah die Dienstboten müßig im Hofe stehen und las auf jedem Gesichte die bange Frage: „Wird er leben?" Ein alter Taglöhner sprach sie endlich thränenden Auges aus, worauf der Arzt sagte:" „Ich habe wenig Hoffnung, aber trotzdem kann Gott immer noch helfen." Der Arzt stieg in seinen Wagen und fuhr weiter; als er am Hause des Juden vorbeikam, ließ Rahel den Wagen anhalten und den Arzt bitten, hereinzukommen, da ihr Vater sich nicht wohl befände. Der Arzt kam, verordnete ein geeignetes Mittel und befahl die allergrößte Ruhe, da sich die Nerven des alten Mannes in einer furchtbaren Aufregung befänden. Er ließ sich von Rahel erzählen, was vorgefallen war und sagte, als er wegging: „Lassen Sie die Bauern, wo sie sind und ziehen mit Ihrem Vater, sobald er sich etwas erholt hat, in die Stadt." Das Gericht kam am Nachmittage, um deu! Thatbestand aufzunehmen, aber weder Benjamin noch der Bürgermeister waren vernehmungsfähig. Ein paar der ärgsten Schreier wurden verhaftet und am folgenden Tage ein Bataillon Soldaten im Dorfe einquartirt. Drei Wochen waren vorüber. Da wurde eines Tages durch die Schelle bekannt gemacht, daß auf freiwilliges Anstehen des Benjamin Caro dessen Haus nebst Garten, Scheune und Stallung an einem der nächsten Tage meistbietend versteigert werden sollten. Es wurde also doch ernst gemacht, und das, was die Antisemiten so sehnlichst erstrebten, hatten sie erreicht — der Jude verließ das Dorf. Als Louise diese Nachricht erfuhr, weinte sie sehr. Sie verlor ihren besten Freund, das wußte sie, denn nichts vermag das Band der Freundschaft mehr zu lockern als Trennung. Je weiter die Entfernung ist, die zwischen den Freunden liegt, je länger die Zeit ist, daß sie sich sehen, um so kalter werden die Beziehungen, bis endlich das Band der Freundschaft sich völlig löst und kalt und fremd sich einst für einander schlagende Herzen gegenüberstehen. Da Benjamin fest entschlossen war, in die Stadt zu ziehen, übergab er einem Anwalt den größten Theil seiner Ausstände mit der Weisung, auf die möglichst rasche Weise die Sachen zu erledigen. Der Anwalt folgte dieser Weisung. Wochen - Kalender. Freitag, 25. August, 13. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 45 Min. (dl. E. Z.) Samstag, 26. August, 14. Elul. Nsn 'I Sabbat-Ausgang in Mainz 8 Uhr 10 Min. (Ll. E, Z.) Der »Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen, ltzret» des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel 1» besiehe» bei E. $. Strinackrr, Leipzig, Roßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufenden. Vine Rücksendung von an die Redactiou eingesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Reform im Lemberger Tempel. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondem zen: Deutschland: Dieburg. Frankfurt a. M. — Oester.-Ungar. Monarchie: Wien. — Privat-Telegramm des „Israelit". Türkei: Bagdad. — Schweiz: Bern. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Bon H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Aus der antisemitischen Arena. Verantwortliche Redactiou: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actieu-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilagen.

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