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Der Israelit · 1893-08-21 · Heft 67 (21.8.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 67 (21.8.1893)
Date
1893-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1288 Vorgehen, lassen wir folgendes Pröbchen folgen. Unter dem Titel „Lügen haben kurzeBetne!" bringen die Blätter folgendes: Das Centralcomite der Thierschutzvereine von Zürich, Bern, Aargau und Luzern verbreitet in den katholischen Gegenden einen Aufruf, wonach mehrere katholische Bischöfe und Erzbischöfe Deutschlands mit ihren Namen einen Aufruf an's Volk erlassen, worin sie die Ueberzeugung aussprechen, daß das Gefühl aller guten Menschen durch die Massenthierfolter, wie sie beim Schächten ohne Betäubung stattfindet, verletzt werde und darum die Bestrebungen der Thierschutzvereine zur Beseitigung der ganz unnöthigen Thierquälereien in jeder Weise sunterstützt werden sollten. Von den im Aufrufe genannten Bischöfen sind die Bischöfe Stumpf von Straßburg undHefele von Rotenburg gestorben. Von den übrigen 5 Bischöfen und Erzbischöfen hat das Centralcomitß für Bekämpfung der Initiative auf gestellte Anfrage hin folgende Antworten erhalten: Starnberg, 16. August, 11 Uhr 20 Min. Erzbischof Thoma (München) hat zu folgender Erklärung ermächtigt: Weder ist Anfrage an mich gelangt, noch weiß ich etwas von der Schächtsache. Mainz, 16. August, 12 Uhr 40 M. Bischof Haffner erklärt, daß er niemals über das Schächten sich auszusprechen Veranlassung gehabt habe. Der Herr Bischof ermächtigt mich zur Mittheilung dieses, genau seine Worte wiedergegebenen Dementis. Dr. Bondi. Niedermendig, 16. August, 3 Uhr 40 Min. Bischof Korum (Trier) hat weder Aufruf unterzeichnet, noch sonst sich mit der Frage befaßt. Im Auftrag: Willms, Sekretär. Breslau, 16. August, 5 Uhr 40Min. Kardinal Kopp telegraphirt von Johannisberg: Habe keine Erinnerung von solchem Aufruf oder meiner Unterschrift. Cardinal Kopp. Wir gewärtigen noch die Antwort des Herrn Bischof Weyland von Fulda. Wähler, laßt Euch nicht durch solche unqualifizirbare Manöver der Thierschützler irre führen und stimmt daher Nein! Das Centralcomite. 4» Vermischtes. < Rumbrrrg in Böhmen, 8. Aug. Nächsten Donnerstag, den 17. August findet hier die Wahl einer provisorischen, aus sieben Herren bestehenden Gemeindevertretung der hier zu begründenden israelitischen Cultusgemeinde statt. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) „Sollte den Bewohnern des Hauses etwas zugestoßen sein?" sagte der Hirte leise vor sich hin. Die Thüre und die Fenster waren ja fest geschlossen und in dem Thürschloß steckte kein Schlüssel. Leise rief er den Namen des Juden, aber er erhielt keine Antwort. Kurz entschlossen ging er zur Scheune, holte eine Leiter und stellte sie an das in den Garten führende Fenster von Benjamins Schlafzimmer. Er stieg hinaus und sah hinein — das kleine Zimmer war leer. Leise klopfte er an die Scheiben — er erhielt keine Antwort. Kopfschüttelnd stieg er herab. Da fiel sein Blick auf die kleine Gartenpforte, welche auf das Feld führte; sie stand offen. Sollte Benjamin geflohen sein? Nochmals stieg er die Leiter hinauf; mit seinem Messer öffnete er das Fenster und stieg in das Zimmer. Er durchsuchte die ganze Wohnung vom Keller bis zum Speicher und fand Niemand. Die Thüre, die in den Garten führte, war verschlossen und der Schlüssel fehlte; die Hausbewohner mußten also geflohen sein. Aber wohin waren sie entflohen? Wie würde es ihnen ergehen, wenn sie dem einen oder dem anderen Trupp der rasenden Bauern in die Hände liefen? Er verließ auf demselben Wege das Haus, trug die Leiter wieder in die Scheune und schlich sich in das Dorf, um zu erfahren, was weiter vorgefallen sei. Im Dorfe war alles ruhig; nur vor dem Hause des Bürgermeisters standen einige Leute mit bangen, besorgten Gesichtern und warteten auf die Ankunft des Arztes. Der Hirt trat zu ihnen heran und fragte, was passirt wäre. „Was passirt ist", sagte ein alter Mann, mit bebender Stimme, „halb todt haben sie unfern Bürgermeister geworfen, die Mordbrenner, die elenden Schandbuben! Hast Du sie nicht gehört? Auf den alte» Benjamin war es abgesehen und unser guter Herr muß dran glauben." Jetzt trat der Barbier mit bedenklichem Gesichte aus der Thüre. „Wie steht es?" fragte der Taglöhner. „Schlimm, sehr schlimm", war die kurze Antwort; „mindestens ein Schädelbruch." Erschrocken blickten sie den Barbier an — er scherzte und log diesesmal ausnahmsweise nicht. Die Thränen rannen dem alten Taglöhner über die Wangen; er ballte die Faust gegen das Dorf und sagte: „Verd.Lumpenpack!"

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