Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1893)
- Date
- 1893-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1287 MMWWW^v'' -T Corporation, deren Mitglieder, vermöge der Bedeutung, welche dem Reisenden bei dem Warenverkauf zukommt, in erster Linie durch die Vor- und Nachtheile der Vertrags-Politik Rußlands betroffen werden. Die Mehrzahl der Mitglieder des genannten Vereins sind nun jüdischer Confession. Man begreift hieraus, daß eine Deputation des Vereins heute Veranlassung nahm, sich mit einer Eingabe an den Handelsminister zu wenden, in welcher unter anderem darum ersucht wird, daß eine Aenderung jener Clausel des Vertrags vom Jahre 1860 zu erwirken wäre, welche bestimmt, daß österreichische und ungarische Geschäftsleute mosaischen Glaubens bei ihrem Uebertritt auf russisches Gebiet den einheimischen Juden gleich behandelt werden sollen. „Wir sind nun überzeugt", heißt es in der Petition, daß eine hohe Regierung schon im Hinblicke darauf, „daß eine solche Unterscheidung der Bürger unseres Reiches in zwei Classen eine Demüthigung in sich schließt, insoferne sie Nichtachtung für unsere Constitutionen seitens einer fremden Macht darthut, nach Kräften bestrebt sein wird, eine solche Bestimmung in einem neuen Vortrage nicht zur Aufnahme gelangen zu lassen." Privat-Telegramm des „Israelit". Mainz, 21. August, 9 Uhr 45 Min. Vorm. Von unserem Correspondenten in der Schweiz empfangen wir soeben ein Telegramm, das uns mit den Worten „Schächten verboten" die betrübende Nachricht übermittelt, daß die Mehrheit des Schweizervolkes eine Betäubung der Thiere vor dem Schlachten verlangt. Möge der Allgütige unsere Glaubensbrüder in der Schweiz stärken und beschützen, daß sie auch unter der Herrschaft eines solch' harten Gesetzes bei den Geboten unserer heiligen Thora treu und fest verharren. Telegramme des Depeschen-Bureau „Herold". Basel, 20 Aug., 10.9 V. Das Gesammtergebniß der Abstimmung ist: 197,000 Ja, 112,000 Nein. Die Wahlbelhetligung betrug nur 45 pCt. Bafel, 20. Aug., 4.40 N. Basel hat das Jnitiativbegehren betreffend das Schächtverbot mit 3480 gegen 1058 Stimmen angenommen. Dieses Abstimmungsergebniß dürfte für die Gesammtschweiz typisch sein, so daß das Schächtverbot beschlossene Sache wäre. Bern, 20. Aug., 8.15 N. Der neue Artikel der Verfassung gegen das Schächten wurde angenommen mit der Mehrheit der Kantone und wahrscheinlich 50,000 Stimmen Mehrheit im Volk. Bern, 20. Aug., 10.30 N. Einzelergebnisse der heutigen Volksabstimmung: Zürich 47,006 Ja. 7704 Nein;lBern'38,119/9476; Luzern 4765/3451; Uri 653/1623; /Schwyz 1434/1020; Obwalden 318/668; Nidwalden 486/362; Glarus 2055/583; Zug 741/400; Freiburg 2500/7500; Solothurn 5530/1774; Baselstadt 3480/1058; Baselland 5222/1637; Schaffhausen 5525/1030; Appenzell- Außerrhoden 309/489; Appenzell-Jnerrhoden 1077/ 1188; St. Gallen 14,563/21,607; Graubünden 2529/7828; Aargau 20,900/2033; Thurgauio,973/ 2368; Tessin 307/2147; Waadt 28,661/14,642; Wallis 321,5721; Neuenburg 4831/5801; Genf; 734/4875. Total: 187,860 Ja, 109,550 Nein. Die Resultate sind für einige Kantone unvollständig; 11J/Jä Kantone haben angenommen, 9J/2 verworfen. (Da sich nur die Hälfte der Wahlberechtigten betheiligten, so hat eine Minorität das Schächtverbot durchzusetzen vermocht der Mehrheit des Schweizervolkes war daher die Sache zum mindesten gleichgiltig. Red. d. „Jsr.") Petersburg. Eine neuerlich inhumane Verordnung des russischen Reichsrathes ist zu verzeichnen. Diesmal fallen die jüdischen Zahnärzte der Intoleranz zum Opfer. Dieselben waren bis jetzt bezüglich der Wahl eines Wohnortes nicht gebunden und durften sich überall ansiedeln. Der Reichsrath erließ aber die Verfügung, wonach die jüdischen Zahnärzte fortan das Recht zur freien Ansiedlung im Reiche nicht genießen sollen und nur im Niederlafsungsgebiet wohnen dürfen. Durch diese Maßregel, welche voraussichtlich den Neid der Wiener „christlichen Soztalreformer" Hervorrufen wird, werden neuerdings zahlreiche jüdische Familien brodlos gemacht. Türket. Bagdad, im Juli. Unsere Gemeinde, welche einst die größte und angesehenste Asiens war, nimmt von Jahr zu Jahr bedeutend ab und steht man dies am deutlichsten an unseren einundzwanzig Zalaath (Bethäusern), die nicht mehr so vollgepfropft sind, wie vor zwanzig oder dreißig Jahren, da die Menge ihrer Besucher fortwährend zusammenschruwpft. Die Ursache davon liegt in dem Auswanderungsfiebcr, das seit circa einem Vierteljahrhundert unsere Jugend ergriffen hat, die hinausstrebt in die weite Welt und nach Indien, Arabien, China, dann England, Frankreich, Egypten rc., wohin der große Weltverkehr sie lockt, zieht, um sich dort ein neues Heim zu gründen. Existirt doch heute schon in Liverpool eine kleine Kolonie Bagdader Kausteute, selbstverständlich Israeliten, die den Handel zwischen diesem englischen Emporium und der ehemaligen Khalifenstadt vermitteln. Mit der Kraft der Jugend nimmt aber auch der Wohlstand hier ab, da nur die Unbemittelten Zurückbleiben. Schweiz. Bern. Zur Charakteristik der wenig wählerischen Mittel, mit welchen die Gegner des Schächtens