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Der Israelit · 1893-08-21 · Heft 67 (21.8.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 67 (21.8.1893)
Date
1893-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1265 „Bei der Loyalität der städtischen Baubehörde sind wir sicher, daß es nur eines taktvollen Hinweises bedurft hätte, um den jüdischen Tempel von einem Riesenabort im Rücken zu befreien. Möge daher eine löbliche Tempelverwaltung heute das nachholen, was sie früher zu thun versäumte; möge sie dafür Sorge tragen, daß die neue Anstalt sammt der Orgelbegleitung so rasch wie möglich von uns, von den Männern des Tempels, wieder genommen werden!" u. s. w. Wir schließen mit dieser netten Zusammenstellung die Zitate aus diesen „Streiflichtern". Aus der Fluth satyrischer Bemerkungen, zu der sie unwillkürlich anregt, skizziren wir nur die eine: „Wie wäre es, wenn die löbliche Tempelverwaltung dieser Mahnun Folge leistend, sich an das löbliche Bauamt wendete und dieses antwortete, es sei ganz mit der Tendenz jenes Verwaltungsmitgliedes einverstanden, wenn es dieselbe auch nicht so eonsequent durchführe. Es habe auch die Tendenz, die Juden zu ärgern, es verunstalte auch deßhalb den Tempel, aber — nur von Außen. Den Eingriff in die Interne des Gotteshauses überlasse es seinen Verwaltern. Hm?!" An dem anonymen Autor dieser Streiflichter haben wir vor allem seine Anonymität auszusetzen. Da er sich selber zu den Fortgeschrittenen und Tempelleuten zählt, so sollte er wenigstens seinen Namen unter seine Anschuldigungen setzen. — Im Uebrigen beneiden wir ihn um den naiven Optimismus, der wirklich glaubt, das Lemberger Reformjudenthum sei gerettet, wenn es erst den Orgelklang und Weibersang, Seelenandachten und sonstige schöne Dinge entfernt habe. Unseres Dafürhaltens sollte man die Leutchen ruhig weiter orgeln und singen und den Unsinn alle seine Blüthen zur schönsten Entfaltung bringen lassen. Das würde den vollständigen Bankerott dieser Gesellschaft viel besser und rascher zu Tage treten lassen, als diese Halbheiten, die wie die Echternacher Sprungprocession auf alle zwei Schritte vorwärts wieder einen zurückthun. Nicht diese Reform schadet dem Judenthum, sondern die halbe Zwttterhaftigkeit, die wie Simri handelt und Lohn wie Pinchas verlangt. Die aber, welche das Judenthum discreditiren und die Juden ärgern will und bei allem diesem Firlefanz sich stolz auf die Brust schlägt und spricht: w 'n 122', durch mich und meine Harlequinaden kommt Gott erst wahrhaft zu Ehren, die geht an ihrer eigenen Erbärmlichkeit zu Grunde. — Sie mögen ihre tollen Tänze ruhig weitertanzen, wir sollten sie nicht darin stören, sondern des Dichterworts eingedenk bleiben: Nicht besser kannst Lu Wehren, als Nicht wehren diesen Tollen, So brechen sie gewiß den Hals Am Rand, wohin sie wollen. ZeitrrugSrrachrichten »«d Vorrefpoudeuze«. Deutschland. Dieburg, 13. August. Die in Nr. 64 Ihres gesch. Blattes von Dieburg gebrachte Notiz bedarf der Richtigstellung. Das Vorkommniß auf dem isr. Friedhose hier, hat mit dem Antisemitismus absolut nichts zu thun und hängt mit demselben in k einer Weise zusammen. Es ist dies eine Rohheit, wie sie vor nicht langer Zeit auch auf dem christlichen Friedhöfe verübt wurde. Zur Ehre unserer Stadt sei konstatirt, daß sich Dieburg für den Antisemitismus als unzugänglich erwiesen hat und alle Wühl- und Hetzarbeit an dem gesunden Sinn unserer Bürgerschaft gescheitert ist. — Bet der Reichstagswahl, wurde hier nicht eine Stimme für den Antisemiten gezählt. Ihr Artikelschreiber scheint die Verhältnisse hier nicht zu kennen und hätte in seinen Mittheilungen deßhalb vorsichtiger sein sollen. Frankfurt a. M. In einer Arbeit: „Notizen zur Diabetessterblichkeit in Frankfurt a. M." gibt Dr. Wallach in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift einige sehr interessante Daten. Danach finden sich in einem Zeitraum von 19 Jahren, nämlich von 1872—1890 incl., 171 Todesfälle an Zuckerkrankheit verzeichnet. Unter diesen war die Religion der Verstorbenen I56mal angegeben, und zwar vertheilten sich die Todesfälle auf 51 Israeliten und 105 Andersgläubige; auf erstere entfiel also beinahe ein Drittel — 32.6 pCt. Nun betrug in den in Betracht kommenden 13 Jahren das Mittel 2871 Verstorbene, 205 Juden und 2666 Nichtjuden, das 13jährige Mittel der Gesammtsterb- Uchkett an Zuckerkrankheit 11.7 — 0.4 PCL. der Gestorbenen. Juden starben durchschnittlich 3.9 — 1.9 pCt. an diesem Leiden. Andersgläubige 7.8 — 0.29 pCt. Es geht aus diesen Zeilen also hervor: „Das Verhältnis der Todesfälle an Zuckerkrankheit in dem angeführten Zeitraum ist bei den Juden etwa sechsmal größer als bei den Andersgläubigen." Ferner wurde festgestellt, daß in allen Altersklassen bei den Juden eine erhöhte Sterblichkeit an Zuckerkrankheit herrschte, sowohl in denjenigen, die weniger stark besetzt waren, als auch in den stärker besetzten, wo sie viel höher ist, als es dem Unterschiede der Besetzung entspricht. Im

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