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Der Israelit · 1893-08-17 · Heft 66 (17.8.1893) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 66 (17.8.1893)
Date
1893-08-17
Page
– (sequence 27)
Language
German
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14B waren wohl geeignet, sie gegen Alles misstrauisch zu machen, was sich nicht von vornherein ganz genau überblicken liess, und so musste es dazu kommen, dass die Regierung des Sultans mit ihrer fün fhun d er tj übrigen Tradition brach. Sie, welche sonst Toleranz und Gastfreundschaft gegen die Unterdrückten aller Confessionen geübt hatte, verbot nun, besorgt gemacht durch jenen wüsten und doch so unbegründeten Höllenlärm, plötzlich den Juden überhaupt die Einwanderung in Palästina. Die rumänischen Einwanderer, weichein Chaifa landen wollten, wurden zurückgewiesen, das Schiff, welches die „Hoffnung aller rumänischen Juden“ trug, musste monatelang von Hafen zu Hafen irren damit seine Passagiere einzeln und von verschiedenen Stellen sich in Palästina einschleichen konnten. Vier Monate dauerte dieser Zustand, und unter seiner Herrschaft hatten die Kolonisten auf dem Dampfer unbeschreibliche Noth über sich ergehen lassen müssen, ein unsägliches Elend war ihr Loos gewesen. Die von dem Comite in Galatz mühsam aufgebrachten 300000 France dienten nun dazu, den Lebensunterhalt für die von Ort zu Ort Herumziehenden zu decken, und konnten nur zum geringen Th eil dazu benutzt werden, wozu das Ganze bestimmt war, — zur vollständigen Einrichtung der Kolonien. Arm, oft selbst von den unentbehrlichsten Kleidungsstücken entblösst, langten die Kolonisten nach solchen odysseischen Irrfahrten in Galiläa an, und hier harrte ihrer eine neue Enttäuschung. Das für sie angekaufte Land stellte sich als eine kahle, öde Fläche dar, ohne eine Spur von Landescultur, ohne Inventar und ohne alle, auch die primitivsten Geräthschaften selbst. Kein Stier fand sich, der den Pflug hätte ziehen können, ja der Pflug selbst fehlte. Es fehlte an Körnern zur Aussaat, es fehlte endlich an Hütten, die den Kolonisten hätten zum Unterschlupf dienen können. So und ohne einen Heller Geld, ausgehungert und geschwächt von den Miseren der letzten vier Monate, sollte man an das Kolonisationswerk gehen. Wie hoch die Noth gestiegen war, das mag man daraus entnehmen, dass die neu gegründete Gemeinde zum Wochen, feste 1884 ihr Allerheiligstes, ihre Thorarolleverpfänden musste. Solchen Zuständen gesellten sich denn auch bald ihre unausbleiblichen Begleiter zu, Krankheiten und Seuchen aller Art wütheten unter dem kleinen Häuflein und brachten die armen, bitter getäuschten und schwer geprüften Kolonisten noch vollends zur Verzweiflung. Diejenigen Auswanderer allerdings, welche noch vor Erlass jenes obenerwähnten Einwanderungsverbotes in Palästina eingetroffen waren, befanden sich in einer etwas besseren Lage. Sie hatten sich im Dorfe Geone niedergelassen, im Vollbesitze des mitgebrachten Geldes, und hatten sich hier wenigstens Hütten bauen können. Aber bald kehrte auch bei ihnen, da sie ja ihres neuen Berufes ganz unkundig waren, die Noth ein. Und zum Ueberflusse ereignete sich noch ein ganz sonderbarer, aber recht verhängnisvoller Vorfall. Einer der Ansiedler liess sich nämlich verleiten, mit einem Schiessgewehr zu spielen, ohne es zu wissen, dass es geladen sei. Zu seinem Entsetzen entlud sich dasselbe und tödtete einen Araber. Dies beschwor einen allgemeine Aufstand der arabischen Bevölkerung des Dorfes gegen die Juden herauf, man griff zu den Waffen, um jene berüchtigte Blutrache zu nehmen, die nicht nur den Schuldigen, sondern auch die ganze Kolonie Rosch-Pinah, der er angehörte, mit Vernichtung bedrohte. Entsetzt flohen die jüdischen Kolonisten vor dieser Gefahr, verliessen Haus und Hof und ihre wohlbestellten Felder, um sich in dem nahegelegenen Safed zu schützen. Später gelang es allerdings, die Araber von der Unschuld der Juden zu überzeugen, und Erstere waren, nachdem sie eingesehen, dass nicht böse Absicht, sondern nur ein unglücklicher Zufall vorlag, bald wieder völlig versöhnt, so dass die Juden zurückkehren konnten. Allein, welches Bild bot sich ihnen nun dar? Ihre Hütten waren von den Arabern zerstört, die Felder zerstampft, die ganze junge Saat vernichtet. Obdachlos und ohne alle Mittel sahen sich die Kolonisten der Früchte ihrer schweren Arbeit beraubt, sahen sie sich in der Hoffnung um eine gesegnete Ernte bitter enttäuscht. Nicht viel besser war das Geschick, welches der dritten jüdischen Kolonie, Jessod-Hamaalah, zu Theil wurde, welche von russischen Emigranten besetzt war. Diese hatten einem dort ansässigen Sefardi (Israelit portugiesischer Observanz) in der Nähe von Safed in Gali- 1 ä a einen Complex von 216 Hektar abgekauft und mit 8000 Rubel (etwa 20 000 Mark) baar bezahlt, ein Kaufpreis, der den Werth jenes Grundbesitzes weit überstieg. Ausserdem täuschte sie ihr Gegencontrahent noch nach anderer Richtung hin; er setzte seine Urkunde nicht in türkischer Sprache auf, sondern fertigte den Käufern ein hebräisches Schriftstück aus, das die türkische Regierung ebenso wenig, wie das Eigenthum der Käufer, das eben in jenen Documenten verbrieft war, anerkennen wollte. So kamen denn die armen betrogenen Kolonisten in eine sehr schwierige Lage. Sie mussten mit ihren Familien den Wohnsitz in dem zwei Stunden entfernten Safed aufschlagen und von hier täglich sich nach ihrer Kolonie J es so d-H am aa Iah begeben, um den Acker zu bestellen, oder sonstige landwirthschaftliche Arbeit zu verrichten und dann Abends nach beendetem Tagewerk mühselig und matt den weiten Heimweg an treten. Zu diesen Unbequemlichkeiten kam dann auch noch die günstige Gelegenheit, welche diebische Nachbarn sich

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