Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1893)
- Date
- 1893-08-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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144 nicht entgehen Hessen, um des Nachts ihr Vieh auf den schlecht bewachten Acker der jüdischen Kolonisten zu treiben, ihnen die Ernte zu vernichten und ihre wirthschaftliche Existenz so gänzlich zu untergraben. Gegenüber den von uns bisher betrachteten Kolonien in Galiläa gilt es nun, eine zweite Gruppe solcher Ansiedelungen in Judäa zu erwähnen, welche der ersten darin jedoch gleicht, dass sie mit derselben Ueberhastung und Kopflosigkeit angelegt wurde, und dass sie darum auch schon bei ihrem Entstehen den Keim des Unterganges in sich trug. Hier müssen wir zunächst die Zwillings-Kolonie Pessach-Tikwah und Jehudia nennen, welche sowohl ihrem Alter als ihrem Umfange nach die erste Stelle einnimmt. Noch vor dem Ausbruche der Judenverfolgung in Russland, als eine praktische Wirkung vermuthlicli der von Rabbi Hirsch Kali sch er entfalteten Agitation, wurde sie im Jahre 1878 in einer fruchtbaren Ebene nahe dem Dorfe Amlebisch, zwischen Jaffa und Chaifa, von der jüdischen Bevölkerung Jerusalems gegründet. Allein es schien bald, dass diese erste von den Juden in Palästina in's Leben gerufene Ackerbau-Kolonie ihrem Namen Pessach-Tikwah, d. h. Thor der Hoffnung, keine Ehre machen würde. Ein Theil der Kolonisten war nämlich unvorsichtig und unerfahren genug, um sich hart am Ufer des die Ansiedelung umfliessenden Nebenflusses N a h a r.A d s c h e niederzulassen. Als nun der Sommer kam und mit ihm die Zeit, wo der Bach unter den sengenden Strahlen der südlichen Sonne sich in einen fieberschwangeren Sumpf verwandelte, da mussten nothwendig die Kolonisten in grosser Anzahl erkranken. Angst und Entsetzen bemächtigte sich ihrer und ihrer Glaubensgenossen in Jerusalem; eiligst verliess man den mühsam erworbenen Grund und Boden, um nach Jerusalem, Safed und Hebron zu flüchten, wo man nach wie vor von den Fleischtöpfen der „Chalukah“, d. h. von den Spenden lebte, die seit jeher aus den Taschen der jüdischen Glaubensgenossenschaft der ganzen Welt nach Palästina flössen. Drei Jahre lang stand die ganze Kolonie in ihrem grossen Umfange von 1280 Hektar einsam und verlassen da, und lieferte so den sprechendsten Beweis, dass ihre Gründer, die in den engen Strassen Jerusalems geboren, in den dumpfen Bethäusern gross geworden waren, am allerwenigsten wohl von allen Juden der Welt die Fähigkeit besassen, um aus sich heraus den Kern zu einem kräftigen Bauernstand abzugeben, der im Schweisse seines Angesichts sich ernährt und sich selbst durch eigene Thatkraft Bahn bricht. Aber noch nach einer anderen Richtung hin ist die Geschichte der Kolonie Pessach-Tikwah ausserordentlich lehrreich. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. An alle meine geehrten Herren Correspondenten die ebenso höfliche als dringende Bitte: 1. Die Spenden-Liste von den brieflichen Mittheilungen stets getrennt zu halten. 2. Die Spenden-Liste, mag sie selbst noch so bescheiden sein, nicht auf dem Coupon der Postanweisung, sondern auf einem Blättchen Papier verzeichnet einzusenden. 3. Für die Spenden-Liste niemals die jüdische Currentschrift in Anwendung zu bringen, und falls die Spenden für verschiedene Rubriken und Zwecke bestimmt sind, sie auf ebenso vielen einzelnen Blättern zu verzeichnen. 4. Nur wo eine Spezialbescheinigung unbedingt nöthig, — beispielsweise zu Belegen bei Gemeindeakten u. dgl. mehr — eine solche zu verlangen, sonst jedoch davon gütigst absehen und das sofort, oder einige Tage nach der gemachten Geldsendung erhaltende neueste Spenden-Verzeichniss als Empfangsbestätigung betrachten zu wollen" Die gütige Beachtung dieser bescheidenen Bitte von Seiten meiner geehrten Herren Correspondenten würde mir viele unnöthige Mühe und Zeitverlust ersparen, eine Rücksichtnahme, die gewiss jeder billig Denkende als eine vollkommen berechtigte und dringend gebotene bezeichnen wird. Jedem sie mir Gewährenden schon im Voraus den herzlichsten Dank dafür! 91. D. in B. Eine Antwort hätte doch wenigstens mein bereitwilliges Entgegenkommen verdient, — einen Dank begehrte ich nicht dafür. Die Ihnen am 25. Mai d. J. gesandten 25 M. werden Sie hoffentlich erhalten haben. U. A. K. in 91. Geben Sie gütigst in Znkunft Ihren Verzeichnissen die Fassung, in der Sie Ihr am 25. Juni d. J. eingesandtes abgedruckt finden werden; Sie ersparen mir dadurch das Heb er sehr eiben, womit Sie mir einen grossen Gefallen erweisen. A. 8. in ür.-ll. Die gleiche Bitte richte ich auch an Sie! E. GL in V. Es freut mich ungemein, dass die r6n-Büchsclien bei den Frauen in Ihrer Gemeinde ein so zufriedenstellendes Resultat erzielten; das Hauptverdienst aber gebührt Ihnen, der Sie dieselben einführen zu wollen sich bereitwilligst erklärt haben. Viele Tausende gehen den in höchster Nothlage sich befindenden palästinensischen Glaubensbrüdern eben dadurch verloren, dass so sehr Viele Ihrer Herren Collegen aus Bequemlichkeit und sonstigen kleinlichen Motiven sich der geringen Mühe des Placirens der kleinen Sammelbehälter und der wohlwollenden Anregung zu deren Annahme bei den dafür sehr empfänglichen jüdischen Frauen in ihren Kreisen nicht unterziehen wollen. —! HfOrD DJ p?n 91. F. in 8. Liefern Sie mir bald den thatsächlichen Beweis von Ihrer mir gegebenen freundlichen Versicherung! Um reiche Spenden für nn- ■Wr sere nach Palästina ans gewanderten n. daselbst in schwerster Nothlage sieh befindenden vertriebenen russischen (wlaubenshrfide r bittet innigst Dr. A. Salvendi. Druck der Job. Wirth’sehen Hofbuchdruckerei, Actien-Gesellschaft, Mainz.