Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1893)
- Date
- 1893-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1268 (40—50 Grad Celsius!) große Dimensionen angenommen. Dabei macht sich ein Mangel an Betten in den Hospitälern, insbesondere in dem jüdischen sehr bemerkbar. Selbstverständlich leidet darunter auch der Verkehr am Hafen. (Nach Schluß der Redaction.) Würzburg. Die nachfolgende Mittheilung dürste für die zahlreichen Israeliten, die in bayrischen Garnisonen ihrer Militärpflicht obliegen, im allgemeinen und insbesondere für diejenigen, welche zur Theilnahme bei den Manövern beigezogen werden, von großem Interesse sein. Die diesjährige Manöverzeit fällt nämlich mit unsren höchsten Feiertagen zusammen und hat sich Herr Distrikts- Rabbiner Bamberger dahier an das Kgl. bay. Kriegsministeriums mit einem desfallsigen Gesuche gewandt, die israel. Mannschaft für diese Tage zu beurlauben event. zu gestatten, daß dieselbe nach einer in der Nähe der Manövergegend gelegenen isr. Gemeinde sich begeben dürfe. Daraufhin erfolgte unter dem 13. d. durch das General-Commando dahier die nachstehende Entschließung: „Dem verehrlichen Distrikts - Rabbinat wird „auf dessen anher gelangte Eingabe vom 4. August „1893 Nr. 882 an das K. Kriegsministerium er- „gebenst eröffnet, daß die unterstellten Truppenteile „von diesseits angewiesen wurden, sowohl in den „Garnisonen, als auch bei den größeren Truppenübungen am 11. und 12. September, sowie vom „19. September mittags ab beginnend für den 20. „September den Soldaten israelitischer Religion, „wenn sie es wünschen und soweit es ohne Beein- „trächtigung des Dienstes geschehen kann, behufs „Feier der auf diese Tage fallenden religiösen Feste „Urlaub zu ertheilen" rc. Es liegt nun an den jüdischen Soldaten selbst, daß dieselben bei ihren Vorgesetzten eine diesbezügliche Bitte rechtzeitig vortragen. Vermischtes, Bukarest Wir lesen im „Rumänischen Lloyd": In T. Ocna hat sich gelegentlich der Prämienvertheilung in einer der dortigen zwei Primarschulen ein unglaublicher Vorfall ereignet. Der Direktor derselben, Herr Samarian, beklagte in seiner Eingangsrede die Vermehrung der Fremden in den Primarschulen, wozu er auch die des rumänischer Bürgerrechtes sich erfreuenden Armenier zählte. Darauf ließ er einen preisgekrönten rumänischen Schüler ein Gedicht recitiren. Der bereits vorbereitete Knabe sagte den Titel an: „Der Rumäne und der Jude" .... Alle Anwesenden waren über diese Wahl erstaunt. Nun begann der Knabe die Erzählung einer der Anekdoten Sperantza's, in welcher ein Jude, der einen Schlag aufs Bein erhielt, seine Hand zu den Augen führt: der Recitirende ahmte Sprache nnd Geberden der der rumänischen Sprache unkundigen Juden nach, so daß die hiebei anwesenden Israeliten mit empörten Gefühlen zuhörten, während das Gedicht den rauschenden Beifall des rumänischen PublicumS erweckte. Der anwesende Primär machte zum Schluß dem Direktor Samarian einige leise Bemerkungen, worauf dieser das Wort mit der Bemerkung ergriff, daß er seine Schüler besagtes Gedicht nicht zu dem Zwecke gelehrt habe, um Jemanden zu verletzen, sondern weil dasselbe literarischen Werth habe. Hiebei rief einer der Anwesenden entrüstet: „Das patzt in einen Circus!" Abgesehen von der Ungeheuerlichkeit der Thatsache, daß eine Schulfeierlichkeit in solcher Weise entweiht wurde, ist es geradezu unerlaubt, daß ein Lehrer seinen Antisemitismus so weit treibt, daß er bestrebt ist, seinen Schülern, worunter auch Juden sind, Haß und Verachtung gegen einen großen Theil der Landesbevölkerung beizubringen. Wo bleibt die Controle der Behörden? Herr Samarian ist freilich der Sohn eines getauften Juden in Bacau und mag voll Gift und Galle gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen sein, zu welchen auch sein Vater Schmil Botezatul gehört hat. Aber zur Duldung oder gar Nährung des Religionshasses in der Schule und zur Vergiftung der reinen Gefühle unschuldiger Kinder hat er jedenfalls keine Berechtigung. immer mehr zu. Schon seit Wochen wagte Benjamin nicht mehr, sein Haus zu verlassen, aus Furcht, beleidigt und thätlich angegriffen zu werden. Von einem Geschäft konnte daher nicht die Rede sein, denn nur das wurde verkauft, was von den Kunden aus dem Hause geholt wurde. Freilich kamen oft genug Boten, welche dem Juden sagten, da und dort sei ein Kalb, eine Kuh, eine Ladung Getreide zu verkaufen, dieser oder jener wolle ein Pferd, ein Zuchtstier oder Milchkühe kaufen — Benjamin kümmerte sich nicht mehr darum. Als nun die Metzger merkten, daß der Jude ihnen keine Concurrenz mehr machte, da boten sie immer weniger für das Schlachtvieh, als die Bauern ihr Getreide den Händlern in der Stadt selbst anbieten mußten, erhielten sie einen geringeren Preis als Benjamin stets gezahlt hatte und was sie kaufen wollten, mußten sie baar und theuerer bezahlen, als sie es gewohnt waren. In der, vom Antisemitismus durchseuchten Gegeud ließ sich kein Jude mehr sehen und da die Antisemiten die Alleinherrscher waren und keine Concurrenz zu befürchten hatten, nutzten sie ihren Vortheil aus. Die Bauernvereine konnten nicht alles kaufen, was ihnen angeboten wurde, und das, was sie den Bauern lieferten, war nicht besser und nicht billiger, als sie es sonst gekauft hatten, und während Benjamin ihnen creditirte, mußten sie jetzt alles baar bezahlen. Eine große Erregung hatte sich der ganzen Bevölkerung bemächtigt und man bürdete dem Feuilleton. > Die drei Kronen. -4- Von $. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) 19. Die Verhältnisse in dem Dorfe spitzten sich