Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 66 (17.8.1893)
- Date
- 1893-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1267 auf eine Entscheidung des Regierungspräsidenten von Lüneburg verwiesen, der am 8. Dezember v. I. ein Gesuch um Einführung der Betäubung im ganzen Regierungsbezirke — bezeichnend genug — zurückgewiesen hatte, weil bezweifelt wurde, ob nicht durch die von ungeübten Schlägern gemachten Betäubungsversuche eine gleich große Mißhandlung herbeigeführt werde, wie sie heutzutage beim Schlachten ohne vorangegangene Betäubung Vorkommen könne. Die Frage wurde immer brennender, da am 12. Juli die Polizeiverordnung in Kraft treten sollte. Am 26. Juli lief der Ministerial-Erlaß ein, welcher besagte: Die Herren Minister des Innern und der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten haben es für unzulässig erachtet, die Frage, ob mit der jüdischen Schlachtmethode des Schächtens Thierquälerei verbunden sei, für einzelne Ortspoltzeibeztrke zum Austrag zu bringen und dort diese Schlachtmethode durch Polizeiverordnung zu untersagen." Die Polizeidirektton in Harburg wurde angewiesen, die Verordnung aufzuheben und durch eine neue Bestimmung zu ersetzen, wonach die Vorschrift auf das Schächten nach jüdischem Ritus keine Anwendung findet. — Es ist ein Verdienst des Herrn Dr. Gronemann, durch sein energisches Vorgehen die Angelegenheit nun so geordnet zu haben, daß für die Folge keine Ortspolizet derartige Verfügungen eigenmächtig treffen wird. Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 12. Aug. Aus Prag wird gemeldet: In der Sommerfrische Revnitz fand gestern eine Judenhetze statt, die meist von jungczechischen Elementen geschürt war. Das Koliner Lokalblatt „Polaban", welches die großen Judenhetzen des Frühjahres in Kolin einleitete, wurde von den Behörden unterdrückt. Frankreich. Paris. Baron v. Hirsch hat den früheren Direktor der Ackerbauschule in Jaffa, Herrn Hirsch zum Administrator der isr. Colonten in Argentinien ernannt. Paris. Der dunkle Ehrenmann Ducret wurde in Paris zu einem Jahre und der nur in der Hautfarbe noch dunklere Ehrenmann Norton zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt. Mit dieser Verurtheilung ist wieder eines der großen antisemitischen Geschwüre geplatzt, die an manchen Staatskörpern Europas wuchern. Ducret, der Herausgeber der antisemitischen „Cocarde" — es ist dies so eine Art französisches Volksblatt — hat gleichfalls nach bekanntem Muster den Judenhaß als ziemlich einträgliches Geschäft betrieben, dabet aber immer in ewiger Geldverlegenheit vegetirend, hoffte er seinem Schandblatte durch eine große Sensationsaffaire sondergleichen anfzuhelfen. Unglücklicherweise mißlang der Coup und was den Aufschwung der antisemitischen „Cocarde" herbeiführen sollte, wurde zu ihrem Verderben und zur moralischen Vernichtung ihres Herausgebers. In hübscher Beleuchtung zeigt die Gerichtsverhandlung auch den großen Antisemitenhäuptling Marquis Mores. Diesem Judenfreffer par excellence wurden von dem Privatkläger Clemanceau, dessen große Rednergabe sich auch bet diesem Anlässe glänzend manifestirte, die vernichtenden Worte zugerufen: „Derselbe Mores, der mich beschimpft, mir Cornelius Herz vorwirft, hat sich vor kurzem von Cornelius Herz Geld ausgeborgt." So sehen sie alle aus die großen Ehrenmänner, die den Antisemitismus als Geschäft betreiben; sobald sie jedoch im Gerichtssaale erscheinen, zeigen sie sich in ihrer ganzen Erbärmlichkeit. P a l ä st i n a. Jerusalem, 29. Juli. Seitdem die türkische Regierung im vorigen Jahre anläßlich der Anstedlung russischer Unterthanen in Palästina verboten hat, Ankäufe von Ackerland, Bauplätzen oder sonstigen Grundstücken seitens Personen jüdischen Glaubens in das Grundbuch einzutragen, ist das ganze Geschäft, sowie der Handel im Allgemeinen gelähmt. Die Konsulate der fremden Staaten, am allermeisten das deutsche Consulat hier, haben sich eifrig für ihre Unterthanen verwendet, indem sie den Herren in Constantinopel zu beweisen versuchten, daß alle Unterthanen, selbst die türkischen nicht ausgenommen, ganz beträchtlich durch dieses Verbot geschädigt werden. Nicht allein, daß der Werth des Grund und Bodens um die Hälfte gesunken ist, kommt es auch bei Ausführung der noch schwebenden Contracte zu unerquicklichen Prozessen, gehen die Zinsen der angezahlten Summen verloren und erleidet der Staat selbst durch die Lähmung dieses Geschäftszweiges Einbußen in den Einnahmen. Nachdem alle Bemühungen, eine Aenderung herbeizuführen, ein ganzes Jahr lang vergebliche gewesen sind, ist nun ein Gesetz zum Vorschein gekommen, welches jedoch nur den Handlangern Nutzen bringen kann. Die Geschäftsstockung dauert demnach fort und es ist nicht abzusehen, wann wieder regelmäßige Zustände eintreten werden. — Die letzte Weizen-Ernte im Gebiete jenseits des Jordan ist eine sehr günstige gewesen, und es treffen hier täglich mit Weizen beladene Kameele in großer Zahl ein, in Folge dessen der Preis des Mehls so niedrig ist, wie seit vielen Jahren nicht. — Seit mehreren Wochen herrscht in Jaffa die Influenza und die Epidemie hat in letzter Zeit wegen der ungeheuren Hitze