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Der Israelit · 1893-08-17 · Heft 66 (17.8.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 66 (17.8.1893)
Date
1893-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1265 geistigen? Dieser Thatsache gibt das folgende Wunder Ausdruck: ova ^nan yah np jrw vb D’mi, „Es traf den Hohepriester keine I Unreinheit am Versohnungst age." Erfüllt von seinem Hochberuf hatte der Hohepriester aus seiner Brust jede unlautere Regung gebannt, die geeignet gewesen wäre, seine Reinheit zu gefährden. Vor der Heiligkeit des Orrs, des Berufs, des Tags weicht die Unlauterkeit sündigen Sinnes, sie hat keinen Raum in der gottreuen Priefterbrust und das feit ihn gegen jede Unreinheit. II Und nun sind wir doch von Gott alle mit dem jf Priesterberuf ausgestattet, jede Stätte Gott gehei- ] ltgten Wirkens ist ein Gotteshetligthum, jeder ein- I seine Tag unseres Lebens ruft zu unserer Pflicht, 1 mahnt uns zur raiipn, zur Rückkehr zur Pflicht, 1 wo wir ihr untreu geworden sind, jeder Tag ist j somit in Wahrheit ein Jom Hakippurtm, Jederj mann, zu jeder Zeit, an jedem Orte ist somit des-! selben Wunders fähig — wenn er dessen würdig j ist. Jedermann, der seine Reinheit einbüßt, hat i eben nicht mit hohepriesterlicher Achtsamkeit über l] dieselbe gewacht. Hätte er es gethan und thut er | es, so trifft auch ihn keine Unreinheit, wie sie dem 1 Hohepriester im Hetltgthum, am Versöhnungstage 1 nicht nahte. I (Fortsetzung folgt.) 1 Z eit«« gsuach richte« u«d tkorrespoudeuzeu. ' Deutschland. Berlin, 11. Aug. In einer Versammlung der antisemitischen Reformpartei sprach gestern der \ Abg. Zimmermann über die Berliner Bewegung unter heftigen Angriffen gegen Stöcker und die Konservativen, die im Gegensatz zu den Antisemiten die politische und kirchliche Reaktion vertreten. Auch * Ltebermann von Sonnenberg und Cremec kamen übel weg. Sie wurden als Leute charakterisirt, die I darauf ausgingen, auf Kosten der Partei einen guten Tag zu leben, und es wurde von einem Redner gegen sie der schnöde Verdacht laut, daß sie lieber Champagner tränken, als arbeiteten. Von anderer f Seite wurden diese Herren etwas schüchtern in i Schutz genommen. j Aus Bayern Der „geschäftsführende Aus- I schuß der freien Conferenz bayerischer Rabbiner" richtete an das Kgl. Kriegministerium die Bitte, bei den bevorstehenden Herbstmanövern die israel. Soldaten an 2»"> m und eventuell auch mao für die Festtage selbst so zeitig am Rüsttage in Urlaub zu lassen, daß die Beurlaubten noch | vor Festeseingang sich in benachbarte israel. Kultusgemeinden begeben könnten. Hierauf erging fol- I gendes Reskript. Nr. 14575. München, den 5. August 1893. Kgl. Bayr. Krtegsmtnistertum. Betreff: Gesuch des Rabbinats München — als Vertreters der Conferenz bayerischer Rabbiner — um Beurlaubung israelitischer Soldaten an den höchsten israel. Festtagen. Dem Rabbinat dahier beehrt sich das Kriegsministerium unter Bezugnahme auf Wohldeffen Ansuchen vom 31. Juli l. Js. im ausgesetzten Betreffe ergebenst mitzutheilen, daß die unterhabenden Generalcommandos entsprechend der gestellten Bitte für thunlichste Berücksichtigung derselben mit Weisung versehen wurden. Krtegsministerium, Abtheilung für Allgemeine Armee-Angelegenheiten. I. V.: R e n a u l d, Oberftlieutenant. An das Rabbinat München. Würzburg, 9. August. Wir befinden uns gegenwärtig in festlicher Stimmung und unter dem Eindruck hochgradiger Begeisterung für das Wahre und Gute und auch das Schöne. Der Gesammtlehrerstand Bayerns hat sich in unserer schönen Stadt ein Reuäes-vouZ gegeben, um sich von Neuem für seinen hohen Beruf zu begeistern, zu ermuthigen und zu stärken. Au 4000 Standesgenossen sind der Einladung hierher gefolgt und legen damit Zeugniß ab von ihrem Standesintereffe und wie sehr sie Würzburg's Gastlichkeit versichert sind. Es tagt hier die XII. Bayr. Hauptlehrerversammlung und gleichzeitig hielt auch „der israel. Lehrerverein des Königsreichs Bayern" seine jährliche Generalversammlung ab. In Bezug auf erstere sei hervorgehoben, daß hier auch nicht der leiseste Unterschied unter Konfessionen wahrnehmbar, ein Geist der Verbrüderung beherrscht alle. Den schönsten Ausdruck dafür lieferte ein Beschluß auf einen Antrag: den Ausdruck, „positiv ch ristli ch e m G e i st e", an die Spitze der Voreinsfatzungen zu stellen. Derselbe wurde einstimmig abgelehnt und der Vorstand gab seiner Freude darüber in den wärmsten begeistertsten Worten Ausdruck. Noch nie, schreibt der offizielle Bericht, habe ein Beschluß eine so hohe Stimmung hervorgerufen. Wünschen wir einem solchen Vereine ferneres Gedeihen und segensreiches Wirken! Bezüglich der abgehaltenen Generalversammlung des jüdischen Lehrervetns will ich dem offiziellen Bericht nicht vorgreifen und kurz bemerken, daß die Betheiligung eine sehr große war, an 130 Mitglieder waren anwesend. Dieselbe wurde durch eine warme Ansprache des redegewandten Vorstandes, Herrn Lehrer Goldstein-Masbach er-

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