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Der Israelit · 1893-08-17 · Heft 66 (17.8.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 66 (17.8.1893)
Date
1893-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1264 für den es leidet und wofür dann auch Gott jederzeit etntritt, sobald sich die Kraft seines Volkes als unzulänglich erweist! Diese innere, eigentliche Lebensseele des jüdischen Menschen, die ihn aufrecht erhält und ihn neu belebt und stählt gegen alles Ungemach des Lebens, diese Quelle seiner Unüberwindlichkett, seiner Lebensfreude und Zuversicht, sie kennt der große Troß nicht, der geringschätzig und gehässig aus den Juden ntederblickt. Er sieht nur den ringenden, kämpfenden und leidenden Juden, über diese Regungen seines inneren Lebens erreicht das grobe Auge der großen Menge nicht. Sie sieht in ihm nur den äußeren Menschen, aber nicht das Moment, das allein ihm Character und Bedeutung verleiht. So unterscheidet sich auch das Opferthier äußerlich nicht von jedem anderen Thier seiner Gattung. Und doch bewirkt der Wille, der Hauch, das bloße Wort, welches über dasselbe ‘nb mp „als heilig Gott geweiht" spricht, eine völlige Umgestaltung. Es wird damit dem Heiligthum geweiht und so allem entrückt, was sonst dem Thiere seiner ganzen natürlichen Beschaffenheit gemäß anhaftet. Ja die Weihe beschränkt sich nicht auf das Thier selbst und auf diejenigen Theile, die eigentlich der Mizwah geweiht sind, sie erstreckt sich selbst auf die im Gerüche sich verflüchtenden Atome, die stofflich nicht einmal eine Bedeutung — ivb arm nti — haben, die thatsächlich nicht zur Mizwah gehören und welchen dennoch die Wunderkraft innewohnt, daß sie selbst der reizbarsten Empfindlichkeit gegenüber sich als unschädlich erweisen. Die Bedeutung dieses Wunders beschränkte sich somit nicht auf die Tempelstätte, sie war unseren Vätern die sichtbare Manifestirung der göttlichen Kraft, mit welcher die Mizwah alles und alle ausstattet, das sie in ihr Bereich zieht. Diese Wahrheit erhielt einen noch prägnanteren, weitergehenden Ausdruck durch das nun folgende zweite Wunder: tnpn nea nnDn „N i emals ging das geheiligte Opferfleisch in Verwesung über." Es gab Opfer, deren Genuß sich auf zwei Tage und eine Nacht erstreckte und bei der reichen Opfermenge selbst in der tropischen Sommerhitze kam es niemals vor, daß das Opferfleisch an seiner Frische irgend welchen Schaden gelitten hätte, niw rön b'D nntn pp. Glücklich das Auge, das diese Wunder täglich schauen und den reichen Schatz von Belehrung und Anregung daraus schöpfen konnte, die sich jedem Denkenden aufdrängen mußte. Wenn Jemand ein Thier dem Heiligthum mit den Worten weihte: n nn ,rfriy ir nn, „dieses sei zum Empoiopfer, dieses zum Friedensopfer bestimmt", so war es der Verwesung entrückt und ging niemals in Fäulniß über. Wie muß der eigene menschliche Körper, dessen gesprochenes Wort dem Opferthkere erst seine Unverweslichkeit verleiht, wie muß er über Verwesung, über Wurm und Moder erhaben sein, wenn er wirklich der würdige Träger der reinen, heiligen unsterblichen Gottesseele ist. Es ist somit keine Hyperbel, es ist buchstäbliche Wahrheit, was unsere Weisen uns lehren, daß nicht nur die Seele, daß selbst der irdische Theil der wahrhaft Gerechten nicht dem Staub zerfällt und nicht den Würmern zur Beute wird, sondern unversehrt wieder mit der Seele ersteht, wenn erst die Stunde gekommen ist, in welcher Gott die Gräber öffnet und die Im Staube Schlafenden zum neuen, ewigen Leben erweckt! Wie erscheint dieses räthselhafte Wunder so selbstverständlich einleuchtend im Vergleich zu dem Tempelwunder, wie es sich an dem heiligen Opferfleische vollzog! Wer hätte an jenem noch zweifeln können, wenn er dieses täglich sich aufs Neue vollziehen sah! Man könnte gegen diesen Vergleich allerdings einwenden, daß die Haltbarkeit des Opferfleisches noch keinen zweifellosen Schluß auf diejenige des in der Erde gebetteten menschlichen Körpers gestattet. Es wäre immerhin möglich, daß man für die Conservirung des Opferfletsches Veranstaltungen getroffen habe, um seiner Verwesung entgegenzutreten, die bei dem im Grabe liegenden menschlichen Körpcr Wegfällen. Wissen wir doch z. B., daß alle für das Opferfleisch bestimmten Tische von Marmor waren, um so eine kühlere Temperatur zur Erhaltung des Fleisches zu schaffen. Man wäre daher leicht geneigt, dieses Wunder auf natürliche Weise zu erklären. Daß diese Annahme jedoch thatsächlich ausgeschlossen ist, lehrt das vierte Wunder: D’TGDDn nnu 3131 „Es wurde keine Fliege in der Tempelschlachtstätte gesehen." Diese Thatsache bildet die Bestätigung der vorhergenannten. Die Ausdünstung des Fleisches, der Geruch des Blutes und des Unrathes mußten doch naturgemäß die Fliegen herbeizichen. Wenn die Heiligkeit der Opferstätte sie aber fern hielt, wie sollten Wurm und Made sich an das vpv ttrtpo, au das verjüngte Heiligthum wagen dürfen, welches jeder Menschenkörper repräsentirt, der ein gefügiges Werkzeug der in ihm lebenden heiligen Gottesseele ist? Stattet aber die Heiligkeit des Orts und des Wortes selbst den Körper mit einer alle irdische Hinfälligkeit überdauerden Kraft aus, welchen Einfluß muß sie erst auf den Geist und auf das Gemüth desjenigen haben, der sich ihr ganz hingibt. Erstreckt sie sich selbst über das Grab hinaus, wie muß sie das Leben selbst verklären und durch-

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