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Der Israelit · 1893-08-17 · Heft 66 (17.8.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 66 (17.8.1893)
Date
1893-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MMWMWWMMWWW XXXIV. Jahrgang. M 66 Der Israelit Sin Genlrat-Hrgan für das orlHodore ZudenLHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 17. August 5653 (1893). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter Fünftes Buch. VIII. Mainz, 16. August. Das erste der zehn Wunder, welche unseren Vorfahren im Tempel-Heiligthume geschehen, war: rnpn *W3 nno naw n^’srt nV der Duft des heiligen Opferfleisches hatte keine Fehlgeburt zur Folge. — Es ist eine bekannte Thatsache, daß in den Monaten, die der Stunde vorangehen, in welcher das Weib einem neuen Menschenleben das Dasein gibt, sich oft Umstände in verhängnißvoller Weise geltend machen, die sonst geringfügig und bedeutungslos sind. In dieser Zeit ist das unbefriedigte Verlangen nach irgend einer Speise oft mit großer Gefahr verknüpft. Besonders ist dies bei Fleisch der Fall, wenn der Duft desselben das Verlangen danach anregt. Unsere Weisen haben dieser Gefahr eine solche Bedeutung dargelegt, daß sie einer Frau, die unter diesen Umständen durch Fleischduft angeregt, Fleisch zu genießen verlangt, selbst am Jom 3 Kippur den Fleischgenuß gestattet haben. — Von dem heiligen Opferfleisch wird uns nun hier gesagt, daß es diese verderbliche Folge nicht gehabt habe. Ohne uns auf eine physiologische Lösung dieses Problems einzulassen, wieso der Geruch von Fleisch unter diesen Verhältnissen so schwerwiegende Folgen nach sich zieht, dürfte die Annahme berechtigt sein: daß der ganze abnorme Zustand der künftigen Mutter, eine erhöhte Empfindsamkeit und Reizbarkeit mit sich bringt, daß dadurch ihr Verlangen ein tieferes, intensiveres, den ganzen Organismus mächtiger ergreifenderes ist, wodurch sie sich nicht so leicht über sich selbst zu erheben und dem Sehnen eine Schranke zu setzen vermag. Das Weib aber, welches das Tempelheiligthum betritt, um vom Vater alles Fleisches und aller Geister Kraft und Beistand im Opfer und Gebet für die bevorstehende schwere Stunde zu erflehen, hat an der Temvelschwelle alles Verlangen und Sehnen abgelegt, welches geeignet wäre, es von der heiligen Höhe seines Mutterberufes in die Niedere zu ziehen. Durch dieses Heraustreten aus dem eigenen Selbst, mit dem das Weib die eigenen, natürlichen Schranken durchbricht, hat es einen Anspruch auf das Wnnder erlangt, welches sich hier vollzog. Die verhängnißvollen Folgen des Fleischdufts haben ihre Gefahr verloren, wenn sie vom heiligen Opferfleisch ausgehen, sie erreichen nicht die das Tempelheiltgthum aufsuchende künftige Mutter. Das Weib, welches die Opferstätte des Tempelheiltgthums aufsuchen wollte, brauchte somit nicht zu fürchten dieser ihrer heiligen Regung zu genügen. Die Gefahr hört auf, wo das Heiligthum beginnt, ppro p'N mso Wer im Dienste der von Gott gebotenen Pflicht steht, wird von keinem Schaden betroffen. Wie verschwindend klein erscheint doch dieses an den Duft des heiligen Opferfleisches sich knüpfende e ine Wunder, gegen die unzähligen, in großartigstem Maßstabe und in kleinem Rahmen sich wiederholenden wunderbaren Erscheinungen, welche sich nicht etwa auf die Zeit des Tempelbestandes und den Ort der Tempelstätte beschränkten, sondern sich täglich seit Jahrtausenden vor aller Oeffentkichkeit vollziehen! Die ganze jüdische Geschichte, das Geschick und Leben des gesammten jüdischen Volkes, von seinem Urbeginn an bis zu dieser Stunde ist doch nichts als die laute Proklamation der Wahrheit: pp» p'N mso *rr6w „Wer im Dienste der Gott es Pflicht steht, ist gegen jedenSchaden gefeit." Was hat Israel aufrecht gehalten in den Versuchungen und Kämpfen, in der Verfolgung und dem tausendfältigen Tod, den seine Umgebung ihm zu allen Zeiten zu bereiten suchte, was anders als der Gedanke an die Mizwa, der Hochberuf der Pflicht, in deren Dienst es von Gott gestellt ist,

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