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Der Israelit · 1893-08-14 · Heft 65 (14.8.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 65 (14.8.1893)
Date
1893-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1245 Wir sehen dem Abfall, dem Leichtsinn von ganzen Gemeinden und von ungezählten Einzelnen mit verschränkten Armen zu, haben vielleicht einen Seufzer, aber nicht den Muth und die Einsicht, die wackere, lebensfrische That dagegen einzusetzen, ja haben oft nicht einmal ein männliches Wort dafür übrig! Es fehlt der Ernst, es fehlt die Ueberzeugung von der Wahrhaftigkeit und Unantastbarkeit des göttlichen Willens. An ihre Stelle ist eine nüchterne, eisige Kälte getreten, eine Blasirtheit, die sich Aufklärung nennt und der die Fähigkeit abhanden gekommen ist. zu glauben und zu vertrauen. Wir haben an diese Thatsacheu erinnern zu sollen geglaubt, bevor wir in die Besprechung der Wunder eintretcn, von welchen der vorliegende Väterspruch berichtet. Sie werden uns nur an dieser Stelle mitgetheilt. In der Thora selbst findet sich keine Andeutung dafür. Sie sind daher mehr als die früher erwähnten biblischen Wunder der Kritik und Zweifelsucht ausgesetzt. — Demgegenüber scheint es geboten, auf die mangelnde Fähigkeit hinzuweisen, die bei der ganzen Richtung unserer Zeit es dieser nur schwer möglich macht, sich in die Lebensanschauung zu vertiefen, die zur richtigen Würdigung dieser Wunder erforderlich ist. — Nach dieser Vorbemerkung gelangen wir zur Besprechung der hier aufgezählten Wunder, die unseren Vätern im Heiligthum geschahen, um die daraus sich ergebenden Wahrheiten für die Enkel der Väter zu verwerthen. (Fortsetzung folgt.) ZeituugSuachrichte» und (Korrespondenzen. D e u t s ch l a u d. Berlin, 4. August. Der Schluß der Rede, welche Professor Virchow bei der Gedächtnißfeier Friedrich Wilhelm's III. in der Aula der Berliner Universität hielt, und den wir bereits im Auszuge mitgetheilt, lautet wörtlich: Unsere Zeit, die in ihrem wissenschaftlichen Gefühl so sicher und siegesfroh ist, übersieht ebenso leicht, wie die frühere Zeit, die mystischen Regungen, welche von einzelnen Abenteurern in die Volksseele getragen werden. Noch steht sie rathlos vor dem Räthsel des Antisemitismus, von dem Niemand weiß, was er eigentlich will, und der trotzdem, vielleicht auch deßhalb fascinirend selbst auf die gebildete Jugend wirkt. Bis jetzt hat man noch keine Professur des Antisemitismus gefordert, aber es wird erzählt, daß es schon antisemitische Professoren gebe. Wer die Geschichte der Natur-Philosophie in ihren radikalsten Ausläufern kennt, der wird über solche Erscheinungen nicht staunen. Der menschliche Geist ist nur zu sehr geneigt, den mühseligen Weg des ordnungsmäßigen Denkens zu verlassen und sich in träumerisches Sinnen zu versenken. Davor schützt nur, um mit Schuckmann zu reden, der gesunde Menschenverstand, und wer diesen durch eine fehlerhafte Erziehung verloren hat, der kann sich nur retten durch Gewöhnung an strenge empirische Arbeit. Wir erwarten und fordern von dem Studirenden die freie Ausbildung einer in sich selbst ruhenden ehrlichen und schönen Persönlichkeit. Möge dieses Ziel von Allen, die zu uns kommen, angestrebt, möge es von recht V'elen erreicht werden! Dann wird auch die Hoffnung, in welcher König Friedrich Wilhelm III. diese Universität gegründet und gepflegt hat, in Erfüllung gehen. Berlin, 4. August. Der verstorbene Geh. Kommerztenrath S. B l eich röd er hat testamentarisch zur Begründung einer milden Stiftung unter dem Namen „Samuel Bleichröder-Stiftung" ein Kapital von einer Million Mark ausgesetzt, was die Testamentsvollstrecker heute dem Magistrat zur Kenntnißnahme mittheilten. Der Zweck der Stiftung soll sein: hilfsbedürftigen Kranken oder Rekonvaleszenten oder auch speziell kranken Kindern Unterkunft, Pflege und Unterstützung zu gewähren. Aus den Verhandlungen, die Erblasser noch bei Lebzeiten geführt und aus den Erklärungen, die er wiederholt gegeben hatte, läßt sich mit Bestimmtheit schließen, daß die Errichtung einer Heil- und Pflegeanstalt für Brustkranke sein eigentlicher Wunsch war. Die Testamentvollstrecker sind indessen zu der Ueberzeugung gelangt, daß die zur Verfügung stehenden Mittel von einer Million Mark nicht ausreichen würden, um eine Anstalt dieser Art von wirklicher Bedeutung zu schaffen und zu erhalten. Die Erwerbung eines in gesunder Umgebung gelegenen Grundstückes mit Garten und Promenade, sowie die Herstellung der Gebäulichkeiten und die Ausstattung derselben würden einen erheblichen Theil des Kapitals absorbiren und die Zinserträgnisse für die Erhaltung gar zu sehr in Anspruch nehmen. Da nun bereits im Jahre 1888 die städtische Deputation für die öffentliche Gesundheitspflege die Errichtung einer besonderen Heil- und Pflegeanstalt für Brustkranke in der Umgegend Berlins als dringend wünschenswerth erachtete, so erklären die Testamentsvollstrecker sich bereit, in eine Kombination einzutreten. Die Bleichröderstiftung soll zu einer unmittelbaren städtischen Einrichtung gemacht werden, indem die Stadt Berlin Beiträge, sei es durch Ueberweisung des Grundes und Bodens, der Gebäude, der Ausstattung oder in anderer Art übernimmt, die Testamentsexektoren aber die Zinsen des Stifungskapitals zur Verfügung stellen und die Verwaltung der Stiftung von der Stadt unter ihrer Mitwirkung geführt werden soll. Das Magistrats-Kollegium hat be-

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