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Der Israelit · 1893-08-10 · Heft 64 (10.8.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 64 (10.8.1893)
Date
1893-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1230 Polizei und Gensdarmerie gaben sich alle erdenkliche Mühe — vergeblich; es war und blieb verschwunden. Eines Tages saßen Rahel und Benjamin gemüthlich plaudernd nebeneinander. Das Thema der Unterhaltung bildete das sie so nahe angehende Verschwinden des Kindes, welches früher der tägliche Gast des Hauses gewesen. „Ich kann mir die Sache nicht erklären", sagte Rahel. „Das Kind ist vernünftig und groß genug, um von der ganzen Gemarkung aus den Weg nach Hause zurückzufinden. Meine Ansicht ist deßhalb, entweder ist dem Kinde ein Unfall zugestoßen — dann hätte man es schon aufqefunden — oder es ist ein Verbrechen an ihm begangen worden — wer sollte ein Interesse daran gehabt haben — oder, was ich zu allererst glaube, man hat das Kind entführt und hält es verborgen, um einen Hauptschlag gegen uns ausführen zu können." „Wie kommst Du auf den Gedanken?" fragte Benjamin. „Welcher Teufel könnte solche Pläne ersinnen, um uns zu verderben?" „Ich weiß es nicht, Vater; der Gedanke kam mir heute Nacht und ich kann denselben nicht wieder los werden." „Aber wer, wer könnte solche Ungeheuerlichkeit ersinnen?" „Auch darüber habe ich schon nachgedacht und kann Dir vielleicht einen Fingerzeig geben. Erinnerst Du Dich noch des Vorschlags, den man Dir beim Tode des jungen Müller Peter machte? Wollte man da nicht Deine Einwilligung durch Drohungen erzwingen? Wenn man nun diese Drohungen wahr gemacht hätte? Wäre es nicht angezeigt, durch einen zuverlässigen Mann jenen Elenden beobachten und ausforschen zu lassen?" „Auf welche Fährte bringst Du mich, meine Rahel! Warum konnte ich daran nicht früher denken! Du hast Recht; jenem Elenden ist alles zuzutrauen. Aber wen könnten wir mit unserer Sache betrauen? Der Gensdarm wird überall mit mißtrauischen Augen angesehen und sich jemand anders anzuvertrauen, das hat seine Schwierigkeiten." „Der Gensdarm ist freilich nicht der geeignete Mann; aber unser Johann, wie wäre es mit dem?" „Jeder kennt ihn und weiß, daß er in unserem Dienste steht." „So besinne Dich, wem Du die Sache anvertrauen willst. Vielleicht der Hirt." „Der Hirt hat keine Zeit; sein Fehlen würde bemerkt werden und auffallen." „Aber Huber — „Huber könnte man die Sache anvertrauen, wenn man sicher wäre, daß er nicht Antisemit ist." „Das läßt sich erfahren; soll ich heute mit ihm sprechen?" „Warte noch einen Tag, meine Tochter; solche Dinge darf man nicht übereilen. Laß die Nacht darüber vergehen; vielleicht sendet haschem jisboborach uns Erleuchtung." „Wie Du meinst, mein Vater; solche Dinge sollten jedoch nicht auf die lange Bank geschoben werden." „Das geschieht auch nicht; aber reiflich überlegt muß die Sache werden." Benjamin erhob sich, um im Zimmer aus und abzuschreiten. Auf diese Weise war er zu denken, zu überlegen gewohnt und konnte das Für und Wider in jeder Sache reiflicher überlegen. (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ftt bestehen bei G. JF. Kleinacker, Leipzig. Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Glue Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie znrückzubehalten. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Dieburg. Frankfurt a. M. Berlin. Harburg. — Oesterr.-Uugar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. Tiflis. Koßland. Biala. — Feuilleton: Die drei Kronen. Von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Schechitah-Angelegenheit in der Schweiz. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aus Oberhessen. Frankfurt a. M. Marienwerder. — Rußland: Warschau. — Vermischtes. — Briefkasten. — Anzeigen. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Ratibor. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen sowie die elfte Lieferung der Erzählung „Zur rechten Zeit" von Dr. M. Lehma«« yxr*

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