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Der Israelit · 1893-08-10 · Heft 64 (10.8.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 64 (10.8.1893)
Date
1893-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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M^WWWffMWWMM 1228 auch deren Wohnungsangabe vorzulegen hätten. Diejenigen jüdischen Kaufleute, welche ohne bebesondere Berechtigung Angestellte in ihren Diensten haben, werden das Recht verlieren, jüdische Commis anstellen zu dürfen, und können sogar in Ausnahmefällen nach dem Territorium zurückgeschickt werden. Zu gleicher Zeit hat die Polizei den Befehl erhalten, strenge Controls zu üben, und jeder jüdische Angestellte, der nicht in die Liste eingetragen ist, wird augenblicklich aus Kiew verwiesen. So hat in vergangener Woche die Polizei 70 jüdische Angestellte ausgewiesen, die sich im Dienste jüdischer Kaufleute zu Kiev befanden. Biele dieser Angestellten halten Kiev bereits seit 30 — 40 Jahren bewohnt, sie sind daselbst sehr angesehen. Die meisten haben zahlreiche Familien und keine andere Existenzmittel als diejenigen, welche sie durch ihre Anstellung bezogen. Am vergangenen 12./24. Mat begutachtete der Kaiser eine neue Steuervorlage, genannt „Wochensteuer", in sämmtltchen Städten des Reiches. Bon der neuen Taxe sind befreit (Artikel 5.): Die Häuser uüd Wohnungen, welche von den Mitgliedern der Geistlichkeit aller christlichen Confessionen und des mohamedanischen Cultus in Anspruch genommen werden; die jüdischen Geistlichen bilden eine Ausnahme und haben die Steuer zu zahlen (Nowoye Bremia vom 12./24. Juni.) Die beiden Schiffsgesellschaften, welche auf dem Dnilper und seinen Zuflüssen fahren, haben den Befehl erhalten, ihre jüdischen Angestellten zu entlasten. Die Gesellschaften thaten dies gleich, und so erhielten denn einige 80 jüdische Angestellte ihre Entlastung, zugleich mit dem polizeilichen Befehl, auf der Stelle ihren Wohnort zu verlassen. Die armen Leuten sind mit Familie belastet und befinden sich in einer jammervollen Lage. (Odesski Listok vom 12./24. Juni.) Tiflis, 28. Juli. Soeben wurde hier ein kaiserlicher Erlaß publicirt, dlmzufolge die Behörden von sämmtltchen in den Gouvernements des Kaukasus befindlichen jüdischen Handwerkern genaue Listen zu entwerfen haben, da dieselben von der Ausweisung befreit sein werden. — Mehrere jüdische Familien hier, welche von der Ausweisung schon bedroht waren, welche Maßregelung jedoch durch die edle Intervention des Großfürsten Michael wieder rückgängig gemacht wurde, haben an denselben ein Danktelegramm gerichtet. In Kotzland (Gouv. Wttebsk) brannten 300 von Juden bewohnten Häuser nieder. Die Abgebrannten sind dadurch an den Bettelstab gebracht. Aus Biala (Gouv. Schedlitz) kann ich als Curiosum berichten, daß dort drei jüdische Soldaten eine Thorarolle geschrieben, damit die zahlreich in der Artillerie dienenden Söhne des Mars jüdischen Glaubens ihrem Wunsche gemäß, regelmäßig Gottesdienst abhalten können. Als die heilige Rolle beendet war, gestattete das Commando den jüdischen Soldaten in liebenswürdigster Weise das Abhalten eines (ovo) Schlußfestes. I. F. Feuilleton. > Die drei Kronen. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Louise hörte schweigend zu, während Thränen über ihre Wangen perlten. Endlich sagte sie: „Benjamin, Ihr habt schon so viel für mich gethan, fetzet Eurem Edelmuth die Krone auf und machet die Reise für mich. Sehet, in meinem jetzigen Zustand kann ich doch die Reise nicht unternehmen, und wenn ich auch hinkäme, so wäre ich doch immer nur eine Frau, die der eine hierhin, der andere dorthin schickt. Eineu Mann hört man doch eher an und besonders Euch, Benjamin, wenn Ihr in eigener Sache kommt. Thut mtr den Gefallen." „Du verlangst viel von mir, Louise. Was ich bis jetzt gethan habe, that ich für Dich, für den ehrlichen Namen Deines seligen Vaters; was Du aber jetzt von mir verlangst, das ist etwas, was ich für Deinen Mann thun müßte, der mein persönlicher Feind ist, der, wo er gekonnt, mir geschadet, auf mich die Verfolger gehetzt hat, daß ich das Dorf, in dem ich ein Menschenalter gelebt habe, verlassen muß, ist sein Werk, daß die Achtung, die ich genossen, das Vertrauen, welches ich besessen, eingebüßt habe, verdanke ich Deinem Manne, daß mein Geschäft rutuirt, mein Leben gefährdet ist, das ist das Werk seiner Freunde, und ihm sollte ich helfend beistehend Nein, Louise, es thut mir leid, Deine Bitte unerfüllt lassen zu müssen." „O, Benjamin, seid nicht hart; denkt. Eure Rahel sei in meiner Lage und sie bäte den Freund — Nicht meines Mannes halber, meinethalben erfüllet meine Bitte." „Gut denn, es sei. Was Du vorhin für mich gethan. wiegt vieles von dem auf, was Dein Mann gegen mich unternommen. Ich erfülle Deine Bitte. Benjamin hielt Wort. Er reiste in die Stadt, ging zu deui Untersuchungsrichter, legte ihm den Brief des Verwalters und die zurückgekommenen Wechsel vor und brachte es zu wege, daß der Müller sofort seiner Haft entlassen und die Untersuchung gegen ihn vorläufig eingestellt wurde. Zu gleicher Zeit miethete er sich eine Wohnung in der Stadt, um den Verfolgungen der antisemitischen Bauern zu entgehen.

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