Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1893)
- Date
- 1893-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448375--36866-2484906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hastigkeit, mit strenger Pflichttreue und in wahrhaft religiösem Sinne. Ausgestattet mit einer prächtigen Tenorstimme, durchdrungen von einer charakterfesten, religiösen Gesinnung machte sein Vortrag auch auf die Hörer einen überwältigenden, zur tiefen Andacht stimmenden Eindruck. Man merkte dem Ton und Vortrag an, daß das Herz dabei ist und deshalb gingen sie wieder zu Herzen. Als tüchtiger 7niD genoß derselbe großes Vertrauen und wurde zur Ausübung dieses heiligen Aktes in die entferntesten Orte berufen. Aber auch seine Frau zeichnet sich durch ächt jüdische Frauentugenden 'aus. Anspruchslos und 'bescheiden, suchte sie stets zu helfen und zu trösten, wo es Noth that. Die Armen hiesiger Stadt ohne Unterschied des Glaubensbekenntnistes verlieren in ihr eine große Wohlthäterin. Deshalb wird der Wegzug dieses braven Ehepaares aus diesiger Stadt allgemein bedauert. In tief ergreifenden Worten unter Zugrundlegung des Sidra-Satzes "im rpin 7n 17 zn dankte unser allverehrter Herr Rabbiner '"~u in einer Sabbat- Nachmittag- Predigt Herrn Sternberg für die der Gemeinde geleisteten Dienste, für seine Charakterfestigkeit, für die Thaten derlFreundschaftl'und Liebe. Die hiesige Kultusverwaltung, die Chefra Kadischa, der Frauenverein suchten dem scheidenden Paare durch werthvolle und sinnige Geschenke Beweis zu geben, wie ihre Verdienste von den Betheiligten gewürdigt und anerkannt werden. Möchte es Herrn und Frau Sternberger vergönnt sein, in ihrem nunmehrigen Domizil Harburg viele, viele Jahre gesund, glücklich und zufrieden verleben zu können. Dies gebe der allgütige Gott. H. Hofmann. Berlin, 31. Juli.' Gegen Jakob sLandau stand vergangenen Donnerstag Termin an. Er wurde des Betrugfalles unter Vorspiegelung falscher Thalsachen in 3 Fällen überwiesen und vom Gerichtshöfe, welcher über das vom Staatsanwalt beantragte Maaß weit hinausging, zu 6 Wochen Gefängnitz verurtheilt. — Rabbiner Ackermann erhielt wegen Unterschlagungen 2 Monate Gefängnitz. In der Brandstiftungsangelegenheit wurde er wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. I. F. Birstein in Kurhessen. Am'6.^Ab ist der Nestor unserer Gemeinde und weiteren Umgebung, Rabbi Salomon Adler gestorben. Der Verstorbene, in Burghaun bei Fulda geboren, ging schon in früher Jugend nach Frankfurt als Talmudjünger, um daselbst dem Studium unserer heiligen Lehre zu obliegen, bildete sich darauf als Elementarlehrer aus und wurde als solcher in Meerholz staatlich angestellt. Zu jener Zeit wirkte und lehrte in dem benachbarten Gelnhausen Rabbi Kuhnreuter, zu dessen Füßen er sein Thorastudium fortsetzte und sich nuiDl aneignete. Im Jahr 1844 kam er als Elementarlehrer in unsre Gemeinde, woselbst er bis 1869 als solcher segensreich wirkte. Nachher quittirte er den Lehrerdienst und war als Kaufmann thätig, doch fand er stets Zeit, alle mao mit Hingebung und echter hnt zu erfüllen, so war er auch noch bis zum vorigen Jahr als iniD thätig. Die Ausübung von DHDn nib’öji miayi min bildeten den Zweck und Inhalt seines Lebens. Noch bis jum letzten Tage lag er dem Studium unserer heiligen Lehre ob und kannte, seinem früheren Berufe getreu, keine größere Freude, als Kinder in dieselbe einzuführen, wozu ihn die ihm eigene Milde und Güte ganz besonders befähigte. Und doch, wie konnte er auch in gerechter und edler Entrüstung aufbrausen, wenn es galt, für nsmpn un*nn einzutreten! Mit welcher Energie und sachlicher Begründung verstand er es, alle Angriffe, sofern sie gegen den \'l oder auch nur gegen jrUD gerichtet waren, abzuwehren, wenn durch Strömungen der Neuzeit auch ab und zu hier aus dem Lande Reformen beabsichtigt wurden. In dem theuren Heimgegangenen beweinen nicht nur dessen nächsten Verwandten den liebevollen Gatten und besorgten Vater, sondern unsere ganze Gemeinde, ja sogar die von Jehudim bewohnte Umgebung in ihm ihren geistigen Mittelpunkt und ihren religiösen Führer. .n"3SJr Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Während der Knecht mit geladenem Gewehr und die beiden Hunde an seiner Seite den Eingang zur Mühle bewachte, ging Louise gesenkten Hauptes in das Wohnzimmer zurück. Jetzt war sie mit ihrem Muth und ihrer Energie zu Ende; gebrochen ließ sie sich auf den Stuhl fallen und weinte, weinte bitterlich. Jeder größeren Aufregung folgt einem Naturgesetz nach die Reaktion und sehr oft wird alsdann das Gegentheil des Zustandes eintreten, den die Aufregung hervorgerufen hatte. So wird anstatt des Muthes die Verzagtheit sich einstellen, anstatt froher Hoffnung, die uns im Affeet die Brust schwellte, wird, wenn die Reaction eintritt, bange Verzweiflung in unser Herz einztehen. Als Benjaminn die Schüsse im Hofe hörte, sprang er erschrocken auf. Er wollte htnauseilen, aber seine Füße waren wie gelähmt; sein ganzer Körper zitterte und mit verhaltenem Athem horchte er auf den Lärm, der sich, nachdem die Schüsse gefallen waren, gelegt hatte und sich immer mehr entfernte. „Ums Himmels willen, Louise, was ist geschehen?" rief er ihr zu, aber cr erhielt keine Antwort. „So sprich doch, Louise! Sprich! Wer hat geschossen? Bist Du verwundet?" Wieder erhielt er keine Antwort und als er nun mit sanfter Gewalt ihr schönes Haupt emporhob, da blickte sie ihn unsäglich traurig an und tief betrübt sagte sie leise.- „Ich bin's gewesen, Benjamin, ich habe auf Menschen geschossen." „Und Du hast — einen Menschen — getödtet?" fragte Benjamin mit verzerrten Zügen. „Nein", antwortete Louise, während ein Seufzer der Erleichterung sich von ihren Lippen löste, „Gott har es gut geleitet." „Preis und Dank sei ihm dafür", entgegnete der Jude erleichtert. „Doch sprich, wie kam alles?" Louise erzählte Benjamin den Verlauf der Sache. Dieser hörte aufmerksam zu, und als sie geendet, sagte er: „Die Zeiten des finsteren Mittelalters kehren wieder. Das Faustrecht und der