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Der Israelit · 1893-08-07 · Heft 63 (7.8.1893) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 63 (7.8.1893)
Date
1893-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1210 ten Butter, die trotz aller gesetzlichen Strafen immer größere Dimensionen annimmt. Selbst die Gewissenhafteren unter uns glauben allen Anforderungen des Religtonsgesetzes genügt zu haben, wenn sie eine Butterprobe aus ihrer Bezugsquelle chemisch untersuchen laffen. Die meisten vertrauen blind dieser chemischen Analyse und haben keine Ahnung davon, daß bis zur Stunde noch kein Mittel existtrt, kleinere Quantitäten von Fett, die der Butter beigemischt sind, mit Sicherheit nachzuwetsen. Das Journal d'Agiculture Pratkque brachte kürzlich von dem Chemiker Baucherte einen lehrreichen Aufsatz über diesen Gegenstand, der auch in verschiedene deutsche Zeitungen übergegangen ist. Folgender Passus zeigt an der Hand statistischer Nachweise in wie großem Maßstabe die Butterfälschung in Frankreich betrieben wird. „Frankreich zählt 6,470,000 Milchkühe, die alljährlich ungefähr 110 Millionen Hektoliter Milch geben. Der Werth dieser Milchmenge wird auf 1600 Millionen Francs geschätzt. Diese Zahl ist aber zu hoch gegriffen; sie soll auf 1320 Millionen herabgesetzt werden. Dies entspricht einem Werth von 12 Francs für das Hektoliter, also 9,60 Mark, oder 9 ®/t0 Pfennig für das Liter. Der Verfasser nimmt weiter an, daß ein Drittel der Milch in frischem Zustande genossen und zwei Drittel verbuttert werden. Dies ergibt 440 Millionen Francs für die frische Milch und 880 Millionen für die Butter. Letztere Zahl ist gewiß ansehnlich; sie würde noch größer sein, wenn nicht seit 1884 die Einführung der Mischbutter dem Absatz der Naturbutter einen erheblichen Abbruch gethan hätte und der Preis für Kuhbutter dadurch nicht so außerordentlich gesunken wäre. In dem sehr bemerkenswerthen Bericht, welchen der Deputirte Guillemin Namens des eingesetzten Ausschusses in der Deputirtenkammer abgestattet hat, wird festgestellt, daß in der Zeit von 1884 bis 1892 der Preis der Naturbutter um 60 Centimes (50 Pfennig) auf bas Kilo gesunken ist. Dieser Preissturz macht auf die Jahreserzeugung von 440 Millionen Kilo (als Mindestes) einen Verlust von 252 Millionen Francs oder auf acht Jahre einen solchen von zwei Milliarden aus. Ist das nicht eine entsetzliche, aber nicht wegzuleugnende Zahl?!" Es werden dann die bereits getroffenen und zum Dheil noch zu treffenden Maßregeln gegen den Verlaus gefälschter Butter einer Besprechung unterzogen. Gegenwärtig liegt wiederum der französischen Nationalversammlung ein Entwurf über diesen Gegenstand vor, über welchen der Verfasser in folgender Weise urtheilt: „Es lohnt sich wirklich, etwas näher auf die Hauptbestimmungen des Entwurfs einzugehen, da dieser sich auch ganz besonders auf deutsche Verhältnisse mit Erfolg auwenden ließe. Der erste Absatz bestimmt, daß kein Erzeugniß als Butter zur Schau gestellt, feilgehalten oder verkauft werden darf, welches nicht ausschließlich aus Milch oder Milchrahm oder aus beiden zusammen gewonnen worden ist. Im zweiten Paragraph ist das Verbot ausgesprochen, Rahm oder Butter mit anderen Fetten zu mischen, welch' letztere aus unter Aufsicht stehenden Fabriken kommen. Drittens sollen Fabriken und Handlungen, die Margarine, Oleo-Margarine, Vegetaline, Lactine, Butyrine u. s. w. Herstellen, einer strengen Aussicht unterworfen werden. Die Form der Verpackung soll auf dem Verwaltungswege vorgeschrieben werden. Dann folgen für Uebertretungen Gesang nißstrafen von sechs Tagen bis zu zwei Jahren, Geldbußen von 100—5000 Franc. Ferner sollen alle Verurtheilungen mindestens in drei Zeitungen bekannt gemacht werden." Der Verfasser kommt nun zu dem Schluß, daß der Entwurf gewiß vorzüglich sei; aber feinen Zweck erreiche er nicht, selbst wenn er zum Gesetz erhoben werde. Dazu müßten eigentlich die Margarine-Fabriken unterdrückt werden. Ein Wunsch, welcher sich nie verwirklichen wird! Von besonderem Interesse ist, was hier über ein neues Verfahren zur Constatirung der Butterfälschung mttgetheilt wird: „In letzter Zeit scheint es nun einem jungen Chemiker, Brülle, gelungen zu sein, ein Verfahren zu ermitteln, das dein ganzen Mischbutterschwindel vielleicht ein jähes Ende bereiten könnte. Der junge Mann hat 90 Analysen nach seinem Verfahren vorgenommen, welche sich auf absichtlich ausgeführte Mischungen bezogen, die ihm ohne Angabe der Herkunft und unter Aufsicht überreicht wurden. Die Proben stammten aus 21 Departements. Die Butter war ursprünglich rein; Direktor Aubin und Boucherie versetzten sie dann mit 10—30 Prozent Margarine oder auch Pflanzenfetten. Der junge Chemiker fand aber alle Mischungen in kurzer Zeit heraus, lieber die Methode will Boucherie noch nichts veröffentlichen. Wenn es aber wahr ist, daß Brüll« an einem Tige 50 Untersuchungen mit großer Sicherheit ausführen kann, wenn ferner das Verfahren zur Kenntniß der „Naturbutter essen wollenden" Menschheit kommt, dann könnten sich ganz merkwürdige Dinge bezüglich der heutigen, in so vielen Läden feilgehaltenen „Bauernbutter" ereignen." So erfreulich es auch wäre, wenn sich diese Erfindung bewähren sollte, so wenig Hoffnung haben wir dafür. — Jedenfalls ist bis auf weiteres trotz aller legislatorischen Maßnahmen und trotz aller in Aussicht gestellten und angepriesenen Erfindungen, die größte Vorsicht und Zurückhaltung beim Genuß solcher Butter geboten, deren Reinheit nicht über jede Möglichkeit eines Zweifels erhaben ist. Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Frankfurt, a. M., 30. Juli. Am 17. d. wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der es verdient, in Ihrem geschätzten Blatte einen Nachruf zu erhalten. Es ist Herr Leopold Löb, der nun fast 50 Jahre das Amt eines Brot? verwaltete. In einem kleinen Orte im Odenwald als Aeltester von 12 Söhnen braver, aber armer Eltern geboren, sah er sich schon in früher Jugend genöthigt, einen Beruf zu wählen, der es ihm ermöglichte, seinen Eltern und jüngern Geschwistern eine Stütze zu sein. Er nahm daher die z. Z. vacante Stelle eines onw in Darmstadt an und fand in derselben, die unter Aufsicht des Herrn Rabb. Auerbach stand, Befriedigung. Als die Wiederherstellung einer geordneten nö*rw hier in Frankfurt durch Herrn Rabb. Hirsch ermöglicht wurde, berief man ihn zur Uebernahme dieses hochwichtigen Amtes. Er zeigte sich von vornherein als nnviv und

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