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Der Israelit · 1893-08-07 · Heft 63 (7.8.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 63 (7.8.1893)
Date
1893-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1208 „Laß mich fliehen, vor Israel, denn Gott streitet für sie gegen Egypten." In diesem Augenblick spricht Gott zu Moscheh und plötzlich stürzt die ganze Hintere Hälfte des tückischen Bodens mit der ganzen Last der fliehenden Egypter krachend in sein altes Bett hinunter. Das war ein Schlag. Nun aber verlor durch diesen Bodensturz, das auf ihm gethürmte Wasser seine Grundlage und stürzte nach, bedeckte und ertränkte die Hinuntergeschleuderten; dies war der zweite und letzte Schlag. Diese Doppelschläge sind in den beiden oben erwähnten Versen beschrieben. „Das Meer kehrte bei dem Anbruch des Morgens in seinen alten festen Stand — urm — zurück, und so stürzte denn Gott die Egypter ins Meer" (2. B. M., C. 14, V. 27.) „Das Wasser kehrte zurück" (V. 28); das war der natürliche Nachsturz der aufgethürmten Wassermassen. Nun sind auch die Ausdrücke des Gesanges D'3 m» und D'a non „er s chl eud erte sie ins Meer", erklärlich; denn zunächst stürzten die Egypter mit dem berstenden Meeresboden in die Tiefe hinab. Daher der nach der gewöhnlichen Auffassung des Wunders schwierige Ausdruck „die Erde verschlang sie", der bei einem gewöhnlichen Versinken in die Meeresfluthen nicht zutrifft. Hier aber wurden die mit dem Boden Htnabstürzenden, von den Erdmassen zerschmettert und darunter begraben. (Vrgl. Ps. 74.) V. 12, V. 14 und Habakuk C. 3, V. 13, 14.) Während aber die große Macht Gottes bei diesem Meerwnnder die hintere Bodenhälfte einstürzen ließ, ließ sie die vordere Hälfte, auf welcher sich noch Israel befand, stehen, damit es dort seinen Gesang singe. Das ist's, was der scheinbar unnöthig wiederholte Satz (II. B. M., 14, 29) andeutet: „Die Kinder Israels gingen immer noch im Trockenen mitten im Meere, zu ihrer Rechten und Linken bildete das Wasser immer noch eine Mauer." Als die Egypter schon ertrunken waren, stand immer noch ein Th eil der neuen Wunderbahn. Dies sagt auch der Ausdruck: „Du neigtest deine Hand" (ibiä. 15, 12), der veranschaulichen will: Nicht mit einemmale kehrtest Du, o Gott, Deine Hand um, mit der Du den Wunderboden hieltest. Du neigtest sie nur und ließest nur einen Theil des Bodens fallen. Denn 'isi mru, „Du führtest noch durch Deine Gnade das Volk, das Du erlöst hast." Damit erklärt sich auch die dunkle Ausdrucksweise im Gesänge: □’ ibi marin iN&p. Die Abgründe härteten sich im Herzen des Meeres. aV ist, wie aus Mischle, Cap. 30, V. 19 ersichtlich ist, die Oberfläche des Meeres, auf welcher die Schiffe sich bewegen. Die Abgründe nämlich, die sonst tief unten sind, waren jetzt gehärtet und zwar oben im Herzen des Meeres. Daß aber auch unsere Weisen das Wunder nach der hier beschriebenen Weise verstanden und die älteste Ueberlieferung es so mittheilte, dürfte folgende Stelle aus Aboth R. Nathan, Cap. 33 beweisen, welche lautet: "72 73 vysyi nbyob Dirby nsp Dinn .nyosr „DerAbgrund war nach oben geschwommen, damit Israel ohne Anstrengung hinüber kommen konnte." Nach dieser Darstellung braucht man sich nur in die Vorgänge, aus welchen sich das Wunder zusammensetzte, zu vertiefen, um ohne Schwierigkeit die zehn Wunder zu finden, die unsere Väter am Meere erlebten und die zehn Schläge, welche den Untergang der Egypter herbeiführten. Für ihre detaillirte Aufzählung müssen wir auf die Ausführungen des Wesel'schen Aboth-Commentars selber verweisen, wo dieselben aus dem Wortlaut der Thora in genialer Weise dargestellt werden. — Wir sind bei den Wundern etwas länger verweilt, weil sie, wie wenig andere Momente, den Grund und Boden bilden, auf welchem sich die ganze jüdische Lebensanschauung erhebt und erhält, trotz aller Erscheinungen und Erfahrungen, die sonst wohl geeignet wären, uns darin schwankend zu machen. Nicht umsonst haben die großen Ordner unseres täglichen Gebets dem Gedächtniß gerade dieser Gotteswunder eine so hervorragende Stelle eingeräumt. Früh und spät, ehe wir unser Tagewerk beginnen und wenn wir es schließen, werden wir, bevor wir mit den großen und kleinen Anliegen unseres täglichen Gebets vor den himmlischen Vater bittend htntrcten, auf den Beistand hingewiesen, den Gott unseren Vätern am Meeresstrande gewährt, um daraus Hoffnung und Zuversicht auch für alle unsere Lebenslagen zu schöpfen. obiyn nid nnx wnn« nmy, „Beistand unserer Väter warst Du von jeher, bist Schild und Helfer ihren Kindern nach ihnen in jedem und jedem Geschlecht. In der Höhe der Welt ist zwar Dein Thronen, aber Deine Gerichte und Dein Wohlthun reichen bis zu den Enden der Erde. Glücklich ist daher der Mann, der auf Deine Gebote hört und Deine Thora und Dem sie erläuterndes mündliches Wort sich zu Herzen nimmt. In Wahrheit bist Du der Herr Deinem Volke und der König, mächtig genug, ihren Streit zu führen. In Wahrheit bist Du der Erste und Du bist der letzte und außer Dir haben wir keinen König, Erlöser und Helfer. Aus Mtzrajim hast Du uns erlöst und aus der Sklavenheimath uns befreit, hast alle ihre Erstge-

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