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Der Israelit · 1893-08-03 · Heft 62 (3.8.1893) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 62 (3.8.1893)
Date
1893-08-03
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1205 silbernen Scheide, auf welchem die Worte gestanden haben: David. Sohn Jsays, O’ p in) ihr allgemeines Interesse. — Das Nissinl Buch schließt diese Erzählung mit den Worten: „Nun könnt Ihr sehen, was Raschi für ein großer Mann gewesen, fast ein halber Prophet. Gott soll uns die Fruchte seiner Gelehrsamkeit genießen lassen." Die Nabbk Juda-Ehasids Mauer. Der Fremde, der nach Worms tonimt, um die vorhandenen Denkmäler aus alter und neuer Zeit zu besichtigen, wird wohl auch nach der Judengasse gehen, um hier die Synagoge zu sehen. Gleich wird er aber auch nach der „eingedrückten Mauer" fragen, ob dieselbe noch vorhanden sei oder nicht. Diese ist allerdings noch vorhanden und das „Nissim- Buch" erzählt darüber folgendes. Eine brave, fromme Frau befand sich einst auf dem Wege zum Gottes- Hanse in dem engen Gäßchen nebenher Frauensynagoge. Sie hatte dasselbe noch nicht verlassen, als ein Wüterich mit seinem Wagen plötzlich in dasselbe einlenkte, um die arme Frau zu überfahren. Wütend trieb er seine Pferde auf die Unglückliche; totenblaß drängt sich diese an den kalten Stein. Schon empfiehlt sie in Todesangst ihre Seele dem Allsehenden, als plötzlich die Mauer zurückweichet und ihr Schutz gewährt vor der schrecklichen That. Wenige Monate nachher genas die Frau eines Knaben, welcher später unter dem Namen: Rabbi Jehude Hachosid (der Fromme) bekannt wurde. Der Sohn des B ü r g e r m e i st e r s. In Worms lebte ein von allen Bürgern hoch angesehener Mann, dessen Sohn jedoch dem Vater sehr unähnlich war und es immer darauf abgesehen hatte, auf dem Gange zur Schule und bei der Heimkehr die Juden durch Schimpfen und Steinewerfen zu belästigen. Man wußte allgemein, daß der Vater ein derartiges Benehmen seines Sohnes durchaus nicht billigte. Nachdem dieser aber seine rohe Handlungsweise nicht einstellte, gab man dem Vater davon Kenntnis, welcher nicht wenig erschrak. Doch als seine eindringlichsten Ermahnungen nichts nützten, machte der Vater dem Lehrer hiervon Anzeige, welcher den Jungen hart bestrafte. Die Strafe des Lehrers hatte scheinbar wohl den gewünschten Erfolg; aber es entwickelte sich gleichzeitig in dem Herzen des Jungen das Gefühl der Rache gegen die Juden, das sich mit jedem Tage steigerte. Als der Junge zu einem Studenten herangewachsen war, machte er einer Anzahl seiner Kollegen den Vorschlag, sich als Krieger zu verkleiden, Officiere zu ernennen, und in militärischer Ordnung den Weg zur Judengasse einzuschlagen. Gewiß wird man uns dort sehr freudig empfangen Wir laden die Juden ein, auf dem freien Platze zu erscheinen, um sich an unserem militärischen Schauspiele zu ergötzen. Sind sie nun, nichts Böses ahnend, alle erschienen, dann töten wir sie. Auf einen derartigen schlimmen Ausgang waren die übrigen Studenten nicht gefaßt und einstimmig gaben sie ihrem Freunde ihr Misfallen zu erkennen mit der hinzugefügten Bemerkung, daß ihnen nichts ferner liege, als unschuldiges Blut zu vergießen. Erst nach langem fortgesetzten Drängen entschlossen sie sich, den Freund nur dann in seinem fürchterlichen Plane zu unterstützen, wenn er als „Oberster des Regiments" die erste Mordthat vollbringe. Damit einverstanden, kaufte er sich sofort ein scharf geschliffenes Messer und mit flatternden Fahnen und klingendem Spiele setzte sich der Zug nach der Judengasse in Bewegung. Dadie Bewohner derselben nichts Schlimmes ahnten, eilten sie alle herbei. Doch kaum waren sie auf dem freien Platze erschienen, als plötzlich der „Oberst" sein Messer hervorholt und dasselbe auf den ihm nächststehenden Juden zückt. Da ward ihm plötzlich schwach, so daß er das Messer sinken ließ und selbst zur Erde fiel. Die Juden eilten herbei und nicht achtend, wer er sei, und was er zu thun beabsichtigte, kamen sie ihm zu Hülfe, eilten zur Apotheke und pflegten ihn so lange, bis er sich wieder erholt hatte. Der Wiedergenesene freute sich, daß Gottes Fügung ihn von der Ausführung einer so schrecklichen That fern gehalten hatte. Mit dem Gelöbnis im Herzen, diese edle That der Juden nie zu vergessen, schied er aus der Gaffe. Und was er in seinem Innern feierlich gelobt, hat er als Ehrenmann gewissenhaft gehalten. Nicht nur so lange als sein Vater noch lebte, sondern auch als dieser gestorben und er als dessen Nachfolger wirkte; immer zeigte er sich, seinem Versprechen treu, als aufrichtiger Freund der Juden. Der Name der Stadt „Worms" und der Schlüssel in ihrem Wappen. Zur Zeit, als Worms noch eine sehr große Stadt gewesen, lagerte einst ein aus der Wüste entflohener Lindwurm vor ihren Mauern. Er wird beschrieben: 2 Füße, von hinten aussehend wie ein Wurm, sein Rachen spie Feuer und hatte 2 Reihen großer und spitzer Zähne. Seine Augen waren glühenden Kohlen gleich. Schon sein Bild, das außen an der Münze auf dem Marktplatze angebracht war, erregte Schrecken, noch viel mehr aber erregten ihn die Verheerungen, die er an Menschen und Vieh, an Häusern und Feldern angerichtet hatte. Alle Versuche, dies Ungeheuer zu töten, waren vergeblich. Große Furcht bemächtigte sich der Bewohner von Worms. Um das Wüten des

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