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Der Israelit · 1893-08-03 · Heft 62 (3.8.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 62 (3.8.1893)
Date
1893-08-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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den Colonisten einen besseren Schutz als Zelte, als zerrissene Zelte, gegen die Unbilden der Witterung bieten zu können. Die nun schon so lange Zeit erlittenen Strapazen und Entbehrungen, welchen unsere Colonisten seit ihrer Flucht aus Rußland, während der langen Ueberfahrt, während ihres Aufenthaltes im Jmmigranten-Hötel in Buenos Ayres con-- tinuirlich ausgesetzt waren, zu welchen schließlich ihre jetzige Lage in Mauricio anzureihen ist, mußten unbedingt die Gesundheit selbst der kräftigsten Leute untergraben und stellten sich die traurigen Folgen auch bald ein. Diphteritis mit epidemischem Character brach aus! Kein Arzt, keine Apotheke! Nun war an Arbeit nicht zu denken, es mußte vor allem Hilfe gebracht werden. Dr. Löwenthal in Buenos-Aires konnte uns keinen Arzt hinausschicken, da die Aerzte der Stadt viel Beschäftigung haben und keiner seine Praxis aufgeben wollte. Wir fuhren selbst nach „Nueve de Julio" und es gelang unseren Bemühungen, Herrn Dr. West, Stadt-Intendant und Deputirter der Provinz zu dem Entschluß zu bringen, mit uns nach Mauricio zu kommen. Hier gingen wir von Zelt zu Zelt, da in fast allen Zelten Kranke lagen und notirten die Anweisungen, die Dr. West verordnete. Die Medicamente wurden aus „Nueve de Julio" geholt und die Anwesenheit eines Arztes, wenn auch nur eine kurze, denn Dr. West mußte noch denselben Tag zurück, brachte einigen Trost in die verzweifelten und aufgeregten Gemüther. Aber die Hilfe, die ein Arzt Patienten, welche so der Kälte und Nässe preisgegeben sind, zu bringen vermag, kann keinen anderen Erfolg als einen moralischen aufweisen. Wir können nicht umhin, an dieser Stelle Herrn Ingenieur Terracini ein Denkmal zu setzen. Bom frühesten Morgen bis spät in die Nacht, ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit, ging er von Krankenlager zu Krankenlager, gab den kranken Kindern die Medikamente selbst ein, applizirtc Umschläge, pinselte Hals und Rachen der Dyphteritis-Kranken, brachte stärkende Getränke, gab selbst seine Matratze und seine letzte Decke, — kurz, wo die Noth am größten, wo die Gefahr ihren Höhepunkt erreicht, war Terracini ein unermüdlicher Helfer. Unter den Kindern grassirte die Dyphteritis und schon waren Fälle von Typhus unter den Erwachsenen vorgekommen. Glücklicherweise blieben die Typhus-Fälle vereinzelt. Es kann aber noch als wirkliches Wunder Gottes angesehen werden, daß es nicht noch schlimmer kam. Die Zelte waren auf durchtränktem Boden aufgeschlagen worden; ganz Mauricio stand ja in Folge des anhaltenden Regens beinahe unter Wasser, alles Material, das in solchen Fällen als Unterlage verwendet werden könnte, wie Bretter, Heu rc. war bis dahin auf der Colonie noch nicht vorhanden und hölzerne Feldbetten, welche die Centrale auf unseren Wunsch nach Mauricio schickte, waren nur in ungenügender Zahl eingetroffen, so daß viele nur durch eine Decke sich gegen die Nässe von unten schützen konnten, in vielen Fällen in Folge der durchlöcherten Zelte auch der Nässe von oben; ausgesetzt waren und in feuchter, kalter Luft sich aufhalten mußten. Nach und nach besserte sich die Situation in so ferne daß genügend Zelte eingetroffen waren, um allen Familien den nothweiidigen R um geben zu können; auch die schlechten Zelte konnten gegen gute ausgetauscht werden und waren auch schließlich Feldbetten und wollene Decken in genügender Z '.hl angelangt. Allzufrüh war in Mauricio ein Friedhof erforderlich geworden. Noch war kein Spatenstich zum Wohnhaus für die Lebenden gethan und und der erste Spatenstich in Mauricio galt der Grabstätte für einen Todten. Auf der Colonie durfte kein Friedhof angelegt werden, bevor nicht hierzu die Erlaubnitz der argentinischen Behörden eingeholt war. Solche Erlaubniß kann nur auf schriftlichem Wege eingeholt werden und es vergehen gewöhnlich Monate, bevor argentinische Behörden selbst dringendste Angelegenheiten erledigen. Die Leiche hätte nach der nächsten Stadt Nueve de Julio gebracht werden müssen. In Nueve de Julio existirt kein jüdischer Friedhof. Glücklicher Weise gelang es uns, Dr. West (Stadt- Intendant) zu überzeugen, daß das Ueberführen der Todten nach Nuev de Julio das religiöse Gefühl der Colonisten sehr verletzen würde und er gestattete uns, einen Friedhof in Mauricio anzulegen, indem er persönlich der Provinzial- Regierung gegenüber die Verantwortung übernahm. Ebenso gelang es uns auch, Dr. West zu bewegen 2 Mal wöchentlich nach Mauricio zu kommen und den Kranken ärztliche Hilfe zu leisten. Wir Unterzeichneten einen diesbezüglichen Vertrag für die Dauer eines Jahres und bewilligten Dr. West ein monatliches Honorar von 200 Dollar Papier. (Forisetzung folgt.) ZeituugSrrachrichterr und Correfpoudenze«. Rußland. In Kiev mußten sämmtliche jüdische Commis die Stadt verlassen, weil sie von ihren Brüdern, Kaufleuteu erster Gilde, nicht mehr beschäftigt werden können. (Der jüdische Kaufmann erster Gilde, der ungestört in Kiev sein Handel treiben kann, darf laut einem Befehle nur einen jüdischen Commis beschäftigen.) Die armen Ausgewtesenen, deren Zahl in die Hunderte steigt, konnten nicht einmal ihre Reisekosten bestreiten und waren auf die Güte ihrer Glaubensgenossen angewiesen. Es bildete sich schnell ein Hilfs-Comitö, an dessen Spitze der bekannte Privatdoceut der Kiever Universität, H rr Dr. Mandelstamm, stand und in kurzer Zeit wurde eine Summe von 11,000 Mark gesammelt, welche gleich darauf unter den Ausgewiesenen vertheilt wurde. In der Nähe von Odessa liegt das Dorf Klein-Ltebeuthal, welches seiner prachtvollen Umge-

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