Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 62 (3.8.1893)
- Date
- 1893-08-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1193 düng wegen im Sommer sehr stark besucht wird. Dem Oberpolizeimeistcr konnte es nicht gefallen, daß auch Juden dieses Dorf aufsuchten und verordnete deßhalb: Sämmtliche Juden, auch die dort seither wohnenden müssen schnell den Platz räumen. In Sarotow konnte sich beinahe von Neuem ein neuer Blutskandal abspielen. Es verbreitete sich plötzlich die Nachricht, die Juden hätten auf der offenen Straße einen kleinen Knaben aus den Armen eines Mädchens mit Gewalt geraubt und seien damit verschwunden. Der rohe Pöbel sammelte sich schnell mit dem Rufe: „Nieder mit den Juden" um die jüdischen Häuser und eine kurze Züt schwebten die Juden in Gefahr. Dank den Bemühungen der Polizei stellte sich bald heraus, daß der Entführer des Kindes kein Anderer, als der Vater des Knaben war. Durch die Verbannung der Juden aus Batum gerieth der Handel dort in Stockung. Mehrere russische Kaufleute beabsichtigen nächstens die Stadt zu verlassen. Im Dorfe Matasou spielte sich unlängst eine schreckliche Scene ab. Der Jude B., Dachdecker, beschäftigte einige Bauern. Sonnabend am Tage kamen letztere, ihren Lohn zu fordern. B. machte sie auf die Heiligkeit des Tages aufmerksam und ersuchte sie, Abends wiederzukommen. Die Bauern gingen darauf nicht ein und metzelten den Inden nebst Frau und Kindern nieder. Die Mörder haben auch das christliche Dienstmädchen, welches beim Juden in Stellung war, nicht geschont und es ebenfalls getödtet. Sämmtliche Mörder wurden gleich von der Polizei verhaftet. In Jckuts ist eine neue Berg-Akademie eröffnet worden, in deren Statuten es ausdrücklich heißt: Die Akademie dürfen alle in Rußland Wohnenden besuchen, mit Ausnahme — von Juden. Veritas. -£• vermischtes. -4- Wormö Vor wenigen Tagen fand dahier die 50 jährige Jubelfeier des cvangel. Dekans statt. Zahlreiche Deputationen stellten sich bei ihm ein, unter anderem auch eine solche der städtischen Schule, geführt vom schulinspector Scherer, welcher auch aus einstimmigen Beschluß der Konferenz Lehrer Rothschild angehärle. Berlin, 27. Juli. Ueber die Bewegung der deutschen Bevölkerung besonders nach den Bekenntnissen, im Zeitraum 1871 bis 1890 enthält die Zeitschrift des königlich bayerischen statistischen Bureaus bemerkenswerthe Angaben. „Untersucht man", so heißt es da, „in welcher Stärke die einzelnen Religions-Genossenschaften an der Gesammt-Bevölkerung in den beiden Zählungsjahren 1871 und 1890 theilnahmen, so findet man als Ergebnitz für das ganze Reich bei den Evangelischen eine Zunahme von 0,5 v. H.. und bei den anderen Christen eine solche von <',1 v. H., wahrend bei den Katholiken und Israeliten eine Abnahme, und zwar bei den ersteren um 0,5 v. H. und bei den letzteren um 0,1 v. H. sich zeigt. Bei den einzeliren Staaten tritt dagegen fast > durchweg die Erscheinung au Zaqc, daß die numerisch kleinere Religions-Genossenschaft aus Kosten der vorherrschenden Religion von 1871 bis 1890 zugenommen hat. So verlieren die Katholiken in den vorwiegend katholischen Staaten: Elsaß-Lothringen 3,2 v. H, Baden 2,5 v. H. und Bayern 0,5 v- H. an die Evangelischen. Diese dagegen in den überwiegend evangelischen Staaten: Bremen 2,3 v. H., Braunschweig 2,1 v. H., Sachsen 1,8 v. H.. Reuß ält. L. 1.5 v. H., Heffen und Anhalt je 1, 4 v. H,. Altenburg 1,3 v. H., Coburg-Gotha 1,0 v. H., Lippe 0,9 v. H., Preußen 0,8 v. H. an die Katholiken. Eine Ausnahme machen nur Oldenburg, wo die in der Minderzahl befindlichen Katholiken 0,6 v. H. verlieren, Hamburg, wo sich eine Zunahme der Ka tholiken und der Evangelischen auf Kosten der Israeliten findet, die 1,2 v. H. verlieren, und Meiningen, wo sich ebenfalls eine Zunahme der Katholiken wie der Evangelischen zu Uttgunsten der sonstigen Religionen zeigt." Berlin. Nach dem soeben erschienenen statistischen Jahrbuch des deutschen Reiches für 1893 war nach dem Religionsbekenntniß 1890 unter 10,000 ortsanwesenden Personen 6277 Evangelische, 3576 Katholische, 26 sonstige Christen, 115 Israeliten und 2,7 anderer Religion oder ohne Angabe. Im Jahre 1880 war das Berhältuiß 6263 Evangelische, 3589 Katholiken, l 7 sonstige Christen, 124 Israeliten und 6.8 anderer Religion oder ohne Angabe der Religion. Hiernach hat sich die Zahl der Israeliten nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, verhältnißmäßig vermehrt, sondern vermindert. Aus Bayern. Am 3. Ab verstarb in Unteraltertheim R. Mosche Bravmann im Alter von nahezu 89 Jahren. Wenn nach den Worten unserer heil. Schrift die herrliche Krone des Greisenalters »lur auf dem Wege der Frömmigkeit gefunden wird, so trifft dieses Wort bei dem nyin pHä im vollsten Sinne zu. Sein ganzes Leben war eine fortlaufende Kette von Frömmigkeit und Edelsinn. Seine liebste Beschäftigung war Thorastudium und die Kenntnisse, die er sich in npsji rWC Hö’r als Privatmann erworben, sind das beste Zeugniß dafür, wie er sich bestrebte, in der Thora Tag und Nacht zu forschen. Aber er lernte nicht nur, er lehrte auch. Jeden Sabbat hielt er einen Schiuc für die Gemeinde ab, worin er in lehrreicher Weise aus die tiefen Gedanken des Gotteswortes hinwies und seine Zuhörer zu dessen Befolgung ermahnte, Noch im höchsten Grcisenalter war seine Lieblingsbeschäftigung, seine Enkel in min zu unterrichten. Sowie er für min lebte und wirkte, so ward auch mny in feinem Leben bethätigt. Er versäumte weder früh, noch spät den öffentlichen Gottesdienst und versah 40 Jahre lang unentgeltlich den Vorbeterdienst an den □'£' wo er durch seine verständnißvolle und herzgewinnende Vor.'ragsweise die Beter in Andacht und heilige Stinnnung zu versetzen verstand. In gleicher Weise war der Lrelige aber auch bestrebt, non niP’EJ zu üben und den Armen in echt jüdischer Art stützend und tröstend zur Seite zu stehen. Ganz besonders reichlich spendete er zu jeder Zeit für die Armen des heiligen Landes. Daß der Hingang eines solchen Frommen für die Familie und für die Gemeinde ein schwerer Verlust ist, davon gab die große Betheilignng an der Leichenbestattung glänzendes Zeugniß. War doch Jeder von dem Gedanken durchdrungen, daß „mit dem Scheiden des p'lL aus dem Orte auch der Glanz und die Zierde des Ortes schwindet." Diesem Gedanken gaben auch der Schwiegersohn des Verblichenen 7"', Herr Lehrer Fleischmann in Bödigheim, sowie seine Enkel die Herren Lehrer Bravmann in Königshofen, Fuchs in Messelhausen und Herr Lehrer Neumann in Altertheim in rührender Weise sinnigen Ausdruck. Möge sein Andenken stets in Ehren gehalten werden bei allen denen, die Gelegenheit hatten, seinen frommen Sinn und sein wohlthätiges Wirken zu würdigen. J DiDH PP21