Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 62 (3.8.1893)
- Date
- 1893-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1184 Land grenzenden arabischen Meerbusens nicht unbekannt sein. Die Bewohner der Meeresküste kennen die Stunde und Minute, mit der jene Veränderung beginnt und endet. Wir übergehen eine Reihe anderer Bedenken, um einige Reiseberichte hier folgen zu lassen. Sicard, der 1716 den arabischen Meerbusen besuchte. schließt in seinen Nouvtzaux N6moir68, Th. III, S. 1—85, eine sehr ausführliche Beschreibung des Gegenstandes mit den Worten: „Wenn man die Worte des Textes sim biblischen Bericht) durch verkehrte und erdichtete Erklärung verdreht, so will man sich gern selbst betrügen und seiner eigenen Einsicht entgegenhandeln. Zur Schande unseres Jahrhunderts fand ich mich verpflichtet, so viel über diese Materie zu sagen, die in der ganzen Welt so berühmt ist, daß Diodor sagt (Buch III, § 40), sie sei unter den barbarischsten und entferntesten Nationen bekannt und angenommen!" „Man betrügt sich gar sehr", sagt Niebuhr auf Grund eigener Anschauung der Oertlichkeit, „wenn man glaubt, daß der Durchgang einer so großen Karawane auf bloß natürliche Weise habe geschehen können u. s. w. Er führt die Worte von I. D. Michaelis an: „Daß Moses nicht durch menschliche Klugheit die Austroänung habe vorhersehen können, daß sie ein Werk der Vorsehung war, daß, seitdem wir Geschichte haben, eine Entblößung des Meerbodens noch nicht ein einzigesmal geschehen, daß sie im höchsten Grade übernatürlich und eben ein so starker Beweis der göttlichen Sendung Moses, als irgend ein anderes Wunder war." Der große Reisende fügt nun hinzu, „daß er nach allen angestellten eigenen Betrachtungen nicht anders als eben dieser Meinung sein könne." Aber selbst an der Hand der Forschungsresutate jener Gelehrten bietet der Thoratext in seinem Wortlaut noch wesentliche Schwierigkeiten, als deren wesentlichsten Rabbi Herz Wesel folgende besonders hervorhebt: 1) Welchen Zweck hatte die auch bei Josua (C. 24, B. 7) mit Nachdruck betonte Finsterniß, welche nach (II. B. M., C. 14, B. 19, 20) den Vorgang begleitete. Geschah cs, daß die Egypter Israel nicht erreichen sollten? Zu solcher Scheidewand durfte doch die Feuersäule viel geeigneter gewesen sein, wo die Egypter Israel wohl hätte sehen können und doch die Möglichkeit der Erreichung ausgeschlossen war. 2) Das Hauptwunder ist doch unstreitig in den Worten dargestestellt: nmr6 D*n ns am a»an „Er machte das Meer zum trocknen Land und das Wasser wurde gespalten." Da nun aber die Austrocknung erst eine Folge der Meeresspaltung sein konnte, hätte die Darstellung umgekehrt lauten sollen. Auch hätten wir überhaupt eher die aktive Form o'vn wie cm ns ar>i erwartet: Die leidende Form scheint ja die Spaltung nicht als unmittelbare Wirkung Gottes, sondern als eine natürliche, notwendige Folge einer vorangegangenen Ursache als das eigentliche Wunder anzunehmen. In der That wird der Sturm und das Austrocknen durch die Ausdrücke ‘n *1^1 und D’n ns ottri Gott unmittelbar zugeschrieben, obwohl es sich dabet doch nicht um ungewöhnliche Erscheinungen handelt. Das Spalten des Meeres hingegen, eine doch beispiellose Erscheinung wird, nur als Folge und gleichsam als Appendix in demPasstvum dargestellt. 3) Welchen Zweck hatte der mächtige Sturmwind bei dem ganzen Vorgang? Etwa zur Theilung der Wassermassen? Dies hätte dann aber doch ausdrücklich gesagt sein müssen. 4) Wie kam es, daß die Egypter nicht schon am Marsche merkten, daß sie vom Lande in eine immer tiefer sich erstreckende Fläche kamen? Sie mußten ja, wenn sie auch kein Wasser sahen, schon an ihrem Gange empfinden, daß sie in tiefe Abgründe Hinabstiegen. 5) Das Hineingehen ins Meer nennt die heilige Sprache ein Hinuntersteigen vj»; in unserer Begebenheit dagegen gebraucht sie die ganze eigene Redensart: ins Meer kommen, geraden Wegs darauf hingelangen do wo? Sie gebraucht zwar in dem Gesang am Meere den Ausdruck: in die Fluthen hinabsteigen ht; das bezeichnet jedoch nicht das Hineinkommen ins Meer — das doch bet beiden Lagern der Fall war — sondern das Ertrinken der Egypter. 6) Nachdem bereits II. B. M., C. 14, V. 27) gesagt ist, daß die Egypter ins Meer gekommen waren, wozu dann der Zusatz: Der Herr stürzte die Eüypler ins Meer hinab? Kann man Jemand ins Meer stürzen, der bereits unten ist? 7) Dieselbe Schwierigkeit haben zwei aufeinander folgende ganze Verse, die beide eines und dasselbe zu erzählen schienen. Der erstere II. B. M., 14, 27 sagt: „Es kehrte das Meer zurück und der Herr stürzte die Egypter ins Meer hinunter". Der andere — ibid V. 28. — „Es kehrte das Wasser zurück und bedeckte u. s. w. Waren die Egypter schon im Meere ertrunken, welches Wasser konnte dann zurückkehren oder von welcher Wirkung konnte ein zweites Gewässer auf die bereits ertrunkenen Egypter sein? Zwar gebraucht der erste Satz das Wort Meer und der andere den AusdruckWa ss er, aber diese Verschiedenheit bedarf selbst der Erklärung. Der dortige Zusatz: die Egypter, welche hinter