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Der Israelit · 1893-07-31 · Heft 61 (31.7.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 61 (31.7.1893)
Date
1893-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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11-4 „Wir nicht, der Jude muß ins Zuchthaus; er hat das Kind gemordet und soll der gerechten Strafe nicht entgehen", riefen die ärgsten Schreier und wollten an dem Pfarrer und an dem Bürgermeister vorbei auf das Haus des Juden zustürzen. Hätten sie ihr Vorhaben ausgeführt, wer wüßte, wie es dem ahnungslosen Opfer einer schmachvollen Verleumdung ergangen wäre; sie hätten sein Haus sicher niedergebrannt und ihn und die Seinen erschlagen.' So stellten sich ihnen jedoch Männer entgegen, welche kraft ihres Amtes und ihrer Persönlichkeit den Strom der Leidenschaften zu hemmen vermochten. „Halt!" rief jetzt der Bürgermeister; „im Namen des Gesetzes; der Missethäter soll seiner Strafe nicht entgehen; meine Pflicht ist es, den Verbrecher, falls es einen solchen gibt, zu verhaften und zur Anzeige zu bringen." „Wer klagt den Juden Benjamin an und wessen beschuldigt man ihn?" Auf diese Frage erfolgte ein unverständliches Geheul, aus dem der Bürgermeister nichts entnehmen konnte. „Ruhe!" rief er mit gewaltiger Stimme in den Lärm hinein; „wer etwas zu sagen hat, trete vor, daß ich ihn hören und erkennen kann." Aber es trat keiner vor, trotzdem der Bürgermeister seine Aufforderung noch zweimal wiederholte. Als sich Niemand meldete, sprach der Bürgermeister : „So fordere ich Euch auf, ruhig nach Hanse zu gehen und mache Euch verantwortlich für alles Ungesetzliche, was Ihr begeht." Ein Theil der Bauern entfernte sich nach diesen Worten, während einige Taglöhner murrend stehen blieben und die sich Entfernenden verhöhnten. Da forderte sie der Bürgermeister zum zwettenmale aus und auch der Pfarrer bat die Aufgeregten, doch der Obrigkeit Vertrauen zu schenken und der Gerechtigkeit nicht vorzugreifen. Ihre Worte verhallten ungehört. Höhnisch lachend liefen sie an den Herren vorbei, in's Dorf hinein. Doch gerade als sie in die Hauptstraße einbogen, kam eine Patrouille Gensdarmen, welche auf ihrem Rundgange begriffen war. Als der Bürgermeister ihrer ansichtig wurde, sagte er: „Gottlob für heute Nacht sind wir geborgen." Die Gensdarmen waren rechtzeitig erschienen, um Uebles zu verhüten. Der Bürgermeister thetlte ihnen das Verschwinden des Kindes mit und den Verlauf des Auftrittes, welcher durch ihr unvermuthetes Erscheinen beendet worden war, alsdann führte er sie in das Haus Benjamins, um daffelbe gründlichsi zu durchsuchen. Als Benjamin den Bürgermeister in der Begleitung von Gensdarmen ein treten sah, erschrack er sehr; er fühlte sich keines Unrechtes schuldig, aber immerhin war es ihm unangenehm, Polizeiorgane dienstlich in seinem Hause zu sehen, und daß sie im Dienste erschienen seien, hatte ihni der Bürgermeister beim Eintritte sofort mitgetheilt. Nachdem Benjamin den eigentlichen Zweck des Erscheinens der Gensdarmen erfahren, athmete er hoch auf und als der Bürgermeister ihm die schreckliche Anklage, welche man gegen ihn ausgesprochen hatte, wiederholte, wurde er kreidebleich. Er trat auf die Männer zu und sagte: „O, wie danke ich Euch, daß Ihr gekommen seid, um mich von diesem schändlichen Verdacht zu reinigen; denn nur die allergewissenhafteste Untersuchung kann den häßlichen Fleck weniger schlimm machen als er ist. Durchsuchet alles, was mir gehört^_(Fortsetzung folgt.) Woche» - Kalender. Freitag, 4. August, 22. Ab. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 30 Min. (LI. E. Z.) Samstag, 5. August, 23. Ab. troß ,3py Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr — Min. (Ll. E. Z.) i Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Mau abonnkrt ganz- -I jährig, halbjährig oder vierteljährig. 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Inhalt der Peilage: Leitender Artikel: Die Kolonien des Baron Hirsch. Von Lucien Gerbei (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Eger. Kolin. — Schweiz: Luzern. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerci-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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