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Der Israelit · 1893-07-31 · Heft 61 (31.7.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 61 (31.7.1893)
Date
1893-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1172 Aeizte in hiesiger Stadt. Durch verschiedene medizische Werke ist sein Name in fachwiffenschaftlichen Kreisen weithin berühmt. Besonderes Lob erwarb er sich in den Jahren 1848—52, als die Cholera bei uns viele Opfer forderte. Er meldete sich als freiwilliger Arzt für das Krankenhaus, wo seine Aufopferung und unermüdliche Thätigkeit die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Herr Dr. Nathansohn begnügte sich aber nicht mit seinem Berufe, seine freie Zeit widmete er den Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen, und seit zwe undzwanzig Jahren steht er an der Spitze unserer Gemeinde. Die Existenz der meisten hiesigen wohlthätigen Anstalten haben wir ihm zu verdanken. Auch die unübertroffene Handweikerschule für jüdische Knaben, in welcher Hunderte von Knaben sich jährlich zu verschiedenen Handwerken ausbilden, wurde auf seine Veranlassung gebaut. An dem Fest nahmen auch die Professoren der hiesigen Universität Prof. Baranowsky, Kanitz, Kosinsky rc. Theil. Sämmtliche polnische Zeitungen widmeten dem Jubilar Leitartikel zu dieser Gelegenheitsfeier. In dem jüdischen Waisenhause für Mädchen, deffen Gründerin die wohlthättge Frau Baumann ist, wurde diese Woche eine öffentliche Prüfung abgehalten. Sämmtliche Zöglinge, 100 an der Zahl, welche in zwei Klassen getheilt sind, zeigten großen Fleiß nnd Erfolg in allen den dort unterrichteten Gegenständen. Besonders zeichneten sie sich in der Kenntniß der Bibel und der Religion aus. Frau Baumann ist zugleich die Gründerin einer Privat-Handwerkerschule für jüdische Knaben, welche in drei Klassen zerfällt. Die Kosten für Honorar der Lehrer, Unterstützung der armen Schüler werden aus ihrer Tasche gedeckt. Auch in dieser Schule ist der Unterricht ein musterhafter. Den Knaben wird hier die Möglichkeit geboten, sich eine Elementarbildung anzueignen und dabei eine Arbeit, die sie später redlich ernähren wird, zu erlernen. Ein jeder Schüler, der die Schule nach abgelegter Prüfung mit einem Zeugniß verläßt, kann sich leicht in Rußland eine Existenz verschaffen. Für die Ferien-Kolonien sind vorläufig 70 arme Kinder von der Gemeinde abgeschickt worden. Nächste Woche sollen die übrigen, die eine Erholung nöthig haben, auf's Land befördert werden. Diese Woche verstarb in Kutno der berühmte Rabbi Jsrael-Jehoschua, der zu den hervorragendsten Rabbinen dieser Zeit gehörte. 30 Rabbinen aus den benachbarten Städten, darunter die Rabbiner aus Lodz, Tschenstochou, Kaltsch, Petrokou re., welche zur Beerdigung kamen, hielten der Reihe nach Leichenreden ab. Sämmtliche Einwohner der Stadt verließen ihre Geschäfte, die Läden wurden geschloffen, um den geliebten Rabbiner nach dem Friedhof zu begleiten. Mehr als 10,000 Personen nahmen an dem Leichenzug Theil. Wie weit der Tod des Rabbi Jsrael-Jehoschua Aufsehen in Kutno erregte und wie groß die Hochachtung der Christen, die zahlreich zur Beerdigung erschienen, für den Verstorbenen war, können wir daraus entnehmen, daß der General die 150 jüdischen Soldaten der Garnison einige Stunden vom Dienste befreite, daiiitt ftc dem Rabbiner das letzte Geleit geben, Berit as. Vermischtes. -4- Berlin, 18. Juli. Bei der schulstatistischen Erhebung vom 25. Mai 1891 sind auch über das Herkommen der Volksschul-Lehrer und Lehrerinnen in Preußen Erhebungen angestellt worden. Danach sind 104 jüdische Lehrer Söhne von Gewerbetreibenden, 157 von Vertretern des Handels, 62 von Lehrern und Cultusbeamten. Unter den jüdischen Lehrerinnen stammen 40 aus den Kreisen, welche ihren Erwerb auf Handel und Verkehr gründen, 10 von Lehrern; 3 haben Väter ohne Beruf. Lemberg. 16. Juli. Bei einem Brande, welcher vorgestern die Stadt Husyatin heimsuchte, ist auch die Synagoge zerstört worden. Fürth, 12. Juli. Bei ber heutigen Abstimmung der Wahlmänner für den bayerischen Landtag wurde Herr Kommerzienrath Maison, der den Wahlkreis München 1 seit 1887 vertritt, als Abgeordneter wiedergewählt. Für Nürnberg-Altdorf wurde der Journalist Herr Gabriel Löwenstein neugewählt. ES sitzen sonach zwei Israeliten im bayerischen Landtag. Der antisemitische Rechtsanwalt Hertwig ist in seiner Eigenschaft als Reserve-Offizier vom Kriegsgericht wegen Verweigerung des Gehorsams zu drei Monaten Festungshaft oerurtheilt worden. Hertwig war von dem Bezirkskommando zur Berichterstattung über die Breslauer Spielaffaire aufgefordert worden, ließ die Aufforderung aber unbeantwortet. Feuilleton, > Die drei Kronen, Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Während so Benjamin feurige Kohlen auf dem Haupte seines Feindes sich sammeln ließ, bereitete Bosheit und Tücke einen Anschlag vor, der, obschon nicht neu in der Idee, doch regelmäßig, die, gegen welche er gerichtet war, erheblich verwundete. Wir haben gehört, daß ein Kind, welches sich Rahel besonders angeschloffen hatte, und welches fast vollständig von ihr ernährt und gekleidet wurde, oft im Hause Benjamins war; sogar des Nachts hatte es daselbst schon verbracht. Die Eltern wußten, daß das Kind im Hause des Juden gut aufgehoben sei und kümmerten sich deßhalb wenig um dasselbe. Eines Tages fehlte das Kind. Weder bei Benjamin noch im Hause der Eltern war es zu finden; das ganze Dorf wurde durchsucht, vergeblich; das

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