Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1893)
- Date
- 1893-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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den Dorfgemeinden Rumäniens verbietenden Gesetzes mit um so größerem und um so strengerem Pflichteifer auch solchen israelitischen Familien gegenüber durchgeführt, gegen deren Aufenthalt in den ihnen bereits zur Heimath gewordenen Landgemeinden bisher keine Einwendungen erhoben worden waren. Frankreich. Paris. In der Straße Cadet wird bis zu den hohen Feiertagen eine neue Synagoge cingeweiht und soll darin der Gottesdienst in ganz herkömmlicher Form ohne Chor und Musik abgehalten werden. Die Kosten werden durch freiwillige Gaben gedeckt. Holland. Holland. Professor Asser ist zum Mitgliede des Staatsrathes ernannt, eine bislang einem Juden in Holland noch nicht zuerkannte Würde. Der Genannte war Rath im auswärtigen Amte und während 30 Jahre Professor an der Universität Amsterdam, er ist als hervorragender scharfsinniger Jurist bekannt. Rotterdam, 23. Juli. Eine Anzahl israelitischer Kapitalisten in Amsterdam und Rotterdam haben den Plan ausgenommen, die Nordseeinsel Schiermonnikoog, die gegenwärtig durch den Eigner, einem Haager Advokaten, für 300,000 Gulden feil geboten wird, anzukaufen und dort aus Rußland ausgewanderte Glaubensgenossen anzustedeln. Rußland. Petersburg. Der „Wilensky Wjestnik" bringt eine Correspendenz aus Grodno, welche die sonstigen Hetzereien und Beschuldigungen dieses Blattes gegen die Juden Lügen bestraft. War es ein Uebersehen der Redaction, oder wandelte sie plötzlich die Lust an, auch einmal der Wahrheit die Ehre zu geben — gleichviel! die Grodnoer Correspondenz schildert wahrheitsgetreu die traurigen Zustände, unter denen die jüdischen „Ausbeuter" in ihrem „rechtmäßigen Ansässigkeitsgebiete" ihr kümmerliches Dasein fristen; sie bemerkt u. A.: „Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, womit ernährt sich denn eigentlich die größere Hälfte der städtischen Bevölkerung, welche doch jeglicher bestimmten Existenzmittel entbehrt? Wie bescheiden das Budget ihrer Ausgaben und auf welches niedrigste Maß alle ihre Lebensansprüche herabgedrückt sein mögen, so oder anders müssen sie doch ihr nacktes Dasein fristen und unterhalten können! ... Ich kenne persönlich einige hundert Familien, deren Monalsverdienfte im Durchschnitte 4, sage vier Rubel beträgt. Um nun diese Zahl in ihrer ganzen verhängnißvollen Bedeutung begreifen und würdigen zu können, muß man wissen, daß die große Mehrzahl dieser Familien aus je 5 und 6 Köpfen besteht. Ich will aber mit Vorbedacht die kleinere Zahl für richtig annehmen und jene Familien aus nur je vier Personen bestehen lassen. Ich dividire also 4 durch 4 und erhalte so je einen Rubel pro Kopf und Monat. Wissen Sie, was das besagen will? Nein, Sie wissen es nicht, und Ihre Leser wissen es auch nicht. Aber, für anderhalb Pfund schlecht gebackenes schwarzes Brot, womit 4 bis 6 Personen sich täglich ernähren sollen, muß man bet uns 13/2 und selbst 2 Kopeken bezahlen; bleiben somit höchstens 40 Kopeken monatlich für Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Beschuhung und alle sonstigen Bedürfnisse übrig. Die Leute haben aber außerdem die Miethe zu bezahlen und — Steuern zu entrichten! .... Die Bevölkerung Grodnos soll ans 40,000 Seelen bestehen. Ich sage absichtlich „soll"; denn diese Zahl ist die officiell geltende. In der Wirklichkeit haben wir in Grodno eine Gesammtbevölkerung von mehr als 50.000 Seelen. Unter diesen mögen sich etwa 10,000 Nichtjuden befinden, welche Ziffer sicherlich das Maximum bedeutet. Diesen gehören zusammen 609 Häuser, was einen Hauseigenthümer auf 16^ Personen der nichtjüdischen Bevölkerung ergibt. Jüdische Hausbesitzer finden wirmit insgesammt 1229, was unter Zugrundelegung der officiellen Zählung von 30,000 Juden ein Haus erst auf 24,4 Personen ergibt. Bon der christlichen Bevölkerung finden wir über 5000 Personen mit bestimmter Beschäftigung: sie sind Militärs, Lehrer, Beamte, Handelsgehilfen und selbstständige Kaufleute. Dagegen zählt man bei den Juden: 102 Groß-Kaufleute, 412 Kleinhändler, Agenten, Commissionäre und Vermittler aller Art — zusammen etwa 1000. Dazu kommen etwa 3000 Handwerker, Fabriksarbeiter und Religionslehrer. Das heißt Alles in Allem haben etwa 5000 Personen der jüdischen Stadtbevölkerung eine bestimmte Beschäftigung, die ihnen wenigstens die knappsten Mittel zum Lebensunterhalt sichert. Womit ernähren sich aber die übrigen 25,000 Juden? Es gibt daraus nur Eine Antwort, und diese muß doch einmal öffentlich und laut ausgesprochen werden. Die jüdischen Massen unterscheiden sich wesentlich von den russischen Bauernmaffen dadurch, daß sie nicht bloß chronisch, sondern beständig hungern. Wer da skeptisch den Kopf schüttelt, der komme nur zu uns nach Grodno: er wird Wunder und Zeichen sehen." — Warschau Herr Dr. Ludwig Nathans o n, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, feierte jüngst sein Doktor-Jubiläum, an welchem sämmtliche Einwohner der Stadt, ohne Unterschied der Religion, Theil nahmen. Jubilar^wurde in Warschau 1822 geboren, studirte Medizin und ist einer deliebtesten