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Der Israelit · 1893-07-31 · Heft 61 (31.7.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 61 (31.7.1893)
Date
1893-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1168 tragen, daß die Sehnsucht allein in ihm den Wunsch nach Nachkommenschaft weckte, welche das geistige Vätererbe immer mehr und mehr zum Gemeingut der ganzen Menschheit machen konnte, daß endlich dies allein der Sinn des Segens ist, den Abraham und seine Nachkommen allen Familien der Erde bringen sollte, so wird auch das seinen Nachkommen auf fremdem Boden wartende Geschick in anderem Lichte erscheinen. Dann hat vielleicht Abraham nie eine trostreichere Zusicherung erhalten, als die in den Worten “jyn: rvrv -u *a ynn yn* ausgesprochene. Abraham empfindet es schmerzlich, daß er allein die Gottessache auf Erden vertritt, daß ihm nur ein Knecht, aber nicht sein eigen Fletsch und Blut dabei zur Seite stehe, daß er die Kinder, die ihm Gott verheißen, noch nicht besitzt, und daß sie ihm vielleicht zu einer Zeit erst gewährt werden, in der er sie nicht mehr als Gottesherolde erziehen kann, und Gott versichert den Ahn des israelitischen Volkes, daß es ihm noch so voll und ganz gelingen werde, seinen Geist seinen Nachkommen zu vererben, daß man sie als Fremde behandeln wird, weil sie die treuen Saatträger seiner Gesinnung sein werden. Ein Knecht wird nicht der Erbe, der Erbe wird ein Knecht, wird von dem Lebensvorsatz durchdrungen sein, dem Dienste Gottes sein ganzes Dasein zu weihen. Wahrlich die Art und Weise wie Abraham und seine von gleichem Geiste beseelten Nachkommen die Prüfungen Gottes Hinnahmen und ihnen gerecht wurden, steht so wunderbar einzig da, daß sie von dem Wunder der gottgetragenen Führung und Erhaltung dieser Geprüften kaum übertroffen wird. Die Wunder Gottes hören auf.wunderbar zu sein, wenn sie in dem Leben von Menschen zur Anwendung kommen, die sie durch Ueberwindung der schwersten Hindernisse durch das Bestehen der härtesten Prüfungen in so glänzender Weise verdienten. Die Weisen machen gelegentlich der letzten und härtesten Prüfung der Opferbindung Jsaks, auf diesen Zusammenhang zwischen den Prüfungen Abrahams und den Wundern besonders aufmerksam, die seinen Nachkommen am Meere erfuhren. '31 D»3 »Dl1 13 'Lp yp3’l ror nbiy ’sy ira* oma« ypa» my'pa 'J na»a *idn -»Di* D'ön iypan no«J» Vn-isp' ya yrH crn ypan^ iro na-pro iro nma« nVn na ny ”6 ’:n .na’Vn naan no'p na» b ]ny Dipcn bt< "jbn opn „Er spaltete die Holzstücke für das Emporopfer." Rabbi Chija, der Sohn Rabbi Jose's sagte im Namen des Rabbi Mascha: Als Lohn für die zwei Streiche, mit welchen Abraham unser Vater, die Holzstücke für das Emporopfer spaltete, erwirkte er das Verdienst, daß sich vor den Kindern Israels das Meer spaltete. Denn so ist hier gesagt: „Er spaltete die Holzstücke" und dort: „Es spaltete sich das Wasser." Dazu bemerkt Rabbi Levi: Du hast hiermit (das in Betracht kommende) genügend betont. Aber (es muß noch bemerkt werden) Abraham handelte seiner Kraft entsprechend und der Heilige, gesegnet sei er, Seiner Kraft entsprechend. Von Abraham ist gesagt: „Er machte sich auf und ging an den Ort, den ihm Gott gesagt hattees wurde ihm ein Lohn für das Sichaufraffen und ein Lohn für das Gehen gegeben." (Midrasch Rabbr P. Wajera.) Wir haben bereits bei anderer Gelegenheit an dieser Stelle hervorgehoben, daß es nicht die Bereitwilligkeit Abrahams an und für sich war, Gott sein einziges Kind selbst in den Tod zu führen, welches die Akeda zu einer durch alle Zeiten von der Moriahöhe leuchtenden Musterthat macht. Welcher Sterbliche würde sich auch dem ausdrücklichen Verlangen des Herrn über Leben und Tod entzogen haben, wenn er etwas verlangt, das er uns ja auch gegen unseren Willen reden Augenblick nehmen kann? Dazu hätte es nicht eines Charakters von der Art Abrahams bedurft. Aber so gewiß auch Jeder sich diesem Verlangen Gottes gefügt hätte, so gewiß hätten es die Meisten nur zögernd, zaudernd und widerwillig vollzogen. Abraham war freudig, glücklich, durch eine solche That seinen unbedingten, rückhaltlosen Gehorsam, seine keine Grenze kennende Gotteslieb: zu bekunden. Abraham mit dem weichen, edlen Herzen, der sich mit dem blutenden Gottessiegel an seinem greisen Körper dem glühenden Sonnenbrand der Wüste aussetzt, um fremde Gäste zu erspähen und sie gastlich aufzunehmen, Abraham, der selbst für gottgertchtete Sünder ein Herz sich bewahrt und fürbittend bei Gott für sie einzutreten wagt, der für seinen gefährdeten Brudersohn den Kampf mit Königen und Völkern aufntmmt, die ihm wett an Macht überlegen waren, Abraham muß mit größerer Innigkeit als sonst ein Vater an seinem einzigen Kinde gehangen haben. Ist es nun nicht ein wirkliches, leibhaftiges Wunder, wenn dieser weise, edle, gute Mann plötzlich vor dem Gebote Gottes jede Regung der Menschlichkeit, des Mitgefühls, selbst der Vaterliebe verliert und mit unbeugsamer Härte sich glücklich schätzt, sein Kind zu fesseln und dem Tode zu überantworten? Und verdient eine solche wunderbare Hingebung nicht das wunderbare Eingreifen Gottes in das Lebensgeschick solcher Menschen? Ist es ein größeres Wunder, wenn das Meer seinen gewöhnlichen Lauf verläßt und ihm widersprechende Bahnen einschlägt, als wenn alles menschliche Denken, Wollen und Fühlen die Schranken durchbricht, innerhalb welches es sich sonst bewegt

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