Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1893)
- Date
- 1893-07-27
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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TaT Sehreiben des Herrn Dr. E. Cohen in Jerusalem an den Herausgeber. Jerusalem, 18. Siwan 5653. Geehrter Herr Rabbiner! Im Besitze Ihres werthen Briefes vom 26. Jjar, beeile ich mich, Euer Ehrwürden meinen und meines löbl. Vorstandes innigsten Dank für die Theilnahme auszusprechen, die Euer Ehrw. unserer Anstalt beweisen und für die Zukunft versprechen. Den besten Dank mögen aber Euer Ehrw. in der Genugthuung finden, durch Unterstützung dieser so segensreich wirkenden Anstalt eine wahrhaft grosse Mizwah zu üben. In der That ist diese Anstalt, die in Bescheidenheit nnd ohne viel Lärm zu machen, eine ihr hier unvergleichbare Wohlthätigkeit entfaltet, der wärmsten Theilnahme würdig, da sie einzig in ihrer Art hier ist, indem sie die einzige ist, welche, ohne jede besondere Rücksichtnahme auf Nationalität und Ritus, allen Israeliten und ganz unentgeltlich offen steht. Durch diese beiden Umstände ist das allgemeine Hospital UtPö* allein in der Lage den, übrigens von allen hiesigen Anstalten angegebenen und in erste Reihe gestellten Zweck zu erreichen: nämlich gegen die reiche Mission zu kämpfen. Denken Sich Euer Ehrw. einen armen Jehudi, der fast ausschliesslich von der „Chalukah“ lebt, in der Nothlage, in ein Spital einzutreten. Dem blieb bis jetzt nur die Wahl, entweder in das jüdische Spital "□^in Tlp3// zu gehen und 2—4 Frs. per Woche zu zahlen, was in 5—6 Wochen den grössten Theil seiner „Chalukah“ ausmacht, oder in’s Missions-Spital zu gehen. Das Rothschilds che Spital ist zu weit ausserhalb der Stadt gelegen, so dass die Einwohner innerhalb der Ringmauer sich um die Aufnahme in dasselbe gar nicht bewerben können. In einer solchen Nothlage, in welcher sich die meisten der hiesigen Kranken befinden, hilft kein Mahnwort, kein Appell an ihr jüdisches Gefühl. Die einzige Hilfe war die, ihnen einen entsprechenden Ersatz für das Missions-Spital zu bieten. Dieses Ziel hat sich das allgemeine Hospital gestellt und verfolgt dasselbe mit einer des höchsten Lobes würdigen Energie. Bei uns wird keine Rücksicht genommen auf den Ritus, und sobald der Arzt es für nöthig findet und Platz vorhanden ist, wird der Kranke ohne Umstände aufgenommen, ohne dass, wie in anderen Anstalten hier üblich, der Arzt erst den Kranken zu Hause besuchen muss und sich die Visite ziemlich theuer bezahlen lässt. Euer Ehrw. werden daher begreifen, wie gross der Andrang zu unserer Anstalt ist, so gross, dass wir leider täglich gezwungen sind, vielen, sehr vielen armseligen Kranken die Aufnahme zu verweigern. Ohnmächtig, diesem Uebel auf die richtigste Weise abzuhelfen, nämlich durch Vermehrung der Zahl der Betten, hat der löbl. Vorstand wenigstens noch einen, und zwar jüdischen Arzt angestellt, der diejenigen Kranken, die nicht in’s Spital aufgenommen werden können, in deren Wohnungen unentgeltlich besucht und denen die Medicamente gleichfalls gratis geliefert werden. Aber auch dazu hatte der Vorstand kein Geld, bis ich mich entschloss, gegen die denkbar geringste Honorirung dieses Amt zu übernehmen. In diesem Monate, der der erste meiner diesbezüglichen Thätigkeit ist, habe ich 64 solcher Visiten gemacht. Durch meine Anstellung ist auch für die ambulanten Kranken mehr gesorgt. Während bisher nur 3 Mal, wird jetzt 6 Mal in der Woche unentgeltliche Konsultation abgehalten, und auch hier wsrden die Medicamente zum grössten Theil gratis geliefert. Leider aber bleibt das grösste Bedürfnis« unerfüllt: die Vermehrung der Zahl der Betten. Und doch ist für die hiesigen Kranken, die in ihren elenden Wohnungen allen möglichen Entbehrungen ausgesetzt sind, und in den denkbar ungünstigsten hygienischen Verhältnissen leben, die S p i t a 1 - Behandlung die einzig wohlthuende und rationelle. Was kann aber unsere Anstalt mehr leisten bei einem Einkommen von ca. 10,000 Frs. jährlich, das übrigens nur in milden Gaben fast ausschliesslich seitens der Spanisch redenden Juden in der Türkei besteht, von welchem noch eine beim Verein in London contrahirte Schuld von 800 Lst. in Raten getilgt werden muss. Euer Ehrw. würden Sich daher ein grosses Verdienst erwerben, wenn Sie diese Anstalt den geschätzten Lesern Ihrer Blätter warm an s Herz legen wollten. In Hochachtung und Dankbarkeit Dr. E. Cohen, Arzt am allgemeinen Hospital "*p? DJttfC.,, Fünfter Jahresbericht des Palästinensischen Hilfsvereins "|V¥ [j Im abgelaufenen Jahre haben wir unsere Bestrebungen zur Unterstützung der arbeitsliebenden Bevölkerung Palästinas in seitheriger Weise fortgesetzt. Welche Summe von Arbeit