Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1893)
- Date
- 1893-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1152 am Grabe einen warmen, tiefempfundenen Nachruf hielt. Rußland. Petersburg. Endlich ist es der jüdischen Gemeinde zu Petersburg gelungen, den Bau der Synagoge, welcher seit Jahren aus Mangel an Geld unterbrochen wurde, zu vollenden. Hierdurch wird jetzt den wenigen Glaubensgenossen, die eine Erlaubniß zum Aufenthalte in der Hauptstadt haben und in den verschiedenen Stadttheilen zerstreut sind, die Möglichkeit gegeben, an den Sabbat- und Feiertagen zusammen beten zu können. Alle Privatsynagogen, die aus Noth bis jetzt existtrten, werden laut einem Befehle geschlossen. Die Einrichtung der neuen Synagoge entspricht allen Wünschen und Forderungen der Frommen. Und so hat jetzt auch Petersburg ein jüdisches Gotteshaus, welches durch seinen Bau und seine Architektur zu den schönsten Gebäuden unserer Hauptstadt gezählt. Besonderes Verdienst um den Bau haben sich der unlängst verstorbene Ahron Kaufman Baron Ginzburg und noch einige Andere erworben, welche kein Geld und keine Mühe scheuten, um die Synagoge zur Vollendung zu bringen. Laut der Mtttheilung verschiedener Zeitungen beschlossen viele bemittelte jüdische Einwohner der Stadt Jagur (Gouver. Podolien) dieselbe binnen Kurzem zu verlassen und nach Amerika zu übrrstedeln. Ihr einziges Ziel ist in Amerika Ackerbauer zu werden. Zu diesem Zwecke haben sie einen Sachkundigen nach Amerika abgeschickt, um für sie Land zur Anlegung einer Kolonie anzukaufen. In Borison, Gouver. Minsk, ist unlängst eine Schwefelfabrik durch die Herren S a l o m o n und Hirsch mann eröffnet worden. In derselben sind 900 Juden als Arbeiter beschäftigt. — Die Bauern Dtnus und Sagurski, welche im vorigen Jahre an der Plünderung der Juden in Lodz theilnahmen, wurden vom Gericht zu 4 Jahren Zuchthaus und zur Verbannung nach Sibirien verunheilt. Eine kurze, aber doch nicht uninteressante Statistik veröffentlicht die Zeitung „Kraj". Im Gouver. Kowno befinden sich 1,612,600 Seelen, darunter 313,417 Juden. In diesem Gouver. stnd 5 jüdische Krankenhäuser. Die meisten Aerzte sind Israeliten, darunter vier jüdische Frauen, welche glänzend ihre Prüfungen an der Universität zu Petersburg abgelegt und jetzt große Praxis haben. Die Zahl der jüdischen Schüler, die speciell christliche Schulen besuchen, reicht bis 2280. Veritas. Frankreich. Paris, 25. Juli. Das Civilgericht ordnete die Stellung des Marquis Mores (Antisemitenhäuptlings) unter Kuratel an. Der Antrag war von dessen Vater gestellt. P a l ä st i n a. Hebron. Unser Oberrabblner Simon Menaseh Cheikin ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Er versah das hiesige Rabbinat an fünfzig Jahren und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit seitens sämmtlicher Gemeindemitglieder, rraajn Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Es ist ein eigenthümltches Gefühl, welches den Zuschauer erfaßt, wenn er, am Ufer stehend dem Treiben zuschaut, welches an Bord und in der Nähe eines in den nächsten Stunden absegelnden Auswandererschiffes herrscht. Große, pechschwarze Rauchwolken entquellen dem riesigen Schlot; zischend strömt der Dampf aus den Ventilen; in Schweiß gebadet stehen die Heizer halbnackt vor den zahlreichen Feuerftellen und werfen immer mehr Kohlen in den glühenden Rachen des schwimmenden Ungethüms. Die Matrosen und Packmeister verstauen jetzt das Handgepäck der Auswanderer, die sich nur schweren Herzens von ihrem Eigenthume trennen können und mit traurigen Blicken noch lange nach der Richtung sehen, in welcher die armselige Habe verpackt worden. Da kommt ein Stewart und weist einem Cajütenpassagier seine Cajüte an, der brummend von derselben Besitz nimmt; dort sucht ein altes Mütterchen den Kapitän und da es ihn nun endlich gefunden hat, fragt sie mit ängstlich besorgter Miene, ob das Schiff auch ganz sicher sei, ob es auch kein verborgenes Leck habe und als sie der Capitän lächelnd, ob ihrer Besorgnisse beruhigt, ermahnt sie ihn ganz treuherzig, doch ja genügend Kohlen mitzunehmen, daß an demselben kein Mangel eintrete und das Schiff nicht zu sehr zu belasten, damit es nicht sinke. Nun kommen die gelben Postwagen und Karren angerasselt und die Postsäcke werden in die dazu bestimmten Räume gebracht und diese verschlossen. Mit thränenden Augen geht hier ein Elternpaar mit dem einzigen Sohne auf und ab, die kurze Zeit bis zur Abreise noch zur letzten Aussprache zu benützen, denn bald liegt ein Weltmeer zwischen ihnen und ihrem Kinde und es ist fraglich, ob sie ihren einzigen Sohn je Wiedersehen. Warum bleibt er auch nicht zu Hauses Heimath, Liebe und Vaterland ist ihm nichts; ihn drängts in die Ferne; die Wissenschaft, der er sich geweiht, treibt ihn fort. Und jene armen, hohlwangigen Ge-