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Der Israelit · 1893-07-27 · Heft 60 (27.7.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 60 (27.7.1893)
Date
1893-07-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1150 günstigsten Heilfaktoren. Schwächliche Kinder erholen sich hier überraschend schnell. Wir haben reichlich Gelegenheit gehabt, ai. den Quellen und in den Promenaden die Kurgäste zu beobachten; nach Aeußerungen, die uns außerhalb des Kurorts in Stadt und Land zu Ohren gekommen waren, glaubten wir, vorwiegend Personen begegnen zu müssen, dte schon durch ihr Aussehen abschreckten. Wir können versichern, daß man hier nicht mehr Leute in bezeichneter Art findet, als in irgend einem anderen Bade; wir möchten auch weiter darauf hin» weisen, daß nach von uns bei auswärtigen, ganz objektiv urtheilenden Aerzten, eingezogenen Erkundigungen, die Furcht vor der Ansteckung, wie sie besonders die Choleraepidemie in Hamburg be- und gestärkt hat, vollkommen sinnlos ist. Wir haben gar keine Interesse daran abzuleugnen, daß auch Schwerkranke Soden aufsuchen, aber deren Zahl wird alljährlich kleiner, da Praxis und Mode jene Schwerkranken in geschlossenen Heilanstalten, wie z. B. Falkenstein dirigiren. Jnteressiren dürfte in Bezug auf die gesundheitlichen Verhältnisse, daß laut amtlichen Ermittlungen — von 1571 Einwohnern, 160 Personen 51—60, 47 61—70,76 71—80 und 15 Personen über 80 Jahre alt waren. Während in Preußen im Allgemeinen nur 0,8°/o ein höheres Alter als 80 Jahre erreichten, waren es im Kreis Höchst 5,8°/0. Die allgemeinen Kur-Einrichtungen stimmen mit denjenigen anderer Badeorten gleicher Ausdehnung durchweg überein. Auch eine jüdische Restauration, die von Stern, ist am Platze. *) Bemerkenswerth sind diejenigen Anstalten, welche cs auch den Unbemittelten ermöglichen, der Heilwirkung der Quellen und des Klimas theilhaftig zu werden. Da ist die von Kommerzienrath Reiß 1856 gegründete Kuranstalt „Bethesda" zu erwähnen, welche von Herrn Sanitätsrath Dr. Thile aus geleitet wird und Kranken ohne Unterschied der Konfession Aufnahme gewährt. 18 Patienten können Unterkunft und Pflege finden. Von besonderem Interesse für die Leser des „Israelit" ist zweifelsohne die „Israelitische Kuranstalt", der unser Besuch in erster Linie aalt. Das Haus liegt in einem überaus gesunden Theile Sodens, hat 10 Zimmer mit 14 Betten und gewährt nur weiblichen Kranken Unterkunft; nach Süden liegt der geräumige von Baron Wilh. v. Rothschild gestiftete Speisesaal nebst Veranda und Küche. Ein großer, schön angelegter und sorgfältig gepflegter Garten vervollständigt die Anlage, *) Auf die Fabrikation der berühmten Fay'sche S o d ener Pastillen, die erstere wir ebenfalls in Augenschein genommen haben, werden wir mit Anderem in einem späteren Briefe zurückkommen. welcher von hochherzigen Glaubensgenossen geschaffen worden ist. Außer den weiblichen Patienten finden auch männliche sorgfältige Verpflegung und ärztliche Behandlung. Erstere liegt in den Händen des Fräulein Beith, sie versteht in energischer, aber für Alle in gleich liebevoller Weise für das physische Gedeihen der Patienten zu sorgen. Die Ernährung ist die denkbar rationellste. Angenehm fällt die außerordentliche Reinlichkeit und Ordnung auf, welche aufrecht zu erhalten bei einer jeweiligen Frequenz von 50—60 Personen, zumal für eine Dame keine Kleinigkeit ist. Dte ärztliche Leitung der Anstalt hat Herr Dr. Henry Hughes inne, der zweimal täglich in der Anstalt erscheint, um Neuangekommene zu untersuchen, die Anordnungen für sie zu treffen und die weiteren Maßnahmen für die übrigen Patienten unter weitgehendster Berücksichtigung ihrer Individualität zu treffen. Die Heilerfolge sind denn auch in den letzten Jahren recht erfreuliche gewesen. — Es mag für diejenigen, welche zu den Gründern der Anstalt gehören und alljährlich die für deren Unterhaltung norhwendige, recht bedeutende Summe aufbringen, ein erhebendes Gefühl sein, zu sehen, wie erfreulich die Erfolge sind, die unter ihrer Mithilfe errungen werden. Die Nähe Frankfurts gewährt die Möglichkeit, daß Mitglieder des Vorstands mehrmals wöchentlich die Leitung der Anstalt controlliren. Freilich gewährt die Anstalt selbst nur wenigen Patienten Raum; selbst von den weiblichen muß ein großer Thetl in benachbarten Häusern untergebracht werden. Die männlichen Patienten wohnen sämmtlich außerhalb der Anstalt. Es liegt hier nichts näher, als die Frage: Sollte unter unseren Glaubensgenossen, die stets bereit sind, das Elend ihrer Mitmenschen zu mildern, nicht ein weiterer Fond aufgebracht werden können, um dem alljährlich größer werdenden Andrang von Heilbedürftigen einigermaßen Rechnung tragen zu können? Wir wissen nicht, ob nicht etwa schon eine Vergrößerung geplant ist, aber wir zweifeln nicht, daß sie nur eine Frage der Zeit ist und daß es unseren Glaubensgenossen in einer Zeit, wo die Wogen des Judenhasses so hoch gehen, ein doppelt erhebendes Gefühl sein muß, zu zeigen, daß all die Anfeindungen den Juden ihren Edelsinn nicht nur nicht verringern, sondern nur noch erhöhen werden. Greffen. Der Professor der Mathematik, Dr. Moritz Pas aus Budapest, ist zum Rektor der Universität Gießen gewählt und durch ein großherzogliches Decret in dieser Würde bestätigt worden. Diese Mittheilung ist insoferne von Interesse, als Pas Jude und Gießen zum zweitenmal durch

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