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Der Israelit · 1893-07-27 · Heft 60 (27.7.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 60 (27.7.1893)
Date
1893-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1149 wenn Noth und Elend in allen Gestalten an sie herantreten. Sie haben Zetten hinter sich, in welchen thierische Rohheit in ihr reines, gottgetragenes Familienleben eingriff, sie haben den Kampf mit allen Mächtigen der Erde nicht gescheut und alle Schrecken und Prüfungen, die über sie hingegangen, haben sich nicht so stark als der Funke abrahamitischer Gottesliebe erwiesen, welcher von der leuchtenden Ahnengestall in die Geister und Gemüther der zu ihrem Vater aufblickenden Kinder fällt. Dieselbe nächtliche Erscheinung, wie sie dem Stammvater wurde, als dasselbe düstere Nachtstück muß denen, die in seinem Geiste weiterleben und darauf ihr Haus gründen, das Loos ihrer Kinder erscheinen. Man wird sie drücken, man wird sie knechten alle Jahrhunderte hindurch, man wird sie ausschließen von den Gütern der Erde, von den Rechten der Menschen, man wird ihr Leben verkümmern, man wird die Entfaltung ihrer Kräfte und Fähigkeiten unterdrücken — das wissen die Eltern, die ihre Kinder als treue Abrahamssöhne erziehen, das wissen die Kinder, die von der Hand der Eltern das alte Vätererbe hinnehmen — und sie bestehen glänzend die schwere, einzige Prüfung, welche jeden Athemzug zu einem Opfer und die langen, langen Jahrhunderte zu einem einzigen, unvergleichlichen Martyrium macht. Sie führen dennoch jedes neugeborene männliche Kind in den alten Abrahamsbund, wie es vor 4000 Jahren der Ahn gethan, sie thun es nicht schmerzerfüllt und seufzend, sie freuen sich dessen und prägen bei heiterem Festmahl den Pfändern ihrer Liebe das blutige Bundessiegel auf! Wahrlich, das Beispiel des Ahns hat ihnen nicht umsonst vorangeleuchtet, sie dürfen sich ohne Ueberhebung zu den Erwählten zählen, von welchen Asaphs Lied singt, daß sie den Bund mit Gott bei heiterem Festmahl schließen. (Psalm 50, V. 5.) Auch die höchste und letzte Prüfung fehlt nicht, die Opferbringung des eigenen Kindes, wenn es der Wille Gottes verlangt. Dieser Wille Gottes und seine unverkürzte Erfüllung erschwert das Leben, den Verkehr, die Carriöre, die Zukunft der Kinder, macht ihnen hundert Dinge, die den Leichtsinnigen von selbst zufallen, unmöglich und bedroht so die Existenz. — Nicht umsonst leuchtet das Beispiel von der Moria-Höhe durch alle Zeiten hindurch. Es gibt keine Zeit, keinen Vater und keinen Sohn, von welchen Gott nicht dasselbe Opfer verlangte und erst die Weise, wie diesem Verlangen unsererseits entsprochen wird, entscheidet darüber, , ob wir würdige Enkel unserer großen Ahnen sind. * Wie schwer, wie dornenvoll die Nachahmung dieses Beispiels, das Bestehen solcher Prüfungen ist, darüber gibt sich kein jüdischer Vater, kein jüdischer Sohn einer Täuschung hin. Und wenn sie dennoch alle Hindernisse überwinden, so ist es, ihnen vielleicht selber unbewußt, das Gedächtniß der Väter und das Verdienst der Väter, das ihnen zur Seite steht, dann ist es wax oma« bm inan, die Gottesltebe unseres Vaters Abraham, dessen Prüfungen uns mitgetheilt werden, damit uns das Beispiel des Ahns zu derselben begeisterten Liebe anspornt, mit ungebeugter Heiterkeit alles zu ertragen, was uns Gottes erziehende, liebevolle Fürsorge an Ernstem und Herbem in unseren Lebenskelch mischt. (Fortsetzung folgt.) ZeitangSrrachrichteu und Gorrefpoudeuzeu. Deutschland. Sode« am Taunus. (Badebrief.) Sodens Ruf ist so alt und anerkannt, daß man annehmen sollte, die Kenntnisse über seine Lage und nicht zum Mindesten über seine Heilwirkungen seien im Publikum allgemein verbreitet. Dies scheint indeß nicht der Fall zu sein und wir glauben deßhalb, den Lesern dieses Blattes einen Dienst zu erweisen, wenn wir die Wahrnehmungen, die wir gemacht, die Eindrücke, die wir empfangen, hier kurz wiedergeben. Bad Soden, 150 M. über dem Meer, an der südlichen Abdachung des Taunus gelegen, zeichnet sich durch eine geschützte Lage aus, gehört zu den schönsten Partien des Taunus und bietet reichlich Gelegenheit zu kleineren und größeren Ausflügen in die waldreiche Umgebung. Wir erinnern hier nur an Cronberg, wo die Kaiserin Friedrich bekanntlich ihre Sommerresidenz errichtet hat. Es überrascht, einen solchen Reichthum von Quellen verschiedener Art an einem so kleinen Fleckchen Erde zu finden. 24 Quellen, von welchen 7 zum Trinken, Gurgeln und Jnhaltren, 2 ausschließlich zum Baden verwendet werden, dienen der leidenden Menschheit. Die Temperatur der Quellen schwankt zwischen 15—30 Grad Celsius und der Gehalt an festen Bestandthetlen zwischen ,/4 und 1/2 °/0. Die Zusammensetzung ist eine äußerst günstige und bei vollständigem Mangel an schädlichen Mineralsalzen sind die Quellen selbst von seltener Reinheit. Auf die Zusammensetzung näher einzugehen, ist hier nicht der Ort, wohl aber auf die Indikationen, zumal leider vielfach die irrige Meinung verbreitet ist, daß in Soden lediglich solche Personen Heilung oder Besserung finden können, welche mit Krankheiten der Lunge behaftet sind. Das ist aber nicht der Fall: Für viele Krankheiten gilt Soden als Specifikum. Außer Herzleiden finden ganz besonders Krankheiten an Vcrdauungsorganen, sowie Frauenleiden hier die

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