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Der Israelit · 1893-07-27 · Heft 60 (27.7.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 60 (27.7.1893)
Date
1893-07-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1148 der ganzen Menschheit auswählt, mit ihm einen besondern, alle Geschlechter umspannenden Bund schließt, der sich auch auf seine Nachkommen erstreckt und sie zum „auserwählten Volke" macht. In dieser Erwählung liegt keine ungerechte Bevorzugung Einzelner, und eine Zurücksetzung der übrigen Menschheit. Sie ist eine durch beispiellose Hingebung an den Willen Gottes, durch eine mächtig flammende Liebe zu Gott, wohlverdiente. Das sollten die Prüfungen „unseres Vaters" Abrahams der ganzen Welt constatiren, und das haben sie auch gethan. Deßhalb wird hier und überall Abraham unser Vater angeführt, um das Bewußtsein lebendig zu halten, daß es rvos mm, das Verdienst der Väter ist, dem wir unsere Ausnahmsstellung verdanken, und daß wir sie nur daun verdienen, wenn wir würdige Kinder dieses unseres Vaters sind. — Unzählig sind die Aussprüche unseres heiligen Schriftthums, die immer wieder auf den Bund Israels mit Gott Hinweisen, den er — den Vätern zugeschworen, weil sie ihm in so beispielloser Weise anhingen und Gut und Blut, Ehre und Familtenglück, die alles, woran das Menschenherz nur hängt, freudig Hingaben, um den Willen Gottes zu erfüllen. pi nn -new ^31 psn D’Dtc'n 'vwi ü’D^n 's 'r6 p Dm Dmnw Dynn nron onw nnns^ 'n pwn .nn dvo D’oyn „Siehe, Gott gehört der Himmel und der Himmel Himmel, die Erde und alles was auf ihr ist, aber nur an deinen Vätern hatte Gott Wohlgefallen sie zu lieben und erwählte ihre Nachkommen, die ihnen nachwandeln, Euch aus allen Völkern wie bis auf diesen Tag." (V. B. M., C. 10, V. 14. 15.) Deßhalb sandte Gott seine Prüfungen, und deßhalb sendet er sie noch. Es sind nicht die Schlechten, die Besten sind es, die er prüft, wie der Lehrer, bei der öffentlichen Prüfung, nicht die schlechten, sondern die guten Schüler am liebsten und am meisten prüft. Auch hier kennt der Lehrer das Resultat der Prüfung schon vorher. Sie hat nur den Zweck die öffentliche Meinung über den Werth der Schule aufzukläreu. Dazu kann er keine schlechten Schüler gebrauchen. Sowie daher die schwere, eingehende Prüfung des Lehrers, ein Zeichen für die Vortrefflichkeit des Schülers ist, so sind Prüfungen, die Gott seinen Menschen auferlegt, ein Beweis der bereits erlangten sittlichen Vollendung und der Liebe Gottes, die durch solche Prüfung der Menschheit zeigt, zu welcher Höhe hingebender Selbstverleugnung eine gotttreue Menschenseele sich über alles irdische Getriebe zu erheben vermag. — Deßhalb lehrt die Salomonische Spruchsweisheit: „Die Züchtigung Gottes, mein Kind, verachte nicht und verschmähe nicht, Seine Zurechtweisung, denn, wen Gott liebt, den züchtigt er, dem er, wie der Vater dem Kinde wohl will. (Mtschle C. 3, V. 11, 12.) Zu den Worten iny p'irr M „Gott prüft den Gerechten", merken in diesem Sinne die Weisen an : „Wenn der Töpfer seine Waare erproben will, schlägt er auf die Töpfe, aber nicht auf die geborstenen, welche vor dem prüfenden Schlag in Stücke zerfallen würden, sondern auf die starken, welche den Schlag zu überdauern vermögen." Deßhalb verweist unser Väterspruch auf unseren Vater, auf Abraham und sein prüfungsretches Leben, wie dies der Prophet mit den Worten thut: „Schaut auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf die Vrunnenhöhle, aus der ihr gegraben wurdet, schaut auf Abraham euern Vater und auf Sara, die euch erzeugt, denn er war einzig, den ich berief, und ich habe ihn gesegnet und ihn groß gemacht." (Jesaja C. 51. V. 1.) Die zehn Prüfungen, wie sie ihm auferlegt wurden, treten noch heute an jedes seiner Kinder heran, und wenn sie dabei dieselbe Gottesliebe bekunden wie der Ahn, der nicht gedrückt und seufzend, der mit aufgerichteter untrübbarer Heiterkeit alle „besteht" D^m idj/, so haben sie sich als würdige Kinder ihres großen Vaters bewährt. Und wahrlich, Israel in seiner Gesammtheit und in jedem einzelnen seiner Glieder hat diese Kindschaft nicht verleugnet. Sie haben es ungezählte tausendemale durch die That bekundet, daß die abrahaniitische Gottesliebe auch in ihren Herzen Wurzeln geschlagen und dieselben Gottesthaten gezeitigt hat, die als leuchtendes Ahnenbeispiel durch alle Zeiten leuchten. Der Ahn hat den Göttern seiner Zeit die Göttlichkeit abgesprochen und den Namen Gottes durch Wort und That zum Bewußtsein gebracht. Deßhalb haben ihn die Gewalthaber seiner Zeit dem Feuertod überantwortet! Und. seine Kinder? Weil sie den Namen Gottes durch die Menschheit tragen, weil sie seiner Wahrheit dienen, hat sie seit Jahrtausenden der Wahn und der Haß nicht dem einen Feuertod, sondern allen nur erdenklichen Todesmartern preisgegeben. Der Ruf Gottes reißt Abraham los von Hetmath und Familie und legt ihm die Trennung auf von allem, woran das Herz nur hängt, und seine späten Enkel verlassen noch heute in großen Schaaren Haus und Hof, die Stätten, welche die Gräber ihrer Eltern bergen und auf welchen sie die Wiegen ihrer Kleinen geschaukelt, und gehen hinaus in die große, weite Welt, ohne zu wissen wohin, in ein Land und eine Zukunft, die nur Gott allein kennt, für dessen Ehre sie alle diese Prüfungen als würdige Abrahamssöhne ertragen. Und sie werden an ihrem Gott nicht irre, wenn auch Hunger und Kummer,

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