Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 58 (20.7.1893)
- Date
- 1893-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1112 Da jetzt die Bauten wieder beginnen, wird jeder Arbeitsuchende Arbeit finden. Die Mission geht übrigens auch sonst zurück, da auch ihre Zuflüsse spärlicher werden, und vielleicht wird sie über kurz oder lang ganz aus Jerusalem verschwunden sein. Jerusalem, 20. Juni. Im neuesten Erlasse der Pforte heißt cs ausdrückich, daß den jüdischen Einwanderern der Erwerb von Grund und Boden verboten bleibt. Dagegen steht derselbe fortab den ansäßigen Juden frei, wenn sie diese, ihre Ansäßigkeit durch beglaubigte Zeugnisse Nachweisen. Die fremden Unterthanen müssen einen Revers unterschreiben, daß sie sich, wenn sie ihren unbeweglichen Besitz an jüdische Einwanderer vermietben oder verpachten, was nicht gestattet ist, für diesen Fall der türkischen Gerichtsbarkeit unterwerfen. Aus allen diesen Gründen sollte b.im Bodenkauf und bei der Ansiedluug nur mit allergrößter Vorsicht vorgegangen werden. > Vermischtes. < Bromberg, 8. Juli. Herr Dr. Walther ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. — Bei der jüngsten Großrathswahl in Basel ging auch ein Jude aus der Urne siegreich hervor: der Cigarrenhändler Herr Max Oettinger, der wegen seiner Gemeinnützigkeit und Wohlthätigkeit in großem Ansehen steht. In dem Dorfe Lüxheim bei Düren wurden in den letzten Nächten auf dem israelitischen Friedhofe fast sämmtliche Grabsteine umgestürzt und beschädigt. Außerdem wurden die Häuser sämmtlicher israelitischer Dorfbewohner in einer Nacht besudelt. Seit 1867 wurden in Ungar« etwa 26,000 Familiennamen, unter denen mehr als 50 pCt. jüdische waren, magyarisirt. 1892 baten 558 Personen um ungarische Namen. Die Bewerber waren fast ausnahmslos jüdische Kaufleute. Preßbnrg. Dem Jahresbericht der Bürger- und Handelsschule u. Gr. der orth. israel. Cultusgemeinde dahier am Ende des Schuljahres 1892/93 entnehmen wir: Am 22. und 23. Dezember beehrte Herr kön. Rath, Josef v. Roth, Schulinspektor des Preßburger Schulendistrikts die Anstalt mit seinem amtlichen Besuche, verweilte daselbst längere Zeit in den einzelnen Klassen und referirte in sehr anerkennender Weise über die wahrgenommenen Lehrresultate in der im Januar d. I. abgehaltenen städt. Verwaltungs- AuSschutzsitzung. — Nicht minder anerkennend äußerte sich auch der II. Schulinspector, Herr Alexander Papp dem Lehrkörper gegenüber bei Gelegenheit seiner am 3. und 7. November sowie am 28. Dezember gehaltenen Jnspection. Einer besonderen Aufmerksamkeit erfreute sich auch die Schule von Seite der Schulkommission, die sich heuer neu constitutrte und deren einzelne Mitglieder wiederholt im Institute erschienen waren, um sich vom Gange des Unterrichtes, sowie von den Fortschritten der Schüler die nothige Ueberzeugung zu verschaffen. Eine größere Anzahl mittelloser Schüler wurde auch Heuer auf Grund ihrer beigebrachten Schul- und Armutszeugniffe von der Entrichtung des Schulgeldes ganz oder theilweise befreit. Das hierdurch entfallene Schulgeld betrug zusammen 1595 fl. ö. W. Ebenso erhielten aus dem Schüler-UnterstützungSvereine, 26 arme Zöglinge des Instituts sämmtliche für das ganze Jahr vorgeschriebenen Lehrbücher und Schreibrequtstten. Zur Erhaltung genannten Vereines hatte, wie in früheren Jahren auch Heuer der überwiegende Theil der Schüler mit monatlichen Einzahlungen von 10—20 Kreuzern beigetragen. Die öffentlichen Jahresprüfungen aus Religion fanden am 18., jene aus den Lehrgegenständen der Bürger- und Handelsschule am 22. und 25. Juni in Anwesenheit des Schulinspectorates, sowie vieler Vorstands-, Repräsentanten- und Schulcommisstons-Mitglieder der orth. israel. Cultusgemeinde und anderer Gäste und Schulfreunde statt. Die Anstalt wurde von 100 Schülern besucht. London, 6. Juli. Ein jüdischer Soldat, Hr. F. Gust, wurde zur Zeit des Krimkrieges in der Schlacht bei Balaklava im Jahre 1854 von den Engländern gefangen genommen. Er kam nach England, wo er in das 4. Infanterieregiment eintrat. Nun wird zur Ehre der jetzigen Hochzeitsfeier des Herzogs von Aork und der Prinzeffin May, einstiger König und Königin von England, von vielen Officieren der Garde in den Chelsea Baracken ein MittagSeffen veranstaltet werden. Unter den Eingeladenen ist auch dieser jüdische Veteran, der ca. 40 Jahre im englischen Heere gedient hat, als Gast berufen worden. Außerdem ist ihm zusammen mit den noch lebenden alten Kameraden ein Platz, wo er bequem den vorbeipaffirenden HochzeitSzug beschauen kann, angewiesen worden. Rom, im Juli. Pi pin 'n m?D. Gleich den meisten hervorragenden jüdischen Gemeinden Europas hat auch die hiesige Cultusgemeinde vor etlichen Jahren ein Greisenasyl (Ricovero p°r gli Israeliti invalidi) errichtet, in dem arme und mittellose Greise ihre letzten Lebenslage in Ruhe und Behaglichkeit verbringen sollen. Zur Zeit befinden sich in diesem Asyle siebzehn Greise und beträgt die Ausgabe für einen jeden derselben im Durchschnitte jährlich 390 Lire. Die Einnahmen bezieht dieses Institut aus den Zinsen des StiftungScapitalS, das am vergangenen 1. Januar sich auf 37,730 Lire belief, und dann aus freiwilligen Spenden, die in dem vergangenen Verwaltungsjahre 2270 Lire betrugen. Nach einem neuen Beschlüsse unseres Vorstandes wird dieses Asyl von nun an auch an dem Gewinnste aus dem Verschleiße der Mazzoth theilnehmen und in Folge deffen wird die Anzahl seiner Insassen vermehrt werden können. Hervorgehoben muß zugleich werden, daß sich das Mitglied unseres Vorstandes, Cavaliere Esra Settimo, große Verdienste um dieses Institut erworben hat. Rio de Janeiro, 14. Mai. Folgender Vorfall macht hier viel von sich reden. Der General-Inspektor der Schulen der brasilianischen Hauptstadt hat kürzlich sein Amt niedergelegt und diese Resignation öffentlich motivirt. Er hatte für eine Schule vier Lehrerinnen in Vorschlag gebracht. Von diesen wurde eine znrückgewiesen, obgleich sie, wie der Schulinspektor in einer Beschwerdeschrift hervorhob, ein besseres QualificationSzeugnitz produzirt hatte, als eine der drei zugelaffenen Bewerberinnen. Da der Beschwerde des Inspektors keine Beachtung geschenkt wurde, legte dieser sein Amt nieder. Die Angelegenheit wurde zum Gegenstand einer Interpellation im Senat gemacht, auf welche der Premier- Minister einfach erklärte: die betreffende Lehrerin sei eine Jüdin und deshalb nicht anstellungsfähig. Govedjepolje, 29. Juni. In der Gemeinde Zaj (Bezirk Pakraz) verheirathete der jüdische Oeconom Herr Josef Kramer am 28. v. M> sein Mündel. Da derselbe keine paffenden Localitäten hatte, so stellte der dortige Pfarrer, Herr Wilhelm Umer, seine ganzen Localitäten zu dieser jüdischen Hochzeit zur Verfügung. Das junge Brautpaar wurde im Garten des Herrn Pfarrers vom Rabbiner aus Danndu getraut. Beim Diner brachte Herr Pfarrer Umer herzliche Toaste auf das junge Paar, auf die Eltern desselben, sowie auf sämmtliche Gäste aus.