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Der Israelit · 1893-07-20 · Heft 58 (20.7.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 58 (20.7.1893)
Date
1893-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1110 ~->y^^'*rs'‘)^ nete Stellung einnehmen, entsprechen ihre geschichtlichen Darstellungen dennoch den höchsten Anforderungen, welche an ein geschichtliches Meisterwerk mit Recht gestellt werden könne und sie entsprachen diesen Anforderungen lange bevor die Gelehrten das Wesen der Geschichsschreibung erkannt hatten. Es ist doch nicht allzulange, da die Geschichtsschreibung auf die bloße Zusammenstellung der Ereignisse sich beschränkte und die Triebskräfte derselben völlig außer Acht gelassen; es ist noch nicht gor lange, da man zur Einsicht gelangte, daß das Wesen der Geschichtsforschung nicht in aneinander Gruppirung der Geschehnisse liegen, sondern vielmehr in der Erforschung der inner» Gesetze, die der Geschichte diesen Entwickelungsgang vorgezeichnet, in der Auffindung des Fadens, welchen die einzelnen Thatsachen innerlich durchziehen und zu einem harmonischen Ganzen verbinden, und im Nachweise jener psychologischen Kräfte, aus denen die Ereignisse, wie aus ihrem Keine entstanden, so daß die Geschichte nichts anderes ist, als ein Abglanz der innern Triebkräfte, die äußere Erscheinung tief verborgener Motive. Diesem Postulate der Geschichtsforschung entsprach die Thora schon in der Urzeit. Ihr Blick haftet nicht an der Oberfläche der Ereignisse, er dringt in deren geheime Werkstätte. Das äußere Gewebe der Geschehnisse befriedigt sie nicht, sie forscht nach den einzelnen Fäden, aus denen er gesponnen wurde, und sie begnügt sich nie mit der bloßen Registrirung der Facta, sondern sucht deren Gesetze in Triebkräfte darzulegen. Und all dies bietet sie uns nicht etwa in langen Auseinandersetzungen, als vielmehr in Folge ihrer unerreichten Elastizität durch tiefsinnige Gruppirung der geschichtlichen Thatsachen, durch scheinbare Lücken an der Erzählung, die bestimmt sind unfern Forschungssinn zu wecken, wie nicht minder durch äußerst subtile Nüancen der Darstellung. Betrachten wir aber die historischen Erzählungen der Thora, von diesem einzig richtigen Standpunkte, erblicken wir in denselben psychologisch motivirte, aus ttefinneren Gesetzen sich entwickelte Geschichtsvorgänge, dann werden wir weit entfernt davon sein, in der umgekehrten Reihenfolge von „Chazeroth-Wedt-Sohobh" einen Mangel der geschichtlichen Objectivttät der Thora zu erblicken, werden vielmehr in der absichtlichen Entstellung der Thatsachen das psychologische Motiv derselben suchen und bei vorurtheilslosem ernsten uud redlichen Bemühen auch finden. (Schluß folgt.) ZeitrrngSrrachrichte» trab Correfpouderrzeu. Deutschland. Berlin, 15. Juli. In der gestrigen Antisemitenversammlung, in der Stöcker arg mitgenommen wurde und die oft in Tumult ausartete, sprach Böcke! wichtig thuend über die politische Lage, die er beherrsche. Die Augen Europas seien auf die Reformpartei gerichtet. Er habe Alles in Händen. Berlin, 14. Juli. Die „Kreuz-Ztg." theiltmit: Der Unterrichtsminister hat sich einverstanden damit erklärt, daß, abweichend von § 6 der Ordnung der Reifeprüfungen an Gymnasien vom 6. Januar 1892 in den vor den Königlichen wissenschaftlichen Prüfungskommissionen abzuhaltenden Nachprüfungen im Hebräischen auch mündlich geprüft werde, da jene nur so den sicheren Maßstab für die nachträgliche Ertheilung des Reifezeugnisses in diesem Fache, wie denselben der § 3, 10 der erwähnten Ordnung voraussetzt, zu finden im Stande sind. Leipzig, 13. Juli. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Verlegers der Broschüre „Judenflinten", Glöß in Leipzig, der wegen wiederholter Veröffentlichung der beschlagnahmten Broschüre in eine Geldstrafe verurtheilt worden war. Aus Leipzig wird gemeldet, daß der Kaufmann Karl Pausch gestern Abend auf dem dortigen bayerischen Bahnhofe auf Requisition der Berliner Staatsanwaltschaft verhaftet worden sei, weil er sich ohne Urlaub aus der Untersuchungshaft entfernt hat. Rappenau, 9. Juli. Die „N. Bad. LandeSztg." schreibt: „Unsere Stadt, in der bisher alle Konfessionen in voller Eintracht nebeneinander lebten, scheinen die Antisemiten, die in Lahr und anderswo in unserru guten Badnerland keinen Anhang fanden, zu einem neuen, hoffentlich vergeblichen Versuchsfeld sihrer verhetzenden Thätigkeit machen zu wollen. Nachdem erst vor ca. 4 Wochen der bekannte antisemitische Reuther einen sogenannten Vortrag im „Schimpfen auf die Juden" hielt, tagte gestern schon wieder eine derartige, allem parlamentarischen Brauch und allem Anstand in's Gesicht schlagende Versammlung. Unter dem unschuldigen Titel „Bauernverein" treiben solche Leute ihr verhetzendes Handwerk. Von der niedrigen Qualität solcher „Volks- und Bauernbeglücker" zeigt ihr Bestreben jede andere Ansicht in solchen Versammlungen zu unterdrücken und wenn es schließlich auch nur mit roher Gewalt möglich ist. So wurde ein Herr, der seine Ansicht in der gestrigen Versammlung äußern wollte, thatsächltch angegriffen und körperlich schwer mißhandelt. Wie unser Gewährsmann schreibt, sollen sich einzelne der Herren

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