Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 58 (20.7.1893)
- Date
- 1893-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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iiod Daß Gott als Herr und Meister nicht nur über der Natur, sondern auch als „König" über der Menschenwelt steht, das bekundet sich in dieser Unterordnung der ganzen Welt, ihres Wohls und Wehes unter die sittliche Vollendung oder Entartung der Menschheit. Das dürfte auch der Sinn des Ausspruchs von Rabbi Jochanan sein, der die zehnfache Königshuldtgung, mit welcher wir vor Gott am Schöpfungstage der Welt hintreten, mit diesen zehn Aussprüchen in Verbindung bringt, durch welche sich die Erschaffung der Welt vollzog. miffj/ 1432 “ION prn’ '21 'ü 1432 n'i'2^0 '» '41 (.2^> n4»n D^vn M124 p2» nnoMD (Fortsetzung folgt.) im m nnsn Oyazeroty Wedi-Soyoöy. Von Rabb. Dr. M. Jung, Ung. Brod. Die beiden Namen „Chazeroth Wedt-Sohobh" entrollen vor unseren Augen ein gar düsteres Bild aus der uralten Geschichte Israels, rufen in uns die Erinnerung wach an Ereignisse, die tiefe Spuren und Eindrücke in der jüdischen Volksseele zurücklaffen, die den Prolog gebildet zu jenen religiösen Dramen, welche sich später in der Mitte Israels abgespielt und noch heute sich abspielen. Chazeroth! Empörung gegen die göttliche Sendung Moschehs. Dem Gottesmanne, welcher in seiner Bescheidenheit sich gegen die Uebernahme der Führerschaft in Israel gesträubt, der, durch den ausdrücklichen Befehl Gottes hiezu genöthigt, mit Selbstaufopferung das Befretungswerk beförderte, ihm wird von einem Zungenhelden die Anklage ins Gesicht geschleudert, er lasse sich vom Ehrgeize leiten, seine Lehren seien absichtliche Fälschungen und das „heilige" Volk werde von ihm am Gängelbande falsch vorgegebener Göttlichkeit hingeführt! „Wedi-Sohobh". Die physiologisch kaum zu motivirende Anbetung des goldenen Kalbes. Vor Kurzem noch Zeuge der Offenbarung Gottes auf dem Sinai, die so mächtig auf ihre Herzen gewirkt, daß sie einstimmig gelobten "yciwi i»p4„, stürzen sie plötzlich mit Blitzesschnelle von der Höhe, auf welche sie die Gottesgnade gehoben, in die Tiefe des Abfalls, daß Moscheh, den religiösen Sturz des Volkes wahrnehmend, die Gesetzestafeln zertrümmert. Wozu Gesetzestafeln, wenn die Herzenstafeln leer von jeder Gottesinschrift und aus den Gemüthern jede Religiösität geschwunden ist! Die Erinnerung an „Chazeroth Wedi-Sohobh" treibt dem heutigen Geschlechts noch die Schamröthe ins Antlitz; welch gewaltigen Eindruck mußte erst die lebendige Vorführung jener traurigen Ereignisse auf alle jene machen, denen sie noch frisch im Gedächtnisse waren und die deren verhängnißvollen Folgen schwer empfunden haben! Erregt es aber nicht unsere vollste Aufmerksamkeit, daß die Thora jene traurigen Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge anführt? Ging ja Di- Sohobh, die Anbetung des goldenen Kalbes, Chazeroth, der Empörung Korachs gegen Moscheh voran? Ist es nun nicht höchst räthselhaft, daß die Thora auf die thatsächliche Reihenfolge keine Rücksicht nimmt und erst die Sünde, begangen zu Chazeroth, und dann den Abfall zu „Di-Sohobh" rügt? Fürchten wir aber nicht, daß die von uns aufgeworfene Frage Wasser auf die Mühle all jener sein werde, die, ohne tief zu erröthen, von Mängeln, Entstellungen von Thatsachen und von Lücken in der Thora reden und in vermessener Verblendung die „verbessernde" Hand an das Gotteswerk legen wollen? Fürchten wir nicht, daß die „Btbelkritiker" durch unsere Frage aufmerksam gemacht, in „Chazeroth" und „Di-Sohobh" eine herrliche Bestätigung ihrer Hypothesen und einen glänzenden Beweis für den „Mangel der geschichtlichen Objektivität" der Thora erblicken werden? Fürchten wir nicht, daß „Chazeroth Wedi-Sohobh" eine mächtige Anziehungskraft auf die „Bibelkritiker" ausüben und zum Lieblings-Tummelplätze derselben werden könnte? Wäre es nia,i im Interesse der Integrität der Thora besser gewesen, diese Frage nicht aufzuwerfen? Wahrlich nicht! Die einzig mögliche Beantwortung unserer Frage nach dem Grunde der umgekehrt angeführten Reihenfolge von „Chazeroth" „Di Sohobh" enthüllt uns das willkürliche und ernstlose Verfahren der „Bibelkritiker" in seiner ganzen Blöße und Sträffikeit und lehrt uns, daß „die Lehre Gottes vollkommen sei" und all jene Mängel, Lücken, Entstellungen der Thora, von welchen man phantastrt, nirgends anders, als im Geiste der Kritiker selber existiren. „Die Gotteslehre ist vollkommen." Vollkommen an Inhalt und Form. Die Lehren der Thora mögen sie rein religiöser oder humaner Natur sein, mögen sie sich auf die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Gott und Menschen oder zwischen Menschen und Menschen beziehen, sind vollkommen und unübertresstich. Jeder nüchterne Verstand und ungetrübter Blick steht es klar, daß die humanen und sozialen Fortschritte unserer Zeit nichts anderes sind, als nach langem Kampfe endlich zum Durchbruche gelangte Conseguenzen jener Gottestdeen, die die Thora vor Jahrtausenden verkündete. Die Thora ist aber auch ihrer Form nach vollkommen. Obgleich in erster Reihe gesetzlich, in welchem historische Thatsachen nur eine untergeord-