Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1893)
- Date
- 1893-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1092 sttätshorern getragen wurde, schritten der einzige noch lebende Bruder deS Verstorbenen, der Lehrkörper der hiesigen Universität und die Vertreter der auswärtigen Schulen und Vereine. Am offenen Grabe sprachen der Rector Cochille de Giovanni und noch drei Proffefforen der hiesigen Universität. F e «i U e t o tt. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) XVI. Die Wühlereien und Hetzereien der Antisemiten, ihr Eifer für die schlechte Sache, der sie vor keiner Verleumdung und Fälschung zurückschrecken lieb, erzielten hie und da Erfolge selbst in den besseren Kreisen des Volkes, so daß edelgesinnte Männer darin eine Gefahr für das Vaterland erblickten und sich zur Abwehr dieser Gefahr vereinigten. So wurde der Verein zur Abwehr des Antisemitismus gegründet und von allen Setten thätig unterstützt. In Wort und Schrift traten die Bessergesinnten der deutschen Nation dieser fluchwürdigen Bewegung entgegen, ohne ein merkbares Resultat zu erzielen. Wie ein böses Gewächs am menschlichen Körper stets weiterfrißt, so verbreitete sich der Antisemitismus langsam, aber stetig unter den Deutschen. Wenn auch in einigen Staaten, wie iu Hessen, in Hamburg u. a. die Regierung dem friedlosen Treiben dieser Maulwürfe entgegentrat, so war dieses doch nicht von Belang, denn ein solches Uebel hätte nur durch gemeinsames Vorgehen aller Staaten ausgerottet werden können. So agitirten die Antisemiten weiter und die von ihnen begründeten Bauernvereine schnitten den Juden auf dem Lande die Möglichkeit einer ehrlichen Existenz fast vollständig ab. Ein großer Schreck bemächtigte sich der Anttsemttenführer, als sie die Verhaftung des Müllers erfuhren; das war ein schwerer Schlag für ihre Sache, denn Bastian war der einzige, der eine fleckenlose Vergangenheit hatte, dessen Namen noch nicht in dem schwarzen Buch der Polizei zu finden war. Sie athmeten aber auf, als sie hörten, daß der Verwalter des Müllers sich seiner Verhaftung durch die Flucht entzogen hatte und trotz der größten Mühe, die sich die Polizei gab, seiner habhaft zu werden, sich noch immer auf freiem Fuße befand. Zwei Vorstandsmitglieder des Bauernvereins, dem auch der Müller angehörte, wurden eines Tages abgeordnet, sich nach der Müllerin umzusehen und falls sie es wünschen sollte, ihr mit Rath und That betzustehen. Die Herren erschienen auf der Mühle, doch als sie der Müllerin den Zweck ihres Erscheinens mitgetheilt hatten, sprach sie: „Ich danke Ihnen, meine Herren, für Ihre Freundlichkeit; ich bedarf weder Ihres Rathes noch Ihrer Hilfe und bedaure von ganzem Herzen, daß mein Mann einer der Ihrigen geworden ist. Sie haben uns ins Unglück gestürzt und Gott mag Ihnen verzeihen, was Sie an uns verschuldet haben — ich kann es nicht." Da fingen die beiden Herren an zu lachen und sie sprachen: „Das ist schön, daß Sie uns für die Dummheiten Ihres Herrn Gemahls verantwortlich machen. Wir haben ihn nicht gerufen; aus freiem Willen ist er einer der unsrigen geworden; aber, wie gesagt, für seine Thaten müssen wir jede Verantwortung ablehnen." „Ich mache Sie für nichts verantwortlich. Was sich mein Mann eingebrockt hat, mag er auch ausessen. Aber für den Schaden, den wir durch den sauberen Patron, den Sie uns als Verwalter empfohlen haben, erleiden, dafür werden Sie die Verantwortung tragen müssen." „Auch diese Verantwortung lehnen wir ab. Ihr Mann ist selbstständig und weiß ganz allein, was er zu thun hat. Uebrigens sind wir nicht zu solcher Auseinandersetzung hergekommen, sondern wir wollten hören, ob und wie wir während der Abwesenheit des Müllers Ihnen beistehen könnten." „Ich verzichte auf Ihren Beistand", entgegnete Louise bitter; „wenn ich der Hilfe bedürfen sollte, so weiß ich selbst, an wen ich mich zu wenden habe." „So ist unsere Mission gescheitert", sagte der eine. „Möchten Sie nie bereuen, Freundeshände, die sich Ihnen zur Hilfe entgegenstreckten, schroff zurückgewiesen zu haben." „Ich mache keinen Anspruch aus Ihre Freundschaft. Wenn ich der Hilfe bedarf, so werde ich dieselbe bet meinen Freunden nicht vergebens suchen." „Uns soll es recht sein; lassen Sie sich helfen, von wem Sie wollen; nur auf eines machen wir Sie aufmerksam; wir werden nicht dulden, falls sich unter Ihren Freunden der Jude Benjamin befinden sollte, daß dieser in die Bücher und Schriften unseres Freundes, Ihres Mannes, auch nur einen Blick thue." „Hier in meinem Hause", versetzte Louise kurz, „haben Sie weder zu dulden, noch zu verbieten; hier bin ich die -Herrin und ich verspreche Ihnen, daß, wenn ich der Hilfe bedarf, ich mich zuerst an den alten Benjamin wenden werde." „Das werden Sie nicht thun! Wollen Sie die Schande erleben, daß der Jude Sie aus seinem