Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1893)
- Date
- 1893-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1093 Hause weist; wollen Sie unserem Verein die Schmach anthun," — „Ihr Verein geht mich nichts an; für mich habe ich selber zu sorgen, und für Sie meine Herren, habe ich Wetter keine Zeit. —" Louise drehte sich um und ließ die Verblüfften allein stehen. Nach kurzer Zeit entfernten sie sich ganz erstaunt über die resolute Frau, die sie energisch abgefertigt und zurückgewiesen hatte. Die Geschäfte in der Mühle gingen ihren gewohnten Gang; man konnte kaum merken, daß der Müller nicht im Hause war. Louise war übe all und das Gesinde, welches von dem Verwalter geschunden und gequält worden war, athmete jetzt wieder auf und leistete jetzt unter dem gerechten Regiment Louisens bereitwilligst die Dienste, die es sonst nur widerwillig und verdroffen that. Ein ganz anderer Geist schien über die Mühle und ihre Bewohner gekommen zu sein, denn anstatt mürrische, verdrossene Gesichter, sah man jetzt freundliche Blicke und heitere Mienen. Vierzehn Tage sind vorüber. Die Sache des Müllers hatte sich womöglich verschlechtert denn der Verwalter ist nicht aufzufinden. Louise hatte durch ihren Rechtsanwalt dem Gerichte eine hohe Caution bieten lasten, um ihrem Manne die Freiheit zu verschaffen, doch hat der Untersuchungsrichter diese Caution abgelehnt und so fitzt der Müller noch immer hinter Schloß und Riegel. Der Quartalstag naht heran. Louise weiß, daß das Gesinde an diesem Tage seinen Lohn erhalten muß, sie weiß, daß auch noch andere Verpflichtungen an diesem Tage zu erfüllen sind und sie hat nur noch wenig Geld in der Kaffe. Sie schreibt Rechnungen aus und hofft, daß ihre Schuldner zahlen werden. Aber wie erstaunt sie , als sie fast jede Rechnung mit dem Vermerk zu 'ückerhält, daß der Betrag s hon gezahlt sei und die Quittung über öie geleistete Zahlung zur Einsicht bereit liege! Hatte ihr Mann diese Zahlungen entgegengenommen ohne sie zu buchen? Ooer sollte dec Verwalter — glühend heiß schoß ihr das Blut in die Wangen und der Schweiß trat auf ihre Stirne. Sie verstand so viel von der Bnchführung, um einzusehen, daß in den Büchern ihres Mannes die größte Unordnung herrsche. Was mochte der neue Verwalter, dem ja die Buchführung obgelegen hatte, unterschlagen und veruntreut haben! Ihr Mann war ja so vertrauensselig gewesen, daß er ihm alles überließ! Sie mußte Jemand suchen, dem sie sich anvertrauen und die Sache zur Ordnung übergeben konnte. Aber zuerst hatte sie Geld nöthtg. Wer würde ihr soviel Geld borgen? Die Freunde ihres Mannes hatte sie aus dem Hause verwiesen und so blieb ihr nichts übrig, als sich an ihren alten Freund, an den Freund ihres BaterS, an Benjamin Caro zu wenden. Wie aber, wenn dieser die Feinschaft, in der der Müller mit ihm lebte, auch auf sie ausdehnte und Böses mit Bösem vergalt? Der Jude ist ja doch auch nur ein Mensch, und wie konnte sie ihm zumuthen, seinem größten Feinde aus der Noth zu Helsen! Sie gedachte der Scene, da der alte Mann erschöpft im Bureau des Müllers zusammengebrochen war und dieser ihm einen Trunk Wassers verweigert hatte; lebhaft traten ihr jene Augenblicke vor die Seele und sie verlor den Muth, bei Benjamin Hilfe zu suchen. Thränen traten in ihren Augen; sie wußte nicht, wo aus, wo ein. Da trat die alte Magd herein, die schon zu Lebzeiten ihres Vaters lange Jahre im Hause gewesen und Freud und Leid in der Mühle mitgetrageu hatte; als kleines Kind hatte Louise auf ihrem Schoße gespielt, als Jungfrau war sie von ihr in der Führung des Hauswesens unterrichtet worden und wie eine Mutter hatte fie stets für Louise gesorgt. Als sie Thränen in den Augen ihrer Herrin sah, trat sie an dieselbe heran und sprach: „Ei, Du meine Güte, Thränen! Was fehlt Dir denn, mein Kind? Wer darf denn weinen, wenn Gott ihn gesegnet hat! Rasch die Thränen getrocknet und wenn es Dich dazu treibt, einem Menschen die Ursache Deines Kummers mitzutheilen, so schütte mir Dein Herz aus; ich kann schweigen wie das Grab und weiß vielleicht auch Trost." „Ja, Du sollst die Ursache meines Kummers wissen, Du treue Seele", entgegnete Louise gerührt, und ohne Zögern theilte sie ihr alles mit, ihre Verlegenheit, ihre Furcht und ihre Bedenken. Als sie geendet, tröstete sie die Magd und sagte: „Deßhalb brauchst Du nicht zu verzagen; geh' Du nur hin zu Benjamin; er ist gut und wird Dir helfen, soviel er kann." Der Zuspruch der alten, treuen Dienerin hob auch den Muth der Müllerin wieder. „Ja, ich will zu ihm gehen," sagte sie, „und um meines Vaters willen wird er mir helfen." Sofort machte Louise sich zum AuSgehen bereit; es war ein schwerer Gang, den sie vor sich hatte, aber wiederum galt es, die Ehre des väterlichen Erbes zu wahren, und da galt kein Zögern. _(Fortsetzung folgt.)_ Richtige Lösungen des Preis-Räthsels in Nr. 52 sandten ein: Lehrer Oberndörfer in Archshofen. Lehrer I. Ehrlich in AdelSheim (Baden.) Lehrer Hirsch Wißmann in Schwabach. Lehrer David Sonn in Sommerhausen. David Diamant in Posen. Salomon Rosenstiel in FegerSheim. Samuel Bachrach in Frankfurt a. M. Stern Jeremias in Milchdors. Dr. Rawitzki,