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Der Israelit · 1893-07-17 · Heft 57 (17.7.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 57 (17.7.1893)
Date
1893-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1090 glänzenden Redner gehört haben, hat uns stets ein doppeltes Hochgefühl erfüllt: Die tiefe Empfindung und Ueberzeugungstreue des Redners und der hocherhabene. hellleuchtende Standpunkt des Judenthums, den dasselbe in seinem Munde gewinnt. Ausgehend von den mancherlei Schwierigkeiten, die sich diesem Unternehmen entgegengestellt, aber auch die freudige Opferwilligkeit und Bereitwilligkeit anerkennend, die der Verein bei vielen gefunden, die ihm fernstehen, insbesondere die Hochherzigkeit und den Edelsinn des Herrn Julius Bodenstein rühmend, der Gut und Zeit geopfert. um das Gotteshaus so prächtig auszumalen, bemerkte der Redner, daß jetzt in den drei Wochen jede Freude und Wonne aus unserm Herzen verbannt sein müsse, denn unser Herz blute noch immer über das verlorne Heiligthum, aber nach dem Midrasch werde der Schmerz gemildert durch Errichtung von Synagogen und Lehrhäusern, in denen das Wort und der Geist Gottes lebendig seien. Und nun knüpfte Herr Rabbiner Höxter an den Text an: „Wie erhaben ist dieser Ort, es ist nichts anders als ein Gotteshaus, und dieses ist die Pforte des Himmels" — und sprach in gedanken- und schwungvollen Worten über die Erhabenheit des Gotteshauses und über den Einfluß, den es auf unser Leben übe. Alle Anwesenden standen unter dem Banne des mächtigen Eindrucks, den diese vortreffliche Predigt auf sie machte. Nach dem Weihegebet trug der Cantor Klein noch adaun aulom vor und mit dem rimv-Gebet schloß die erhabene Feier. Berlin. Jacob Landau, dessen richtigen Namen ich bis nun noch nicht ermitteln konnte, ist diese Woche in seiner Wohnung, Grenadierstraße 17, wo er sich ungemeldet aufhtelt, durch einen Criminalbeamten verhaftet und dem Untersuchungsgefängniß zugeführt worden. Am vergangenen Donnerstag, am Tage der Verhaftung hat bereits eine umfangreiche Zeugenvernehmung stattgefunden. Gegen den „Rabbiner Ackermann" ist die Untersuchung in vollem Gange, und wie jetzt verlautet, soll Ackermann Holland durch einen Boten habe bereisen lassen, welcher in ein Buch milde Gaben für Ackermanns abgebrannte Synagoge zeichnen ließ. Diese Beiträge sind ebenfalls unterschlagen. Ackermann wurde in Krakau verhaftet. Man fand bet ihm die gefälschten Zeugnisse von Rabbiner Dr. Hildesheimer und Dr. A. Berliner. Außerdem trug er bei sich 30,000 Mark. Auch fand man bei ihm Briefe, aus denen man entnehmen konnte, daß er dafür, daß er einzelnen Talmudjüngern die „Hatoras Haurooh“ („Rabbinerbefähtgungsgrad") zusprach, tausend Mark und mehr erhalten hat. Jos. Feuerring. Berlin. In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 4. Juli erklärte der Freiconservattve Schultz-Lupitz gegenüber Herrn v. Los, welcher die Bestrebungen des „Bundes der Landwirthe" vertreten hatte: Nur Arbeit und Kenntnisse würden der Landwtrthschaft aufhelfen. Man mache sich die Sache vielfach leicht, indem man lediglich gegen die Juden Hetze und sage: die Juden sind schuld. Jetzt heiße es aber schon: die Junker und die Juden. (Anspielung auf eine Aeußerung Ahlwardt's in einem „offenen Worte" an seine Wähler in Arnswalde-Friedeberg.) Auch er sei ein Bauer wie Herr v. Los und könne sagen, den Bauern in der Altmark gehe es nicht zu schlecht. Die Tivoli-Anttsemiten waren über diese vorda veritatis höchlich entrüstet. Hamburg, 8. Juli. (Israelitische Rückwanderer.) Heute Nachmittag trafen mit dem von London kommenden Dampfer „Silvia", der Rhederei A. Kirsten gehörig, 17 israelitische Rückwanderer von New-Aork über London hier ein. Dieselben wurden vom hiesigen Hülfscomite in Empfang genommen und von diesem mit der Bahn nach ihrer Heimath befördert. England. London. Soeben traf hier die telegraphische Nachricht ein, daß Rabbi Sußmann Cohen in Manchester den ihm angebotmen Posten als Dajon of the United Synagogue angenommen hat. London, 11. Juli. Die „Anglo-Jewish Association“ hielt gestern in den „Central Synagogue Chambers“ unter dem Vorsitze Sir Julian Goldsmid's ihre 22. Jahresversammlung ab. Der Zweck des Vereins ist die Beschützung verfolgter Juden und ihre Hebung in den östlichen Ländern mittels elementaren und gewerblichen Unterrichts. In dem Jahresbericht heißt es, daß sich im vergangenen Jahre ein Wachsen des Antisemitismus in Mittel-Europa geltend machte, welcher das Loos der Juden in Oesterreich und Deutschland verbitterte und ihren Fortschritt hinderte. Was Rußland anbetrifft, so weise nichts darauf hin, daß die dortige Verfolgung aufgegeben werde. „Zum Unglück lehrt die Erfahrung, daß äußere Einmischung nichts oder wenig nützt beim Zaren und seinen Rathgebern, und die gesittete Welt kann nur hoffen, daß sie von selbst eine humanere Politik beginnen. Nur für diejenigen, welche sich der russischen Verfolgung entziehen, ist Hoffnung aus Hilfe vorhanden und dieser Aufgabe haben sich Baron Hirsch, das russisch-jüdische Comite in England und andere ähnliche Vereine im Auslande unterzogen." Sir Julian beklagte, daß in Rumänien die Kinder der jüdischen Bewohner nicht mehr in den Schulen

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