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Der Israelit · 1893-07-17 · Heft 57 (17.7.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 57 (17.7.1893)
Date
1893-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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i08§ Ziele fördert, für welche der Mensch geboren wurde) jeden Tag lebt der Mensch und jeden Tag stirbt der Mensch (jeder Tag nähert ihn dem Tode), jeden Tag wird der Geist des Menschen genommen und seinem Eigenthümer zurückgegeben, jeden Tag wird der Mensch genährt, wie der Säugling an der Mutterbrust und alles als Frucht seiner Thaten." (Tana debe Elia suta, Eap. 15.) Diese räthselhafte, widernatürliche Verbindung, in welche der Mensch widerwillig eintritt und die er eben so ungern sich lösen steht, ist nichts als eine fortgesetzte, große Prüfung für die Ertüchtigung in allen Tugenden, welche die sinnliche, thiertsche Seite in uns auch zu der Höhe des Geistes zu heben den Zweck haben. Wer im Gegentheil den Geist hinab in das irdische Getriebe zieht, und in depr Kampf zwischen Sittlichkeit und Sinnlichkeit die letztere als Siegerin hervorgehen läßt, kann mit Nichten in der Unnatürlichen Verbindung zwischen Körper und Geist eine Entschuldigung oder gar eine Rechtfertigung dafür erblicken, wenn sein besseres Selbst in dem Kampf unterlegen ist. Es kann z. B. Niemand sagen, wenn es wahr ist, daß wir ohne und gegen unfern Willen in diese Welt gestellt wurden, so kann uns auch keine Verantwortlichkeit treffen, für das, was wir in dieser Zwangslage gethan und unterlassen haben. Wäre es auf uns angekommen, so hätten wir ja lieber auf die Freuden dieser Welt verzichtet, um auch der Verantwortlichkeit zu entgehen, die sie uns auferlegt. Das Irrige dieser ganzen Voraussetzung beleuchtet in einem trefflichen Gleichnisse der Dubnoer Maggid, der Verfasser des Ohel Jakob. Ein Ehepaar lebte viele Jahre in glücklicher Ehe. Der Mann war häßlich und taub und die Frau war ein blindes, zänkisches Weib. Durch ihre Blindheit hatte sie keine Ahnung von der Häßlichkeit ihres Mannes und durch seine vollständige Taubheit machte ihm die Zanksucht seines Weibes auch keine Unannehmlichkeit. Eines Tages hörten sie von den Wunderkuren eines berühmten Arztes, und sie beschlossen, ihn aufzusuchen, um sich von ihren Gebrechen heilen zu lasten. Der Arzt verlangte ein hohes Honorar, was ihm auch gern bewilligt wurde. Die Heilung gelang. Der Mann bekam sein Gehör und die Frau ihr Gesicht wieder. Von dieser Stunde an hatte aber der eheliche Friede ein Ende. Der Mann litt unter dem Gekeife seiner Frau und diese hatte einen Widerwillen gegen die Häßlichkeit ihres Mannes. Als nun nach einigen Wochen der Arzt seine Rechnung präsentirte, verweigerten beide die Zahlung. Sie verlangten noch eine Entschädigung seitens des Arztes, weil er sie durch seine Kunst unglücklich gemacht habe. Als alle Einwendungen des Arztes fruchtlos blieben, erklärte sich dieser mit der Forderung einverstanden, aber er knüpfte daran folgende Klausel. Wenn ich Euch durch meine Heilung unglücklich gemacht habe, so will ich Euch Euer Glück wtkhergeben. Ich verstehe nicht nur den Blinden sehen und die Tauben hören zu machen, sondern ich kann den Sehenden und Hörenden Gesicht und Gehör wieder nehmen. Ich gebe euch also euere Blindheit und Taubheit und damit euer Lebensglück wieder. Das wollten sie aber doch nicht. — Wenn ihr das nicht wollt, sprach der Arzt, so bezeugt ihr dunitdoch, dabeuch meine Kunst glücklicher gemacht hat. als ihr früher wäret und ihr müßt zahlen und zwar nach euerem eigenen Geständntß. Genau so verhält es sich mit dem Menschen. Er klagt, daß er ohne seinen Willen in diese Welt gesetzt worden sei und daher nicht für sein Thun verantwortlich gemacht werden kann. Es ist wahr, ohne und gegen seinen Willen wird der Mensch gebildet und geboren und er lebt ebenfalls, ohne es gewollt zu haben. Aber es ist doch auch ebenso wahr nv rinn -jrra hy, daß jeder auch nur ungern nnd widerwillig stirbt, daß er also gern lebt, wenn ihm das Leben auch ohne seinen Willen wurde. Dann ist die unabweisbare Folge: in-p hy pawro p irvV vny nnx, daß jeder vor Gott Rechenschaft schuldig ist für den Inhalt, den er seinem Leben gegeben hat. Ende deS vierten Buches. (Fortsetzung folgt.) Zeit««gSuachrichteu und Correfpoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 10. Juli. Wenn man aus der zahlreichen Betheiligung, aus der gehobenen, freudigen, begeisterten Stimmung, die auf allen Gesichtern mit deutlich erkennbaren Zügen bei der gestrigen Einweihung der Synagoge Beth Zion, Brunenstraße 10, ausgeprägt war, einen Schluß auf das Aufblühen des religiösen Lebens in unserm Bezirk ziehen dürste, so müßte das Herz jedes wahrhaften Jehudi aufjubeln vor Wonne und Freude, ob der Hoffnungen und Erwartungen, die man daran zu knüpfen berechtigt wäre. Doch so optimistisch sind wir nicht. Es genügt, die Thatsache zu konstatiren, daß es ein Ehrentag für den Verein, eine wahrhaft herzerhebende, imposante Feier für alle Festthetlnehmer war, deren es an 400 gewesen stad. Das Gotteshaus macht durch die Solidität der Ausführung einen vorzüglich würdigen Eindruck. Nach mehreren Gesängen und den üblichen Hakofoth kam der Glanzpunkt der ganzen Feier, die Festpredigt des Herrn Rabbiner Höxter. Es sei uns hier eine Vorbemerkung gestattet. So oft wir noch diesen

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