Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1893)
- Date
- 1893-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1Ö22 Schüler vom samstägigen Unterrichte an sämmtliche Schulinspectoren und kirchlichen Oberbehörden einen Erlaß folgenden Inhalts gerichtet: Die isr. Schüler können an Samstagen vom Schulbesuche nicht enthoben werden, doch können sie an diesen Tagen vom Schreiben, Rechnen und Zeichnen befreit wcrden, wenn die Eltern (Vormünder k.) um die Befreiung in einem Gesuche mit behördlich legalisirter Unterschrift ansuchen. Die Befreiung ertheilt in Elementar-, Höheren Volks- und Bürgerschulen das staatliche Schul kuratorium und der Gemeindeschulstuhl, in Lehrer-. Lehrerinnen- und Kinderbewahr- Bildungsanstalten der kön. Schulinspector. Der solchermaßen befreite Schüler hat am Samstag in allen Unterichtsstunden zugegen zu sein und kann beispielsweise aus Arithemik zu mündlichen Antworten, aus Zeichnen zur Erklärung des Gegenstandes aufgerufen werden. Wenn die Anzahl der jüdischen Schüler eine große ist, so muß nach Thunlichkeit darauf geachtet werden, daß die Zeichen- und Kalligraphiestunde nicht auf den Samstag falle. Wenn dagegen die betreffende Classe am Samstag in einer Stunde bloß mit dem Schreiben von Aufgaben oder Zeichnen beschäftigt ist und Erklärungen nicht Vorkommen, so ist der befreite Schüler während dieser Zeit auszufragen oder mit der Wiederholung seiner Lection zu beschäftigen. Die befreiten Schüler sind in den übrigen Unterrichtsstunden umso mehr zu prüfen und vorausgesetzt, daß Schönschreiben am Samstag erfolgt, ist die Schrift solcher Schüler aus ihren anderen Arbeiten zu beurtheilen. Amerika. New-Uork. Die russische Frage, insoweit sie die in Amerika ansässigen Juden betrifft, ist in eine neue Phase getreten durch die Weigerung des russischen General Consuls in unserer Stadt, den amerikanischen Bürgern jüdischen Glaubens die Pässe zu vidiren, damit es ihnen möglich werde, nach Rußland zu reisen. Die Sache ist umso bedeutungsvoller, als der russische Vertreter gar kein Hchl daraus machte, daß er laut Höherenorts gegebener Ordres handle. Der gewesene Minister der Bereinigten Staaten, Oskar Straus, und Oberst John B. Weber haben nun einen Protest gegen die Handlungsweise des General Consuls oder besser gegen das Gesetz, nach welchem die Consule zu handeln verpflichtet sind, ausgearbeitet und sich mit demselben an den Staats-Secretär Gresham in Washington gewendet. Dieser läßt die Sache nicht auf sich beruhen, und die Folgen dieses Protestes gegen die ungleiche Behandlung amerikanischer Juden in Rußland, wo amerikanischen Bürgern laut Vertrag die gleichen Rechte wie den meistbegünstigten, russischen Unterthanen zugesagt sind, lassen sich nicht absehen. Indes scheint Rußland dieses Mal geneigt zu sein, den Wünschen der Vereinigten Staateu Rechnung zu tragen und ihre Freundschaft zu suchen, selbst gegen England. Eifersüchtig auf die Erfolge der britischen Flotte bet den letzten großen Schiffsmanövern, ist der Czar im Begriffe, eine viel größere Flotte dahin abzusenden, entweder, um seine Macht zu zeigen, oder um — Freundschaft zu suchen. -£• Vermischtes. Rödelheim, 13. Juni. (Unlieb verspätet.) Am 19. Mai verschied dahier nach längerem, schweren Leiden, der auch in weiteren Kreisen gekannte und geehrte Herr Hirsch Lehmann im Alter von 72 Jahren.^ Er war noch einer von jenen immer seltener werdenden Männern, die noch aus früherer Zeit zu uns herüberragen nnd die mit tiefer Innigkeit an dem alten Väterglauben hangen und dabei große Demuth und Anspruchslosigkeit bekunden. Mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit bekleidete er 17 Jahre hindurch das Amt eines ersten Vorstehers in unserer Gemeinde. An den □'tou □’£’ versah er auf uneigennützigste Weise das heilige Amt eines y"ttf und riß durch seine echten altjüdischen Gesänge die Gemeinde zur Andacht und Begeisterung hin. Die N~on verliert an dem Heimgegangenen ein wackeres Mitglied und Vorstandsmitglied, dessen Anordnungen stets maßgebend und mustergültig waren. Auch bei unseren christlichen Mitbürgern stand der Dahingeschiedene in hohem Ansehen, er war Stadtverordneter und Waisenrath. H Hll. Meiningen. 4. Juni. Ein Führer der Antisemiten in dem benachbarten Dorf Walldorf hatte an die Expedition der „Dorf Zeitung" eine Annonce eingeschickt von der Verlobung eines jungen Juden in Walldorf mit einer gebrechlichen Armenhäuslerin. Durch einen zufälligen Umstand wurde die Anzeige nicht veröffentlicht, sondern kam in die Hände des angeblichen Absenders zurück. Als wirklicher Absender wurde der Antisemit Sattler Nothhaupt in Walldorf ermittelt, gegen den Strafantrag gestellt wurde. Er wurde vom hiesigen Schöffengericht zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt. Ein Glück für ihn, daß die Annonce nicht veröffentlicht worden ist, sonst wäre die Strafe härter ausgefallen. Mühlhausen i. E Der Rechenschaftsbericht pro 1892 der Israelitischen Gewerbeschule des Ober-Elsaß in Mühlhausen constatirt einen wesentlichen Fortschritt Da es uns obliegt, heißt es daselbst, die Sielle des Vaters bei den Kindern zu vertreten, so ist es unsere Hauptaufgabe, die Liebe zur Arbeit den jungen Herzen einzupflanzen, was zu unserer Freude völlig gelungen ist. Und in der Thal, die Ausstellung der Schülerarbeiten lassen klar die Leistungsfähigkeit und gute Führung der Anstalt erkennen, und sind ein beredtes Zeugniß von dem Fleiß und der Strebsamkeit der Zöglinge. Die ausgestellten Arbeiten finden immer bei allen Besuchern ungetheilten Beifall, denn hier handelt es sich nicht um eine sogenannte Paradeausstellung, wie in manchen Fachschulen üblich, sondern man erhält wirklich ein treues Bild von den Arbeiten und Bestrebungen der Anstalt, welche unter ihrer umsichtigen und bewährten Leitung auch fernerhin zum Wohle der Stadt und des Landes sich weiter entwickeln wird. Es kostet uns nie Mühe, unsere Lehrlinge bei den besten und vornehmsten Meistern der Stadt unterzubringen, da dieselben wohl wissen, daß wir nie den geringsten Fehler ungerügt lassen. In diesem Jahre beliefen sich die Einnahmen aus 17017.48, Mk. die Ausgaben aus 15272.48 Mk. Budapest. Der Pester Gerichtshof hat auf Grund des Referates des Gerichtsrathes Dr. Victor Belus über die Freistädtler'sche Verlassenschaft, im Werte von fünf Millio-