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Der Israelit · 1893-07-03 · Heft 53 (3.7.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 53 (3.7.1893)
Date
1893-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Parteien gefördert wurde — und neben Rochefort stand die Fürstin d'Uzes! So haben wir jetzt im Antisemitismus neben dem gläubigen Drumont den alten Atheisten Cluseret. Reaktionäre und Revolutionäre durcheinander. Alle Feinde der Republik beisammen. Da ist erstens die Kirche. Die hat ja sozusagen den Beruf, gegen die Juden zu sein, und die Katholiken sind die Antisemiten vor dem Antisemitismus, avant la lettre, bevor die billigen Abzüge für die Menge ausgegeben wurden, noch bevor es in eine populäre Formel gebracht wurde. Sie sind die Fürstin d'Uzes des Antisemitismus. Dann kommen die Sozialisten, welche sehr gesucht sind, weil man die Schwäche der religiösen Argumente fühlt, die heute nicht mehr wirken. Das Bündniß der beiden Feinde scheint seltsam, aber es ist verständlich. Also erstens die Katholiken, welche ererbten Instinkten gegen die Juden folgen; zweitens die Revolutionäre, die der Haß gegen jede Ordnung führt; hinter ihnen die große Masse aller Unzufriedenen, die jede neue Phrase bethört. Kein Wunder, daß das großen Lärm auf den Straßen gibt — aber von einer ernstlichen Bewegung kann man doch eigentlich kaum reden. Das wirkliche Volk hört nicht auf sie und kümmert sich um die Hetze nicht. Es hat keine Antipathien gegen die Juden . . . oder doch höchstens nur gegen einen Theil der Juden, gegen die elsässischen und deutschen . . . und nicht um ihrer Religion willen. Sonst können sich die Juden nicht beklagen. Wir haben im Empire sogar zwei jüdische Minister gehabt, und wir haben jüdische Divisionsgenerale, und ich glaube nicht, daß an der sozialen Geltung der Juden etwas geändert werden wird. Ich glaube nicht, daß der Antisemitismus bei uns eine Zukunft hat. Er ist doch gar zu sehr gegen den Geist unserer Race, die immer duldsam und liberal war." Paris. Am 27. v. M. hielt der Dichter Charles Morice vor einem zahlreichen christlichen und jüdischen Auditorium eine Vorlesung „Ueber das Judenthum". Der Vortragende ist aus Lyon, ans streng katholischer Familie, dessen Valer das Haupt der katholischen Partei seiner Vaterstadt ist. Der Redner widerlegt alle Angriffe der Antisemiten und führt zum Beweise der Vaterlandsliebe der Juden an, daß 1871 60,000 Juden Elsaß- Lothringen verlassen. Der Krieg, den man dem Kapital überhaupt macht, kann das Judenthum nur in zweiter Linie berühren, denn die Mehrzahl der Juden ist arm. Wenn man die Juden zu vernichten sucht, dann ist immer das Kapital noch nicht vernichtet, sondern man vermehrt dasjenige seiner Konkurrenten, der Katholiken und Protestanten, und dann ist die Gefahr noch immer dieselbe. Man tödtet keine Raffe und keine Religion, die müssen eines natürlichen Todes sterben. Das Mittelalter hat den Beweis geliefert, daß man durch Verfolgung nur die Religion stärkt. Mit dem Verschwinden der Juden würde die Menschheit einen unersetzlichen Verlust erleiden. Der Jude ist und bleibt der Sohn seines Landes, der französische Jude ist Franzose, der russische ist Russe. Die Anthropologie belehrt uns, daß jede in ein anderes Klima verpflanzte Rasse ihren ursprünglichen Charakter verliert und den neuen annimmt. Diese Verschmelzung, dieses Eingehen des Judenthums in alle Kulturen ist vom höchsten Interesse für die Menschheit. Diese Rasse bringt dem gemeinsamen Patrimonium seltene und kostbare Gaben; zunächst die bewunderungswürdige Energie, welche ihm gestattet, ohne Vaterland als die geistige Heimath seiner Religion allen Verfolgungen zu trotzen; seine erleuchtete Tendenz und sein Ideal reinster unbeugsamer Gerechtigkeit, Eigenschaften, die nöthig und erforderlich sind, um den Idealismus und das Ideal der Liebe der arischen Raffe zu ergänzen. — Reichlicher Beifall lohnte die formvollendete und geistreiche Art des Vortrags. > Vermischtes. Alexandrien, 30. Mai. Ihre Mittheilung bezüglich der 30 russ. Familien, deren Landung in Jaffa verweigert wurde, ist leider nackte Wahrheit. Diese Familien besindeil sich hier und verdanken nächst Gott ihr Dasein dem edlen Philantropen, Sr. Excel!. Cowreft Bey, welcher in aufopferndster Weise für diese unglücklichen Männer, Greise, Frauen und Kinder sorgt. Durch Initiative dieses edlen Menschenfreundes sind auch schon circa 150 Pfund Sterling für ihre Weiterbeförderung gezeichnet, aber wohin sollen sie befördert werden / Wo ist eine Stätte für diese Unglücklichen? I. M—8. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Rahel saß bei dem Vater am Tische in dem einfach ausgestatteten Wohnzimmer und las beim Scheine der Lampe die neuesten Zeitungen vor. Ach, sie enthielten nichts Gutes. Roth und Theuerung, überall Mißernten und Unglücksfälle an allen Orten. Eine schwere Zeit schien für die Menschen anzubrechen, doppelt schwer für die Bekenner der Religion Moses und Israels. Allüberall erheben deren Feinde ihr Haupt und während man hier heimlich und insgeheim Pfeile spitzt und sie offen oder aus dem Hinterhalt auf das jüdische Volk abschießt, betreibt dort der Staat selbst öffentlich und systematisch das barbarische Werk der Verfolgung. Benjamin hörte aufmerksam zu, und als Rahel geendet, sagte er:

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