Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1893)
- Date
- 1893-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1015 Bank- und Lotteriegeschäfte 10, Manufactur und Modewaaren 16, Eisen und Metalle 2, Colonial- und Farbwaaren 3, Weißwaaren, Wäsche u. s. w. 10, Kurz- und Galanteriewaaren 4, Schuhwaaren und Schuhmacherartikel 2, Getreide 5, Wein und Spirituosen 1, Tabak und Cigarren 1, Exportgeschäfte 4, Papier- und Schreibwaaren ^Möbel- Handlung 1, Holzhandlung 1, Militaireffekten 1, Lichtfabrik 2, Leimfabrik l, Bäckerei 2. Mit Stellen versehen wurden a) in Hamburg/Altona 13 Commis und 22 Lehrlinge; b) außerhalb Hamburg 17 Commis und 13 Lehrlinge, 1 Geselle und Handwerkerlehrling. Erwähnen wollen wir noch, daß der Mitgliedbeitrag von 3 Mk. nicht, wie viele meinen, als Vergütung resp. Bezahlung für eine zu verschaffende oder verschaffte Stellung zu betrachten ist, sondern daß der Verein mit seinen bedeutenden Unkosten auf die fortwährende Mitgliedschaft vieler Glaubensgensgenossen angewiesen ist, damit seine Wirksamkeit nicht gefährdet werde. Die 3 Mk. berechtigen zunächst nur zur Bewerbung bei der Stellensuche. Oester.-Ung ar. Monarchie. Wien, 26. Juni. Den Besuchern der großen Synagoge in der Schiffgasse, der sogenannten „Schiffschul" wurde verflossenen Samstag rpm 's eine große und wahre Scelenfreude zu Theil, da derselben die Gelegenheit geboten war, sich an einer großartigen, vom echt jüdischen Geiste durchwehten, Derascha des Pakser Rabbiners n"iD mn nsiD ]nbd)t, des berühmten Verfassers des l2ip> und anderer hervorragender Werke, sich zu ergötzen und zu erbauen. Dem Vorstande der Schiffsynagoge und Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Salomon Spitzer — gebührt das Verdienst den Rabbi Sußmann Sofer, der gelegentlich der Hochzeit seines Sohnes in Wien weilte, zur Abhaltung einer Derascha etngeladen zu haben und dem ausgezeichneten Redner, nämlich dem Rabbiner Sofer der Dank aller derjenigen, die sich an seinen begeisterten Worten erbaut und erhoben haben. Wir bedauern es von Herzen, daß es uns aus Raummangel nicht möglich ist, diese ausgezeichnete, mit wahrer Begeisterung für npnpn umin vorgetragene Derascha, welche allenthalben einen mächtigen und nachhaltigen Eindruck auf die andächtig lauschenden Zuhörer hervorbrachte, auch nur zu skizziren, und wollen wir uns nur auf die Hervorhebung der eigentlichen Tendenz der Derascha und die Erwähnung einiger geistreich ausgelegten D»piDE und Midraschim beschränken. Der Hauptzweck, den der illustre Redner verfolgte, war die Aneiferung und Aufforderung, die Heranwachsende Jugend mehr Thora lernen zu lassen. Redner schilderte in drastischer Weise die desolaten Zustände in Wien in Betreff des Thorastudiums, welches sich auf den deutschen Religionsunterricht in der Schule beschränkt — und klagte in ergreifenden Worten über den Verfall, welchem das Thorastudium hier entgegengehe, wenn nicht baldigst Abhilfe durch Anstellung von Thoralehrer, die zugleich d»öp »kt und min sind, geschaffen werde. Er schilderte in geistreicher Weise, den Vers im Wochenabschnitte anwendend, wie die Thora Nun mmö von der Höhe gesunken, p!2'p'.-i me by nsppji, und welche Verwüstung auf dem Gebiete des Thorastudiums uns hier entgegenstarre. Dieser Rückgang sei nur, meinte Redner, dem Mangel an Gottesvertrauen und den hohen Ansprüchen, die an das Leben gestellt werden, zuzuschreiben. Wenn Jemand heutzutage sein Kind Thora lernen lasse und es zu seiner weiteren Ausbildung in eine Jeschiwa sende, sagen Viele, er mache es unglücklich; erst wenn es durch sein Thorastudium zu einer Lebensstellung gelange, dann erst werde etwas von ihm gehalten. Damit erklärt Redner sehr gut die Midraschstelle n^Tin mina om xbw d^pit mnn na msd. Warum ist Jerusalem verwüstet worden, weil sie nicht gleich im Anfang, sondern erst später, wenn ihnen aus der Thora ein Nutzen erwachsen, diese segneten und lobten. Das Heraustreten aus seiner Sphäre und die hohen Ansprüche, die in unserer Zeit von so Vielen an das Leben gestellt werden, bringe es dahin, daß so viel mp W>n vorkomme. Man sage gewöhnlich, als Entschuldigung für die Verletzung und Entweihung des Sabbat, daß die Bedürfnisse ein Haus zu erhalten, so große sind, daß man um diese herbeizuschaffen, auch den Sabbat zu Hilfe nehmen müsse. Die wahre Ursache aber ist, daß so Viele über ihre Verhältnisse hinaus leben wollen. Trefflich war hierauf die Anwendung des Bibelverses dvs (2. B. M., K. 16)! »y»:jpn ova itrpoö p»n ns» bx i»nnn p»n dp, welchen Redner folgender Weise erklärte: Es bleibe ein Jeder in seiner Sphäre und gehe nicht über seine Verhältnisse hinaus, dann wird er den Sabbat beobachten können. Wir schließen unseren Bericht, in welchem wir nur eine kleine Blumeulese der geistreichen Auslegungen des Redners wiedergegeben, mit der Hoffnung, daß diese ausgezeichnete Derascha, welche eine mächtige Wirkung auf die andächtige Versammlung hervorbrachte, von wohlthätigen Folgen begleitet, und daß dem Wunsche des Redners für das Studium hier in Wien eine Stätte zu gründen, baldigst entsprochen werden möge. H. L—r. Frankreich. Paris, 19. Juni. (Jules Simon über den Antisemitismus.) Hermann Bahr gegenüber äußerte sich der berühmte Schriftsteller und Politiker Jules Simon über den Antisemitismus in Frankreich — wie wir in der „Deutschen Zeitung" lesen — folgendermaßen : „Mein Gott, die Antisemiten! Das ist eine sehr trübe und verworrene Partei aus vielen unerträglichen Elementen. Ganz wie früher der Boulangismus, der auch von allen möglichen