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Der Israelit · 1893-07-03 · Heft 53 (3.7.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 53 (3.7.1893)
Date
1893-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1012 der sie und uns dahingestellt hat, sind ein Hinweis auf den, der sie allein zu lösen vermag, sind eine Offenbarung Gottes, sie alle zeigen mit Fingern darauf hin: Es gibt einen Gott! Das sollen wir wissen, — yi^ — das sollen wir unseren Kindern, unseren Schülern, unserer ganzen Umgebung lehren, — yiini» — das soll durch unser Leben und Sterben, durch unser Thun und Laffen sich unwillkürlich manifestiren — — und in immer weitere Kreise so lange dringen, bis es Gemeingut der ganzen Menschheit geworden ist. Das wissen viele nicht, und viele, die es vielleicht in der Jugend gelernt und selbst im Leben praktisch erfahren haben, haben es sich als bloß theoretisches Wissen angeeignet, das im Kopfe ruht, aber nicht das Herz erfüllt und noch weniger zur That drängt. Das ganze Leben mit seinen Sorgen und Zerstreuungen, mit seinen Kämpfen und Genüssen drängt dieses Wissen in den Hintergrund und führt so daz r, an Gott zu vergessen, daß derjenige, der unter allen Sterblichen der Gottheit am nächsten stand, mahnt: ruBwOi vniso *n^at> 'n 'n n« nat^n jb “\b iDtpn .□rn -pLO ’djn nv'tt vnpro „Hüte dich, daß du nicht Gott deinen Gott vergissest, daß du nicht seine Gebote, seine Rechtsordnungen und Gesetze hütest, zu welchen ich dich heute verpflichte." (V. B. M., C. 8, V. 11.) Aus diesen Worten, welche das Vergessen Gottes mit der Vernachlässigung seiner Gebote in Zusammhang bringt, ergibt sich, daß die Pflichten, welche uns Gott zur Erfüllung überwiesen hat, den Zweck haben, das Bewußtsein von Gott in stets unverwelklich frischem Gedächtniß zu behalten. Dasselbe heilige Band, das durch Kidduschtn Mann und Weib verbindet, webt sich zwischen Gott und jeder Menschenseele, die ihr Augenmerk auf die treue Erfüllung der von Gott hierfür gebotenen Pflichten unablässig richtet. Daß wir durch die M'zwoth wie durch die Kidduschtn mit Gott verbunden werden, spricht die sie die begleitende Be. racha mit den Worten aus: vrosoa uttnp iiw, daß Gott uns mit sich durch seine Mtzwoth in heiligender Weise vereinigt. Und wie in der Ehe jeder Tag dieses Band fester knüpft, so schürt jede neue Mizwah einen frischen Knoten in dem uns mit Gott vereinigenden Bande. Aus dieser Verbindung vollzieht sich die Gottinnigkeit und das aus ihr erblühende unaussprechliche Lebensglück, das sich unabhängig von allem glänzenden oder trüben äußeren Geschick entfaltet, nt* nia& «in -jna ffiipn nm rosoi min Dr6 nain Glücklich hat Gott Israel machen wollen, deßhalb hat er ihm diese Fülle von Pflichten überwiesen. Dieses Glück überwindet selbst den Tod. Es ist nichts erquickender in den letzten Stunden des Athmens, als dieses Bewußtsein einer festen Gottinnigkeit, die man durch das volle Leben getragen hat, und daß man zuletzt weiß, warum man eigentlich gelebt habe. Das wissen Millionen und Millionen nicht. Sie kommen wie die Pflanzen und Thiere des Feldes, nähren sich mühsam, pflanzen ihr Geschlecht fort und sterben. Diese Verbindung mit Gott ist das einzige, das das Grab überdauert. Wir haben keine Ahnung von dem Aussehen, der Gestaltung und dem Inhalt des künftigen Lebens. Aber wer je darüber nachgedacht hat, wird sich sagen müssen, in den Sorgen und Genüssen, in dem, wonach die meisten Menschen hier hasten und jagen, kann die künftige Welt ihr Genüge nicht finden. Das woran hier das Herz mit allen Fasern hängt erscheint dort geringfügig und werthlos und das was wir hier für nebensächlich und kleinlich ansahen, ist vielleicht der eigentliche Inhalt des ganzen einstigen Lebens. Eines nur wissen wir sicher: Derselbe Gott, in dessen Dienst wir hier hier gestanden, dessen mächtiger Vaterarm umspannt auch die Ewigkeit und nimmt uns im Jenseits auf. Sein Wille, sein Gebot ist ewig, wie er selber. Wem er das Fundament für das Denken und Handeln in dieser Welt war, der steht damit schon jetzt auf dem Boden, welcher auch der der kommenden Welt sein muß. Alles mag weichen und wanken, alles mag Gestalt und Gehalt wechseln, eins bleibt, eins kann sich nicht ändern, wie sich auch der Schauplatz ändern möge, das ist Gott und sein Wille. Diese tröstliche Wahrheit ist es, welche die zurückbletbenden Genossen dem Scheidenden in die Ewigkeit mit den Worten als letzten Gruß Nachrufen: nnx m 'm 'n yotp Höre Israel, Gott unser Gott ist der Eine, ist das einzige Bleibende. Was auch hinter dem Vorhang liegen möge, den noch keine Hand gelüftet, wie auch die Bühne wechseln möge, die noch kein Auge gegeschaut, es ist ein und derselbe Gott, hier wie dort, cratyi au* '.i ,Ta, der Hauch des Gottesnamens ist der sichere Hort, der beide Welten trägt und belebt. Vor diesem Bewußtsein verliert der Tod seinen Stachel und das Grab seine Schrecken. Deßhalb ringt sich dem heidnischen Seher bei Anblick des jüdischen Glücks der Seufzer aus der Brust: man lnioa TPin» vini v'iw' nio ’ipbj. „Möchte meine Seele den Tod der Redlichen sterben und mein Ende gleich dem seinigen sein." Mit einem solchen Leben und einem solchen Sterben wird die Wahrheit vor aller Welt proklamirt: 'x nw. Es gibt einen Gott! Was anders bestimmte wohl den Pflichttreuen, allen Reizen und Lockungen zu widerstehen und den schmalen, steilen Pfad der Pflicht zu gehen, als der

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