Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 52 (29.6.1893)
- Date
- 1893-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448365--36628-2484664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Inhaber mehrerer raff. Orden, und der Oberrabbiner von Moskau, Rabbi Menor, zeigten dies der Moskauer Stadtverwaltung mit dem Bemerken an, daß der Miethvertrag mit dem Eigenthümer, in dessen Haus die prov. Synagoge sich befindet, abgelaufen sei und baten um die Erlaubniß die neue Synagoge am 7. Juni zu eröffnen. Die Erlaubniß wurde gegeben und die Thorarollen wurden unter großer Feierlichkeit in Gegenwart der Präsidenten der Synagoge und Rabbiner von der alten in die neue Synagoge gebracht. Das Gebäude wurde hierauf eingeweiht und der Gottesdienst schloß mit einem Gebete für den Kaiser und den Gouverneur von Moskau. Die alte Synagoge wurde alsdann geschloffen und der Gottesdienst fernerhin im neuen Gebäude abgehalten. Der Präsident der Synagoge und der Oberrabbiner richteten hierauf an den Gouverneur von Moskau und an den Minister des Innern eine Petition, in welcher sie hervorhoben, daß die Synagoge unter Genehmigung dieser beiden Instanzen erbaut und mit Erlaubniß der Behörden eröffnet worden, daß inzwischen die alte Synagoge niedergeriffen. und daß wenn der Befehl zur Schließung der Synagoge unwiderruflich sei, die jüdische Gemeinde während der hohen Feiertage (Neujahr und Versöhnungstag) keine Statte zum Gottesdienste hätte. Als Antwort dieser Petition ging unter dem 6. November 1892 ein kaiserlicher UkaS ein, welcher die Entlastung des Oberrabbiners und seine dauernde Verbannung aus Moskau binnen 14 Tagen und die Verbannung des Herrn Schneider auf zwei Jahre anordnete sm , (Siehe Seite 991.) Einige Monate später wurde der Oberrabbiner zu dem Polizeimeister gerufen und ihm nachstehende Mittheilung des General-Gouverneurs von Moskau vorgelesen: „Der 14. Juli dieses Jahres (1892) ist der letzte Tag zur Abreise der Juden von Moskau, welche nicht das Recht besitzen, in dieser Stadt zu wohnen. Nach diesem Datum wird nur noch eine sehr kleine Anzahl Juden dahier wohnen, so daß eine Synagoge in Moskau keine Nothwendigkeit mehr ist. In Anbetracht, daß die neue Synagoge noch nicht eröffnet und die Existenz einer Synagoge ungeziemend ist, hält es Sr. kaiserl. Majestät in Uebereinstimmung mit dem Minister des Innern für nöthig, daß das Gebäude in eine wohlthätige Institution umwandelt oder bis zum 1. Januar 1893 verkauft werde." Der^Oberrabbiner ist 70, Herr Schneider beinahe 75 Jahre alt. Die Synagoge ist nun geschloffen und von den Behörden versiegelt worden. Sie wurde nur noch einmal zur Abholung der Thorarollen geöffnet, welche in Gegenwart der Polizei in einem Privathause untergebracht wurden, wo sie jetzt noch sind. Seit dem 1. Januar ist die Vorhalle der Synagoge zu einer Schule umwandelt worden, während das Hauptgebäude sich in einem erbärmlichen Zustande befindet, das einzige Lebenszeichen sind die Vögel, welche darin ihre Nester erbaut haben. Inzwischen sind die wenigen Juden in Moskau, Kaufleute erster Gilde, ohne Stätte,zu einem Gottesdienste. Außer dem Grundstücke und der Einrichtung hat das Gebäude bereits 800,000 Mark gekostet. .uiorut’ "pon tu »n»