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Der Israelit · 1893-06-29 · Heft 52 (29.6.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 52 (29.6.1893)
Date
1893-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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t-*»***.-*?" ^4' l+-: ‘fr? 991 unter den Stämmen und sie konnten seiner Zurechtweisung nicht Stand halten, denn so steht es geschrieben: Die Brüder konnten nicht ihm antworten, denn sie waren vor ihm betroffen. Wenn erst der Heilige, gesegnet sei er, kommen und jeden Einzelnen zur Rede stellen wird, je nachdem, was er in Wirklichkeit ist, denn so ist es gesagt: ich werde dich zur Rede stellen und alles vor deinen Augen vorführen, wie werden wir dann erst überwältigt sein!" (Midrasch Bereschith Rabba z. St.) Der ganze Zug unserer Zeit steuert darauf hin, diesen ernsten Gedanken nicht die gebührende Beachtung zu zollen, ja sie nicht einmal aufkommen zu lassen. Unsere Kinder werden in der Schule für das Leben vorbereitet, aber nur für dieses Leben. Sie lernen wohl in der Religionsstunde, daß es ein einstiges Leben gibt, sie erfahren vielleicht auch, daß jenes Leben das Leben der Vergeltung ist, so steht es in ihren Religionsbüchern, aber in den Herzen, in den Geistern und Gemüthern findet man erschreckend wenig von dieser Wahrheit. Die Anforderungen, die das Leben stellt, sind so groß und vielseitig, die wirklichen und die erkünstelten, daß sie den jungen Menschen ausschließlich erfüllen. Dazu kommt, daß die große Mehrzahl der Lehrer und Erzieher selber lange nicht tief genug von dieser Wahrheit erfüllt und durchdrungen ist, um sie den Kindern und überhaupt anderen mit dem ganzen nachhaltigen Ernst etnzuprägen. Das Leben läßt keine Zeit, an den Tod zu denken und gar an jenes einstige Leben, das nach dem Tode folgt und der ewigen Vergeltung aller geübten Tugenden und Laster gewidmet ist. Aber selbst Angesichts des Todes kommt diese Wahrheit meistens nicht nur nicht zum Ausdruck, sondern sie wird geradezu unterdrückt und oft in ihr Gegentheil umgewandelt. Wie Viele, wie Wenige haben den Muth und haben die Einsicht, selbst wo die untrüglichen Vorboten der Auflösung bereits sich geltend machen, den Gedanken an die Verantwortlichkeit zu wecken, deren Stunde in wenigen Minuten schon vielleicht schlägt! Und selbst wo der Tod bereits eingetreten ist, wo ihm Prediger und Grabsteine das Wort reden, wie wäre das der geeignete Moment, um den Hinterbliebeuen den Gedanken an die Verantwortlichkeit nach dem Tode zum Bewußtsein zu bringen und in wie ungenügender, verkehrter, ja geradezu wahrheitswidriger Weise geschieht dies! Vielleicht macht sich die Lüge, die Schmeichelei, die Heuchelei und Schönfärberei im ganzen Leben nirgends so breit als Angesichts des Todes, an den Bahren der Entschlafenen, an den Stätten ihrer Bestattung. Wer die Welt nur aus den Grabinschriften, aus den Nachrufen und Leichenpredigten kennen und sie danach beurtheilen würde, müßte glauben, in der vollkommensten aller Welten zu leben, die nur von Tugendhelden und Engeln bevölkert sei. Während man im Leben klagt über Mangel an Vertrauen und Offenheit, über Gewalt und Verkümmerung des Rechts, über Neid und Bosheit, braucht der Unseligste nur zu sterben, um „selig" gesprochen zu werden. So ruhen alle in Gott und wandeln alle in den Gefilden der Seligen, der Gute und der Schlechte, der Edle und Gemeine. Daß jetzt die Zeit der Verantwortung gekommen, daß jetzt die Spreu vom Korn geschieden, daß der Tod nicht alle gleich gemacht, daß im Leben die Schlechten und die Guten nebeneinander hergehen mögen, daß es im Tode aber heißt: prr y«n pH8, man bestattet keinen Gerechten neben einem Schlechten, über dieses und alles Dazugehörige schweigt sich unsere sonst so redselige Zeit in allen Variationen aus und würde den als intolerant und mindestens als taktlos bezeichnen, der die Dinge beim rechten Namen nennt. So alt und so geläufig daher auch die Wahrheit ist, der hier das Wort geredet wird, daß sie nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt wird, baß man die zahllosen Consequenzen zieht, von welchen hier nur wenige angedeutet wurden, daß die entsittlichenden, demoralisirenden Folgen der Verleugnung dieser Wahrheit nicht weiter und weiter um sich greifen, dafür kann es nicht oft und nicht eindringlich genug wiederholt werden: „Die Lebenden sind zu sterben, die Gestorbenen zur Wiederbelebung und die Wiederbelebten sind gerichtet zu werden bestimmt." (Fortsetzung folgt.) Die aus Befehl des Gouverneurs geschlossene neue Synagoge in Moskau. (Zu unserem Bilde.) Im Jahre 1887 gab der General-Gouverneur von Moskau mit Einwilligung des Ministers des Innern der jüdischen Gemeinde die Erlaubniß auf ihrem Grundeigenthum in der Spafso- Spanitzensky Pereulok eine Synagoge zu erbauen. Der Grundstein wurde Juni 1888 gelegt und das Gebäude nach den von dem Baucomitö der Moskauer Verwaltung offiziell bestätigten Plänen errichtet. In seinem Erdgeschoß sind Sitze für 500 Personen und fast ebensoviele auf den Gallerten, die Kinder- und Freifitze nicht miteingerechnet. 1890, als der Bau beinahe vollendet war, befahl der Procurator des h. Synods, Herr Pobiedonotzeff, weil griechische Kirchen Kuppeln hätten, die nach den Plänen genehmigte und bereits errichtete Kuppel abzunehmen, welche durch den berühmten Architekten Samyon Semyonovitsch Eibüschütz, welcher den Bau leitete, auch dementsprechend abgeändert wurde. Die Synagoge wurde am 28. Mai 1892 vollendet, und der Präsident der Synagoge, Aaron Efreowitch Schneider,

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